Glücksbringer, ob nun vierblättriger Klee oder ein ganz spezielles Amulett, sind die kleine Portion magisches Denken im Alltag, die sich selbst die Pragmatiker unter uns gönnen und die sogar die Wissenschaft uns empfiehlt. Doch was steckt hinter den Mutmachern und wo kommen sie eigentlich her?

Kennen Sie das, die verstohlene Freude, wenn Ihnen ein Schornsteinfeger entgegenkommt? Der  Klee am Wegesrand, der einen verführt, wenigstens kurz den Blick streifen zu lassen auf der Suche nach dem vierblättrigen Einzelstück, das sich so rar macht? Selbst diejenigen, die Glückssymbolen und -riten nicht viel abgewinnen können, drücken Daumen oder haben beim Anblick einer Sternschnuppe schon mal den ein oder anderen Wunsch formuliert.

Dem Glück nachhelfen

Wir wachsen mit dem kulturellen Wissen auf, dass Marienkäfer, Hufeisen, Mistelzweige und Glückscents unser Schicksal positiv beeinflussen sollen. Die Wenigsten kennen den Ursprung der magischen Zuschreibungen, obwohl jedes der Glückssymbole kleine Geschichten aus längst vergessenen Zeiten erzählt. Warum werden, insbesondere um Silvester, so gern Marzipanschweinchen verschenkt? Das Schwein stand bei den germanischen Völkern als Symbol für Reichtum, Fruchtbarkeit und Stärke. In mittelalterlichen Wettbewerben bekam der Letztplatzierte als Trostpreis ein Schwein, das als gute und versöhnliche Gabe galt. So entstand auch die Redewendung „Schwein haben“, wenn ein Ereignis entgegen aller Erwartungen doch noch im guten Sinne verläuft.

Eine ebenso lebendige Glücksgestalt ist der Schornsteinfeger. Glück brachte er besonders zu Zeiten, als noch mit Kohle geheizt wurde, denn wenn der Kamin verstopft war, konnte weder geheizt noch Mahlzeiten zubereitet werden, bis der Schornsteinfeger den Schlot reinigte. Mittlerweile ist man nicht mehr derart angewiesen auf den Kaminkehrer und doch gilt nach wie vor: Einen Schornsteinfeger zu berühren bringt Glück!

Alle machen mit

Es ist beruhigend, dass sich in einer hektischen, fortgeschrittenen Zeit wie der unsrigen doch noch ein paar verspielte Rituale und Bräuche halten, die ebenso Zeugnisse früherer Tage sind. Denn auch der Marienkäfer gehört zu den Maskottchen interessanten Ursprungs, den viele unter uns gar nicht mehr kennen. So glaubten Bauern, dass die kleinen Schädlingsbekämpfer aufgrund ihres positiven Nutzens für die Landwirtschaft ein Geschenk der Mutter Jesu seien – und benannten kurzerhand die Käfer nach ihr.

Tatsächlich gründeten sich wegen seiner christlichen Bedeutungszuschreibung zahlreiche Marienkäferkulte um das kleine Insekt. In Schweden wird der in Europa geläufige Siebenpunkt-Marienkäfer „Marias Schlüsselmagd“ genannt; die sieben Punkte sollen auf die sieben Tugenden der heiligen Maria zurückgehen. Verjagt oder tötet man das kleine Tier, soll es Unglück bringen.

Ähnlich janusköpfig ist auch die Bedeutung des Hufeisens. Als Glücksbringer geschätzt wurde es im Laufe der Zeit an Schiffsmaste, über Türen, Eingänge und Kamine genagelt, mal nach oben zeigend, damit das Glück nicht hinausfällt, mal nach unten gerichtet, damit das Glück zu einem „fließen“ kann. Über die Ausrichtung des Hufeisens besteht nach wie vor keine Einigung, verbreiteter ist mittlerweile jedoch der Glaube, dass dem, der ein  Hufeisen mit drei Nägeln findet und es nach oben zeigend aufhängt, das Schicksal wohlgesonnen ist.

Rituale können helfen

Wir feiern Polterabende, werfen Münzen in Brunnen und lassen mit Feuerwerk und Bleigießen das Jahr ausklingen. All das sind fest verankerte Riten gegen böse Geister und für Reichtum, Liebe und Gesundheit im Leben. Insbesondere an Silvester gibt es weltweit unterschiedlichste Bräuche, um das Schicksal zu begünstigen. In einigen Teilen Chinas werfen unverheiratete Frauen oder Männer Mandarinen ins Meer, um dem Liebesglück im neuen Jahr einen Schub zu geben. Weniger kulinarisch, aber umso sinnlicher halten es in der Hinsicht Brasilianer, Chilenen und Italiener, die zum Neujahrswechsel rote Unterwäsche anziehen, um Amors Gunst zu erlangen. Geldsegen und Glück soll im Süden der USA wie auch in Tschechien an Silvester eine traditionell zubereitete Linsensuppe bringen; die Linsen stehen hierbei für Taler.

Rituale zur Schicksalsbeeinflussung finden sich aber nicht nur zu großen Festen! Auch oder gerade im Sport wird ein wenig Aberglaube als liebevolle und glückbringende Marotte gepflegt und es gibt kaum einen Profisportler, der kein Ritual pflegt oder Talisman besitzt. Man denke an Jogi Löws blauen Kaschmirpulli zur WM 2010, den der Bundestrainer als Glückssymbol zu jedem Spiel trug. Profirennfahrer Sebastian Vettel trägt bei allen Fahrten stets seinen Glückscent bei sich. Geschadet hat das mitnichten – immerhin ist er der bislang jüngste Rennsport-Weltmeister aller Zeiten!

Glücksriten funktionieren wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, denn sie stärken den eigenen Optimismus und Glauben an sich selbst. Sie geben uns besonders in Situationen größerer Unsicherheit das Gefühl, doch noch ein wenig Kontrolle über unser Schicksal zu haben.

Magie tut gut

Magisches Denken kann sinnstiftende Funktionen erfüllen und eine positivere Grundeinstellung sich selbst, den eigenen Leistungen und dem Leben gegenüber erwirken. Neuropsychologen der Universität Zürich fanden heraus, dass bei der Bedeutungszuschreibung von Ereignissen oder Dingen durch Aberglaube eine vermehrte Produktion des Glückshormons Dopamin stattfindet. So sei beispielsweise der Dopaminstand bei Schizophrenie-Erkrankten, die den Dingen übermäßige Bedeutung zuschreiben, zu hoch, wohingegen er bei Depressionspatienten kaum vorhanden sei.

Ein genussvoller Weg dazwischen und ein wenig (augenzwinkernder) Aberglaube, der Dingen, Lebewesen oder Handlungen magische Fähigkeiten zuspricht, lässt das Leben weniger oberflächlich erscheinen. Gegenstände oder Vorgänge, die wir mit etwas besonderem assoziieren und dem Glauben, sie beschützten uns, können – so banal sie manchmal vielleicht sind – Trost, Freude und Mut spenden.

Welcher Talisman auch immer Ihnen ganz persönlich Kraft spendet und wie durch Zauberhand Glücksgefühle aufkommen lässt, denken Sie immer dran: ”Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige
Brille sehen.“ (Alexandre Dumas)

Glückssymbole anderer Länder

Maneki Neko (Japan)
Wir kennen sie alle, die kleine Porzellankatze, die fortwährend mit einer Pfote winkt. Aber: Im Detail steckt das Glück! Winkt die Katze mit rechts, begünstigt sie Wohlstand. Wenn sie mit der linken Pfote winkt, soll das Glück ins Haus kommen.

Nazar-Amulett (Orientalischer Kulturraum)
Meist blaue augenförmige Amulette, die den Bösen Blick abwenden sollen. Menschen mit hellblauen Augen besitzen, dem Volksglauben nach, den unheilvollen Blick, der mit einem ebenfalls blauen Auge gebannt werden soll.

Horn (Neapel)
Bereits im alten Pompeji bekannt soll der wie eine Peperonischote geformte Glücksbringer ebenfalls gegen den bösen Blick helfen.

Über den Autor

Ich mag es, den Radius meiner Welt zu erweitern. Mit allen Sinnen, Zwischentönen und flirrenden Reflexionen, die es mit sich bringt. Reisen, Gespräche, Kulturarbeit und die Rezeption von Literatur, Musik und Theater inspirieren mich und schaffen Impulse. Sie lenken den Blick auf die kleinen und großen Besonderheiten, die uns umgeben, den Zauber, der zwischen Zeilen und in Brüchen begriffen ist. Nach welchen Facetten können wir unser Leben gestalten und was macht uns als Menschen im Spannungsfeld sozialer, individuell-freiheitlicher und politischer Interessen aus? Bei meiner Arbeit für die Auszeit versuche ich vor allem ersterem auf den Grund zu gehen und schreibe über Themen rund um Nachhaltigkeit, Entschleunigung und Kreativität. Fehlt es mir selbst mal an Entschleunigung, sind (Power-) Yoga oder ein Rückzug in die Natur das, was mir wieder Kraft gibt und mich tief durchatmen lässt.

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