Die Überforderung schleicht sich meist leise an. Du hast so viel um die Ohren, dass du sie kaum bemerkst. Erste Anzeichen blendest du aus: Du bist schneller genervt, fühlst dich erschöpft und irgendwie läuft alles schief.

Irgendwann spürst du, dass du langsam an deine Grenzen kommst. Aber da wartet noch der ungeschriebene Artikel, du wolltest deiner Freundin noch das Geburtstagsgeschenk besorgen und planst im Büro den Event von nächster Woche. Das machst du noch schnell, danach kannst du ja eine Pause einlegen.

Wenn wir Pausen zu lange hinausschieben, lassen sie sich irgendwann nicht mehr planen. Plötzlich ist der letzte Tropfen da, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das ist häufig etwas Kleines, wie der Teller, der dir aus der Hand fällt und zerbricht. Oder du hast beim Einkaufen die Butter vergessen. Vom einen Moment auf den anderen hast du keine Kraft mehr und möchtest am liebsten alles hinschmeissen. Wie im Casino: „Rien ne va plus“ – Nichts geht mehr.

Wie weiter, fragst du dich?

Tipp 1) Verurteile dich nicht

Eine meiner Lieblingsbands sind „Die Toten Hosen“ – ein Überbleibsel aus meiner Teenie-Zeit 😉 Nicht umsonst, denn ihre Texte passen zu allen möglichen Lebenslagen. In Momenten der Überforderung und des „nichts geht mehr“, höre ich häufig „Steh auf, wenn du am Boden bist“. Die ersten Zeilen lauten wie folgt:

„Wenn du mit dir am Ende bist
Und du einfach nicht weiter willst
Weil du dich nur noch fragst
Warum und wozu und was dein Leben noch bringen soll

Halt durch, auch wenn du allein bist!
Halt durch, schmeiss jetzt nicht alles hin!
Halt durch, und irgendwann wirst du verstehen
Dass es jedem einmal so geht“

Als Allererstes und Wichtigstes: Wenn das Gefühl aufkommt, dass du einfach nicht mehr kannst und willst, wenn du zweifelst und keinen Sinn in dem siehst, was du tust, ist nichts falsch mit dir! Quäle dich nicht noch zusätzlich, indem du dich dafür verurteilst, in diese Situation gekommen zu sein. Klar, diese Momente sind nicht angenehm. Und du hast das Gefühl, JEDER meistert sein Leben locker, nur du nicht.

Aber glaube mir: Jedem geht es einmal so. Nirgends scheint immer nur die Sonne, auch wenn es bei manchen danach aussieht. Dunkle Tage und stürmische Zeiten sind normal und sie gehen vorbei, auch wenn du das jetzt kaum glaubst. Denn Stürme dürfen vorbeiziehen und es gibt keinen Grund, im Regen stehen zu bleiben. Es gibt Möglichkeiten, wie du dich in solchen Momenten wieder motivierst.

Tipp 2) Du bist nicht allein

Fragst du um Hilfe, wenn nichts mehr geht? Oder schämst du dich für deinen Zusammenbruch? Möchtest du es alleine schaffen? Dein Kampfgeist in Ehren, aber nutze ihn lieber dafür, um dich gleich jetzt um dich selbst zu kümmern. Du bist nicht allein auf der Welt und unsere Familie und Freunde unterstützen uns gerne. Das Gefühl, gebraucht zu werden, kennst du bestimmt auch. Und es tut gut. Also frage dich Folgendes:

  • Was kann ich an wen delegieren?

Den Geschirrspüler kann auch jemand anderes ausräumen. Deine Arbeitskollegin übernimmt bestimmt das Protokollschreiben, wenn du sie darum bittest. Und deine Freundin kauft sicher für dich mit ein, wenn sie sowieso zum Supermarkt fährt. Delegiere Dinge, die du nicht unbedingt selber machen musst, die dir aber Raum und Zeit für dich verschaffen.

  • Was kann ich jetzt gleich tun, damit es leichter wird?

Wenn du mitten im Überforderungssumpf steckst, siehst du die naheliegendsten Dinge nicht mehr. Stelle dir diese Frage und höre in dich hinein, was kommt. Ob es nun ein paar Minuten an der frischen Luft sind, ein Besuch im Fitnessstudio oder du dir eine Massage gönnst – nimm dir diese Zeit für dich! Denn nur wenn dein Kännchen wieder voll ist, kann auch etwas fliessen.

  • Was kann ich längerfristig verändern und optimieren?

Im Alltagstrott gefangen, denkt man irgendwann nicht mehr darüber nach, ob eine Veränderung oder eine Optimierung von gewissen Dingen das Leben erleichtern würde. Spätestens wenn du den Punkt der Überforderung erreicht hast, solltest du dir diese Frage aber stellen. Setz dich mit deiner Familie, deinem Chef oder deinen Mitarbeitern zusammen und diskutiert, welche Aufgaben neu verteilt werden, was ihr verbessern könnt und wie du dir dabei Zeitinseln für dich schaffst. Denn nur wenn du künftig regelmässig Pausen einplanst – und ich meine damit wirklich konkret planen – schlitterst du nicht mehr ‚überraschend’ in eine Überforderung.

Tipp 3) Anerkenne, was du geschafft hast

Wir lernen früh, uns auf das zu fokussieren, was noch nicht passt und noch nicht gut genug ist. Das mag okay sein, um zu lernen und zu wachsen, aber der Blick aufs „Geschafft!“ ist mindestens so wichtig. In Zeiten der Überforderung siehst du vermutlich nur das, was du gerade nicht mehr schaffst und fühlst dich mehr wie ein Versager als ein Gewinner.

Lenke deinen Blick hin zu dem, was du schon alles geschafft hast. Egal wie unwichtig es dir erscheinen mag. Dich selber anzuerkennen hat nichts damit zu tun, überheblich oder eingebildet zu sein. Sondern es zeigt die Wertschätzung dir gegenüber. Und die kleinen Erfolge auf deinem Weg motivieren dich weiterzumachen. Also, schreib dir am besten jeden Abend drei Dinge auf, die du heute geschafft hast. Ich bin mir ganz sicher, dass es mindestens drei davon gibt! 😉

Dunkle Tage gehören dazu und da darf es auch mal die Tafel Schokolade auf der Couch bei einem Schmalzfilm sein. Aber weshalb du längerfristig dranbleiben solltest, erkennst du an folgenden Fragen:

  • Auf wen oder was freust du dich in nächster Zeit?
  • Welche vergangenen Krisen hast du bereits gemeistert und danach wieder Wundervolles erlebt?
  • Wie sehr kannst du an dieser Situation wachsen und welche Chancen bietet sie, dein Leben positiv zu verändern?

Mit Mut und Licht

Nadine

 

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