Es ist noch gar nicht so lange her, da war es für die Menschen unabdingbar, im Einklang mit der Natur zu leben. Sie standen mit dem Sonnenaufgang auf, gingen mit untergehender Sonne ins Bett, bewirtschafteten tagsüber ihre Felder und hielten im Hinterhof zahlreiche verschiedene Tiere. Das Leben war ein Geben und Nehmen, ein natürlicher Kreislauf der Dinge. Mittlerweile haben viele Menschen aber den Bezug zur Natur verloren. Sollte es dir genauso gehen, ist es höchste Zeit, dass du diesen wiederfindest.

Stadtlärm, Autos, Smog, Großraumbüros, Elektronik: Diese Dinge prägen den modernen Alltag der meisten Menschen. Die Natur spielt dabei, wenn überhaupt, nur noch eine untergeordnete Rolle. Wer auf dem Land lebt, nimmt sich vielleicht wenigstens hin und wieder Zeit für einen Spaziergang. Wer einen Hund hat, geht wenigstens mehrmals pro Tag in den Park. Dennoch hat dieses Leben mit dem einstigen „natürlichen Kreislauf“, wie er viele Jahrtausende normal war, nichts mehr zu tun. Das Problem an der Sache ist, dass die Biologie des Menschen noch nicht in dieser neuen Zeit angekommen ist. Das Gehirn ist überfordert mit den zahlreichen Eindrücken, der ständige Lärm löst Stress aus, die schnellen Entwicklungen versetzen dich in Hektik und das dauernd klingelnde Smartphone verhindert ein geistiges Abschalten nach der Arbeit, an den Wochenenden oder im Urlaub.

Die Folgen machen sich zunehmend erkenntlich: In steigenden Zahlen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen. In immer mehr stressbedingten Beschwerden wie Migräne, Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Problemen. In Menschen, die immer einsamer und unglücklicher werden.

Karoshi: Wenn das moderne Leben zum Todesurteil wird

Um zu sehen, wie gefährlich dieser moderne Lebensstil für die Gesundheit ist, lohnt sich der Blick nach Japan. Hier hat das Phänomen, durch zu viel Arbeit einen plötzlichen Tod zu erleiden, bereits einen Namen: Karoshi. Einen wirksamen Arbeitsschutz gibt es dort nicht und so ackern sich immer mehr Japaner sprichwörtlich zu Tode. Sie machen Überstunden um Überstunden, schlafen zu wenig, sind ständigem Stress ausgesetzt und sterben dann an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, manchmal bereits mit 40, 30 oder sogar 25 Jahren. 

Shinrin Yoku: Von der Kunst, im Wald zu baden

Kein Wunder also, dass der Gegentrend seinen Ursprung ebenfalls in der asiatischen Kultur hat: das sogenannte „Shinrin Yoku“, das Waldbaden. Schon lange Zeit ist dieses „Baden“ im Wald in der japanischen Kultur verankert und dient auch bis heute für viele Menschen als Ausgleich zum stressigen Alltag. Das Waldbaden ist mehr als ein simpler Spaziergang durch die Natur. Dabei geht es in erster Linie um Achtsamkeit. Darum, den Wald mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu genießen. Wer „Shinrin Yoku“ richtig praktiziert, erlangt währenddessen eine tiefe innere Ruhe. Die Seele kann sich auf einer spirituellen Ebene entspannen und neue Energie schöpfen. Es geht darum, zu dir selbst zurückzufinden und ein Stück weit auch zu dem natürlichen Leben, welches noch vor wenigen Jahrzehnten ganz normal war.

Einige Menschen gehen sogar noch weiter und machen eine Wald- beziehungsweise Naturtherapie. Was mancher als esoterisches Chichi abwinken würde, ist mittlerweile sogar wissenschaftlich belegt: Forscher an der Ludwig-Maximilians-Universität in München befassen sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Waldtherapie und konnten dabei positive Effekte auf die Psyche und Gesundheit eines Menschen feststellen. Auf gut Deutsch: Durch das Waldbaden wirst du gesünder und glücklicher. 

Natur hat viele positive Effekte auf Körper und Geist

Dass das Waldbaden oder das Aufhalten in der Natur im Allgemeinen glücklich macht, hat verschiedene Gründe. Einerseits liegt das an der Ruhe, denn die ist wichtig für das Gehirn. Nur, wenn es hin und wieder keine ständigen Geräusche aufnehmen und verarbeiten muss, kann es sich sprichwörtlich in Ruhe erholen. Der präfrontale Kortex kann sich endlich neu ordnen und somit wieder Platz schaffen für neue Sinneseindrücke. Ständiger Lärm überfordert diesen, macht dich müde und beeinträchtigt deine Leistungsfähigkeit sowie dein Konzentrationsvermögen. Ein Spaziergang in der ruhigen Natur, in der nur die Vögel zwitschern, der Bach plätschert und die Blätter rascheln, entlastet also das Gehirn und hilft dir, deine Ressourcen wieder aufzuladen.

Gleichzeitig wirkt das Grün der Bäume, Gräser & Co beruhigend sowie harmonisierend auf Körper und Geist. Es hat eine heilsame Wirkung und hilft dir dabei, trotz Stress, Zukunftsängsten oder anderen Belastungen gedanklich abzuschalten. Zuletzt sind es beim Waldbaden natürlich auch die Bewegung, der erhöhte Sauerstoffpegel und einfach die Zeit für dich selbst, welche alles in allem förderlich auf dein Wohlbefinden wirken. Du fühlst dich glücklicher, was wiederum positiv für deine Gesundheit ist und somit begibst du dich beim Waldbaden in eine Aufwärtsspirale. Richtig und regelmäßig praktiziert, wirst du dich fühlen wie ein neuer Mensch und das allein durch die Kraft der Natur.

Es muss nicht immer der Wald sein…

…, sondern die „Naturtherapie“ ist beinahe überall möglich. Die Ruhe spielt dabei allerdings eine wichtige Rolle. Der überfüllte Park in der Großstadt zwischen Verkehrslärm, bellenden Hunden und tobenden Kindern ist daher nicht die richtige Anlaufstelle. Stattdessen kannst du dir in deinem eigenen Garten oder auf der Terrasse eine kleine Wohlfühloase kreieren. Viele Menschen können auch im Garten beispielsweise beim Züchten von Obst und Gemüse gedanklich abschalten und empfinden es als extrem entspannend. Du kannst natürlich auch in den Wald fahren und einen Spaziergang machen. Vergiss dabei bitte die Achtsamkeit nicht, welche für das Waldbaden essentiell ist. Auch das Wandern im Wald macht glücklich oder du schwingst dich auf ein Fahrrad, um an Feldern und Wiesen vorbeizugleiten und irgendwo bei einem kleinen Picknick innezuhalten. Die Möglichkeiten sind beinahe endlos. Hauptsache, du gehst endlich (wieder) raus in die Natur.