Für viele ist es wie ein Ritual: Wenn das ganze Haus nach frischen Brötchen und Kaffee duftet und sich die Familie am Frühstückstisch versammeln, darf eine nicht fehlen: Die Marmelade, die kleine Süße, die an sich schon völlig genügt oder aber zumindest den krönenden Abschluss beim Verzehr der luftigen Teiglinge bildet. Dabei gibt es für jeden Geschmack den passenden Aufstrich, denn die Tüftler unter den Gourmets lassen kaum etwas unversucht, um neue Kompositionen zu entwickeln. Das zeigt sich auch im Supermarktregal, dessen riesige Auswahl den Suchenden mit 15 verschiedenen Erdbeermarmeladen schonmal überfordern kann.

Doch warum machen wir uns unsere Marmelade nicht einfach mal selbst? Werden kreativ und komponieren einen fruchtig-süßen Aufstrich ganz nach unseren eigenen Wünschen? Ob ganz klassisch nach dem Rezept der eigenen Großmutter, für die es noch selbstverständlich war, selbst zum Kochtopf zu greifen, oder experimentell mit möglichst gegensätzlichen Zutaten – es ist im Grunde ganz einfach, geht recht schnell und schmeckt oftmals auch noch besser.

Beeren überall

Die Zeit könnte dafür nicht besser sein, denn mit dem Siegeszug des Frühlings beginnt sie wieder, die spannende Zeit, in der Mutter Natur die Weichen dafür stellt, was für ein farbenfrohes und auch leckeres Jahr wir erwarten dürfen. Denn nicht nur diverse Blumen treiben wieder aus, sondern auch an den Bäumen und Beerensträuchern wird offenbar, wie gut die Ernte dieses Mal ausfallen kann. Während der Rhabarber sich schon im März langsam an die Arbeit macht, kommen einige Wochen später die ersten Naschkatzen zum Zug: Erdbeeren und Heidelbeeren lassen als erste ihre reifen Früchte durch das üppige Grün blitzen. Himbeeren, Brombeere und Johannisbeeren folgen genauso wie Süßkirschen und Stachelbeeren.

Sie alle lassen sich zu herrlichen Aufstrichen verarbeiten, ganz gleich, ob sie für sich allein stehen oder gemeinsam zu einer fruchtigen Komposition gemischt werden. Erlaubt ist alles, was schmeckt.

Wer einen eigenen Garten hat, kann dabei aus den Vollen schöpfen. Immerhin entscheidet man als Besitzer selbst, was man anpflanzt und dann auch bald ernten kann. Der große Vorteil: Als Hobbybauer weiss man ganz genau, was drinsteckt. Doch auch wer keinen eigenen Boden zum Bewirtschaften hat, kann auf dem Wochenmarkt eine breite Auswahl an frischem Obst finden, das sich wunderbar zu Marmelade oder Konfitüre verarbeiten lässt.

Ohne Gelatine?

Wer sich schonmal an selbstgemachter Marmelade probiert hat, weiss, dass es ohne ein Geliermittel (meist Gelierzucker) nicht geht. Denn wie soll man die pürierten Beeren auch in Form bringen, damit sie auf dem Brötchen halten? Die Antwort darauf können Chia-Samen sein. Denn die Eigenschaften machen die unscheinbaren Körner zum perfekten Gelatine-Ersatz. Lässt man sie in Wasser quellen, entsteht rund um die Samen eine galertartige Masse, in die sich der Fruchtbrei einbinden kann. Zucker ist dabei nur noch eine Frage des persönlichen Geschmacks, wem die reine Süße der Früchte reicht, kann auch vollkommen auf die weißen Kristalle verzichten. Einen Nachteil hat die Chia-Variante aber doch: Im Gegensatz zu der klassisch eingekochten Marmelade, die sich mitunter Jahre hält, sollte der Chia-Aufstrich binnen kurzer Zeit verbraucht werden. Einen Versuch ist er aber allemals wert.

 

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

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