Dauerstress in der Firma und der Freizeit rauben die letzte Lebensqualität. Ich weiß nur eins: Ich will und kann nicht mehr! Alles zurücklassen, abschalten, wieder Kraft und Energie finden. Das brauche ich.

Wohin soll ich?

Ich erinnere mich, irgendwann mal etwas im Fernsehen über das „Ruhe suchen im Kloster“ gesehen zu haben. Es gibt heute viele Klöster, die Gäste aufnehmen. Meine Wahl fällt auf das Benediktinerstift Kremsmünster in Oberösterreich. Ich werde verständigt, dass ich in der Klausur untergebracht werden soll. Also dort, wo auch die Klosterbrüder und Patres wohnen. So hätte ich die beste Gelegenheit jene Ruhe zu finden, nach der ich so dringend suche. Nach meiner religiösen Zugehörigkeit wurde ich nicht gefragt. Im Kloster weiß man, dass man auch ohne Konfession ein Hilfe suchender, aufrechter Mensch sein kann.

Ankunft

An der Kloster-Pforte werde ich von einem sehr sympathisch wirkenden Pater in Empfang genommen. „Ich bringe Sie jetzt zu Ihrer Zelle“, meint er nach dem Willkommensgruß. „Sie können sich bei uns frei bewegen und wenn Sie wollen, an unseren Gebetszeiten teilnehmen.“ Was? Keine Verpflichtungen? Nicht einmal das Handy wird mir abgenommen? Weiter überrascht mich die Offenherzigkeit, die mir entgegenströmt. Ich darf sogar mit den Patres die Mahlzeiten im Refektorium, dem Speisesaal im Kloster, einnehmen. Während meines Aufenthaltes nimmt man mich voll und ganz in die Klostergemeinschaft auf – sofern ich das will.

Meine „Zelle“ ist ein Raum von rund 35 Quadratmeter Größe! „Um innere Ausgeglichenheit und Ruhe zu finden, braucht es auch eine weiträumige Umgebung“, meint der Pater. „Eine beengende Zelle wäre dafür ein denkbar ungeeigneter Ort.“ Fasziniert bin ich auch von der Möblierung! Echtes Biedermeier. Geräumige Dusche, WC, Waschbecken, alles da. Sogar ein Telefon steht auf dem Tisch.

Selbstdisziplin

Telefon neben dem Bett und Smartphone im Koffer – wie soll ich dabei meine Ausgeglichenheit finden? Meine erste Erkenntnis in diesen ehrwürdigen Mauern: Es kommt alleine auf mich selbst an, darauf, was ich zulasse. Ruhe finden kann ich nur, wenn ich dazu auch wirklich bereit bin. Freilich könnte ich auch im Kloster auf Teufel komm raus weiter telefonieren. Ich gebe mir also einen Ruck, schalte mein Smartphone aus und lege es ins Nachtkästchen. So, nun bin ich für die Welt nicht mehr erreichbar. Nun gehöre ich nur noch mir selbst! Anfangs ertappe ich mich immer wieder, wie ich in meine Hosentasche greife, um einen Blick auf mein Smartphone zu werfen. Habe ich einen Anruf überhört? Habe ich eine SMS oder Mail bekommen? Das ist es, was ich ständig wissen will, ja wissen muss! Doch nun im Kloster greife ich in die leere Hosentasche. Ich spüre, wie mir das kleine Elektronikbündel mit dem bunten Bildschirm so richtig fehlt. Irgendwie raubt mir das die Ruhe, nach der ich ja eigentlich suche. Mir fehlt die vom Handy ausgehende Hektik.

Endrückende Ruhe?

In meiner Zelle ist es ganz still. Kein Radio, kein Fernseher, kein Lärm von den Nebenzimmern. Nichts tun – das ist so richtig ungewohnt für mich. Ob ich nicht doch mal nachsehen soll, ob mich jemand angerufen oder mir eine SMS geschickt hat? Ganz kurz? Nein! – Ich bleibe standhaft.

Bereits am ersten Abend stelle ich ferner fest, dass sich die Welt auch ohne „Tagesschau“ weiter dreht. An einem so geschichtsträchtigen Ort wird mir auch erst klar, wie nebensächlich das Tagesgeschehen eigentlich ist. Was alleine mögen diese Gemäuer seit der Gründung des Klosters vor über 1200 Jahren schon erlebt haben?

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Über den Autor

Profilbild von Thomas Riegler

Unsere Welt ist wunderbar. Sie will nur von uns entdeckt werden. Faszinierend sind nicht nur die großen Ereignisse, die den Weg in die Nachrichtensendungen finden, sondern besonders jene, die in aller Stille unbemerkt vor unseren Augen ablaufen. Sie bringen uns, und natürlich auch mich, in Einklang mit der Natur und unserer Umwelt. Was gibt es zum Beispiel schöneres, als einen Sonnenuntergang zu beobachten, während uns ein laues Lüftchen umgibt? Es gilt nur, sich Zeit dafür zu nehmen. Die Auszeit gibt mir die Gelegenheit, solche, oft sehr einprägsamen Erfahrungen mit Ihnen teilen zu dürfen.

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