Schule, Ausbildung oder Studium, und dann hinein in die Firma. Dort 40 Jahre bleiben und mit der goldenen Nadel für lange Firmenzugehörigkeit in den Ruhestand verabschiedet werden. Bis vor wenigen Jahren war dieser Lebenslauf die typische und vor allem ideale Vorstellung eines Arbeitslebens. Wer einmal in einer Firma angefangen hat, verbringt dort auch seine Zeit bis zur Rente.

Was für diese Generation vor allem unter dem Aspekt der Sicherheit das Idealbild war, gilt für uns heute nur noch bedingt. Nicht nur der Arbeitsmarkt, auch die persönlichen Bedürfnisse haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Der Arbeitgeber verlangt immer mehr Flexibilität und das Privatleben findet nicht mehr nur im eigenen Dorf statt. Wenn der Job nicht mehr zum eigenen Lebensentwurf passt, wird er mittlerweile deutlich schneller gewechselt als noch bis vor ein oder zwei Jahrzehnten. Das hat auch damit zu tun, dass es inzwischen keine Schande mehr ist, sich eine neue Tätigkeit zu suchen.

Die Gründe für einen Jobwechsel sind vielseitig. Der Klassiker ist immer noch die Unzufriedenheit mit dem alten Job. Sei es die Tätigkeit, die Kollegen oder der Chef, die einen jeden Tag auf der Arbeit leiden lassen. Manchmal ist es einfach Zeit loszulassen. Wir müssen nicht krampfhaft an einer Stelle verharren, nur weil es die Generationen vor uns auch so gemacht haben. Das eigene Wohlbefinden ist einfach wichtiger als der soziale Druck. Die klassischen Aussagen im Bekanntenkreis sind dann: „Aber du hast doch einen so sicheren Job.“, „Sieh doch mal die guten Seiten, dort kannst du alt werden.“ und ähnliches. Das alles nützt aber nichts, wenn wir uns nicht wohlfühlen. 

Viele von uns wehren sich trotzdem innerlich immer noch stark gegen den Sprung raus aus der Komfortzone des sicheren Jobs und trauen sich nicht den Beruf zu wechseln. Vor allem die Gesellschaft trägt einen großen Anteil daran. Viel zu häufig gilt noch der Grundsatz, dass Arbeit keinen Spaß machen muss, sondern für den Gelderwerb da ist. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist ein Jobwechsel ein Luxus, der fast schon verpönt ist. Dass ein Jobwechsel aber auch durchaus interessante Folgen haben kann, zeigen folgende Personen.

Der Klassiker unter den ungewöhnlichen Lebensläufen ist Joschka Fischer. Ohne Schulabschluss wurde Fischer zunächst Fotograf, bevor er eine Buchhandlung in Frankfurt am Main eröffnete. Über Umwege als Mitarbeiter von Opel, Übersetzer und Taxifahrer kam er 1982 schließlich in die Politik, wo er letzen Endes Karriere machte.

Arnold Schwarzenegger ist das Paradebeispiel, dass man seinen Job auch ohne Zusammenhang wechseln kann. Der gebürtige Österreicher begann seine Karriere im Bodybuildung, wo er immer noch als Idol und erfolgreichster Sportler gilt. Danach entschied er sich für Hollywood und wurde Schauspieler. Vor allem Action-Rollen waren ihm wie auf den Leib geschnitten. Zuletzt wechselte er in die Politik und wurde Gouverneur von Kalifornien.

Ein weiteres gutes Beispiel für eine komplett nicht-lineare Karriere ist Marcin Horecki. Der Pole war zunächst als alpiner Skiläufer aktiv und gewann mit der Nationalmannschaft diverse Medaillen. Im Anschluss machte er seinen Bachelor- und Magister-Abschluss und arbeitete in der Finanzindustrie. Mittlerweile ist Horecki ein professioneller Pokerspieler.

Seine Kollegin Liv Boeree hat ebenfalls über Umwege zu ihrem jetzigen Beruf gefunden. Die Poker-Schönheit studierte zunächst Astrophysik und machte nach ihrem Abschluss eine Karriere als Model und TV-Moderatorin. Eine TV-Show war es dann auch, die sie zu ihrem aktuellen Beruf brachte. Bei einer Reality-Poker-Show kam sie das erste Mal mit dem Kartenspiel in Kontakt. Mittlerweile kann sie sehr gut davon leben und zählt zu den erfolgreichsten Pokerspielerinnen weltweit. 

Gründe für einen Berufswechsel gibt es viele, die Liebe ist einer der wenigen, die in der Allgemeinheit für einen Jobwechsel schnell akzeptiert werden. Durch die deutlich größere Mobilität lernen wir schnell Menschen an Orten kennen, die weit entfernt von unserem zuhause und unserer Arbeit sind. Wenn sich daraus dann eine Liebesbeziehung entwickelt, kommt schnell ein Ortswechsel ins Gespräch. Damit verbunden ist fast immer auch ein Jobwechsel. Wenn die Liebe als Grund genannt wird, haben Kollegen häufig Verständnis. Bei einem Berufswechsel aus anderen persönlichen Motiven hingegen nur selten. Dann muss man für sich selbst erkennen, was wichtig ist und den eigenen Weg gehen.