Sommer und die damit von vielen sehnsüchtig erwartete Ferienzeit stehen kurz vor der Tür. Für viele ist damit eine Urlaubsreise per Flugzeug verbunden – doch das gestaltet sich oft mühsam. Worauf Sie achten sollten, wenn der Flug verspätet ist und welche Rechte Ihnen daraus zustehen. Entschädigung für Flugpassagiere.

In Europäischen Luftraum herrscht in den Sommermonaten reger Verkehr, kommen doch zu den Linienflügen zusätzliche Charterflüge hinzu. Flughäfen planen mögliche Starts und Landungen darüber hinaus nahe an der Maximalauslastung und die ist nur unter optimalen Bedingungen einhaltbar. Gerade an größeren Flughäfen können Wetterextreme oder andere Zwischenfälle zu gravierenden Verspätungen führen.

Seit einigen Jahren greifen für diese Fälle die Regelungen der EU-Fluggastrechteverordnung, die zum Schutz der Konsumenten beschlossen wurde. Rabattschlachten führten zu straffen Flugplänen und die wiederum verzögerten sich beispielsweise bei extremen Wetterbedingungen zusätzlich. Leidtragender waren schlussendlich die Passagiere, die solche Verzögerungen schlichtweg in Kauf nehmen mussten. Ziel der EU-Verordnung war es, die Fluglinien zur Pünktlichkeit zu zwingen.

Außergewöhnliche Umstände

Sogenannte außergewöhnliche Umstände befreien Fluglinien von einer Entschädigungszahlung, weshalb mit diesen auch in den allermeisten Fällen argumentiert wird. Zweck dieser Maßnahme ist es, dass Passagiere entnervt das Handtuch werfen. Schließlich ist ein Rechtsstreit nicht nur mit Kosten, sondern auch mit zeitlichem Aufwand verbunden. Dazu muss ein Kunde erst einmal beweisen, dass kein außergewöhnlicher Umstand vorliegt. Fluggastportale wie zB airhelp übernehmen die finanziellen Risiken einer Klage auf Entschädigung wegen Flugausfällen oder Verspätungen.

Der EuGH legt die Verordnung nämlich im Sinne des Konsumentenschutzes sehr streng aus. Alles was zum gewöhnlichen Betrieb einer Fluglinie zählt, ist kein außergewöhnlicher Umstand und für die Richter in Luxemburg ist das doch einiges mehr als den Airlines lieb ist. Galten früher noch Streiks oder Wartezeiten aufgrund einer Wartungsarbeit wegen eines nicht lagernden Ersatzteils als Befreiungstatbestand, zählt das nun dazu. Gerade bei den Streiks argumentierte der EuGH, dass diese im Wesentlichen auf hausgemachte Probleme in der Personalpolitik zurückzuführen sind. Eine Fluglinie müsse ergo damit rechnen, dass sich das Personal wehrt – am effektivsten geschieht dies nun mal mit Krankenständen und Streiks.

In jüngster Zeit sorgte eine Entscheidung für Aufsehen, die selbst für Experten überraschend kam: Eine – selbst unvorhergesehene – Wartungsarbeit zählt zum normalen Betrieb. Sogar dann, wenn die Beschaffung des Ersatzteils mehrere Stunden dauert. Begründet wurde das Urteil damit, dass es herrschende Praxis ist, Ersatzteile erst im Anlassfall zu beschaffen. Hinzu kommt, dass in so einem Fall das Flugzeug sogar dann am Boden bleiben muss, wenn die Reparatur erfolgt ist. Für das Bordpersonal zählen nämlich Stehzeiten zur Arbeitszeit und wenn sich aus der Dauer der Verspätung in Summe eine Überschreitung der Höchstarbeitszeit ergibt, bleibt das Flugzeug am Boden. Früher wurde Ersatzpersonal für solche Fälle eingeplant, nur bei Ticketpreisen wie sie derzeit herrschen, wäre das wirtschaftlicher Ruin.

Zu den außergewöhnlichen Umständen zählen also nur mehr extreme Wettersituationen oder Zwischenfälle, die nichts mit dem normalen Flugbetrieb zu tun haben und in keinster Weise vorhersehbar sind. Das wäre etwa ein Stromausfall an einem Flughafen oder ein Softwareproblem bei der Passagierabfertigung. Zuletzt führte ein Metallteil auf dem Rollfeld zu einem Reifenplatzer – auch das zählte in der Rechtsprechung als unvorhersehbar.

Hartnäckigkeit und gute Nerven lohnen sich also für Passagiere – je nach Flugstrecke und mit zumindest dreistündiger Ankunftsverspätung können zwischen 250,- und 600,- an Entschädigungszahlung herausschauen und das ist schon fast das Budget für den nächsten Urlaub.