Es ist immer der richtige Moment zum Träumen
Wie oft haben wir schon daran gedacht, auch einmal aus gewohnten Routinen auszubrechen. In Momenten, in denen sich uns neue Türen geöffnet oder andere sich verschlossen haben. Und dann haben wir trotzdem am Alten festgehalten, haben die vermeintliche Sicherheit gewählt, haben unsere Träume und Wünsche wieder einmal hintenan gestellt. Dabei wohnt in unseren Wünschen eine Kraft inne, die uns stark machen, die Hoffnung wecken kann. Jederzeit.
Routinen haben sicher auch etwas Gutes. Sie sparen Kraft und geben uns ein Gefühl der Sicherheit. Wir wissen, was passiert, reagieren aus Gewohnheit und minimieren so den Stress für uns. Dazu haben wir das Gefühl, unsere Zeit „in Griff“ zu haben.
Sehnsucht gegen Scheinsicherheit?
Stell dir einmal einen Enddreißiger vor, inzwischen bewusster Single, der Job ist sicher. Er hat keine Zweifel, dass es letztlich allein seine Entscheidung ist, was er mit seiner Zeit anfängt. Keine Verpflichtungen, keine zwingenden Routinen – außer die selbstgewählten.
Aber das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit. Denn wirklich glücklich ist er damit auch nicht. Er sehnt sich nach dem, was die meisten Menschen haben: eine Beziehung. Einen Menschen, der zuhört. Den er liebt. Und ja, auch nach Routinen, Konstanz und Verlässlichkeit in einer solchen Beziehung. Einen Rhythmus, mit dem unser Herz im Gleichklang schlägt.
Genau solche Sehnsüchte wohnen doch uns allen inne. Aber wir verstecken sie hinter die Routinen und ihrer „Scheinsicherheit“.
In einer Beziehung ist das Ausbrechen aus der Routine oft noch etwas schwerer. Wer von euch Kinder hat, Verwandte pflegt oder zu den hunderttausenden Pendlern gehört, die jeden Sonntag und Freitag durch halb Deutschland fahren müssen, weiß, dass für einen Wein mit der Freundin oft tatsächlich die Zeit „fehlt“. Oder wir sehnen uns in der uns verbliebenen Zeit weniger nach Gesellschaft, als nach Ruhe. Zeit ist also ein kostbares Gut. Und das ist zunächst einmal eine ganz wichtige Feststellung. Ganz egal, ob wir das Gefühl haben, Zeit zu haben, oder eben auch nicht.
„Ich habe keine Zeit“
Gerade in einer Beziehung ist „die Zeit“ auch die gern gezogene rote Karte für die persönlichen Wünsche, ein Darf-Schein, in seinen Routinen zu verharren. Weil es bequem ist. Weil die Formulierung unserer Wünsche zu Reibungspunkten mit dem Partner führen könnten. Auseinandersetzungen, für die du „keine Zeit“ und „keine Lust“ hast. Das Schneckenhaus ist viel bequemer.
Das verstehe ich.
Doch je tiefer du dich dorthin zurückziehst, desto einfacher ist es für die Unzufriedenheit, sich darin auszubreiten, mehr Raum einzunehmen, sich aufzublähen, bis sie dich letztlich doch heraustreibt – in einer kleinen Explosion. Wenn sich die Unzufriedenheit in dir ausbreitet, vertreibt sie nach und nach deinen inneren Frieden, lässt keinen Raum mehr für ein zufriedenes Leben.
„Zeit ist dafür da, dass man sie sich nimmt.“
Du wirst unruhig, haderst mit dir selbst, wirst im Zweifel sogar krank. Diese Symptome tun weh, aber sie sind auch wichtig. Denn sie zeigen dir, dass du deine Bedürfnisse ernst nehmen solltest. Und dass du dir für die Erfüllung deiner Bedürfnisse Zeit nehmen darfst, ja sogar sollst. Und zwar vor der Explosion!
Zeit ist dafür da, dass man sie sich nimmt. Denn da, wo du bist, soll es dir doch gut gehen. Und dazu gehört Zeit für dich selbst.
Gerade in einer Beziehung ist und bleibt das wichtig. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass dies die wichtigste Voraussetzung für das Funktionieren einer lebendigen Partnerschaft ist. Du hast erkannt, dass Zeit kostbar ist und dass wir nicht unendlich Zeit zur Verfügung haben. Umso wichtiger ist es also doch, dass wir unsere Zeit nur für die Dinge verwenden, die uns wirklich Freude bereiten, die unser Leben lebenswert machen.

Keine Zeit für Zeiträuber
Ich weiß: Diesem kleinen Stück Egoismus geht in der Beziehung oft ein kleiner Kampf voraus: Was erlaubt er sich, was macht sie da ganz ohne mich?
Klar, die Diskussion kommt. Aber sie geplant am Küchentisch zu führen, ist allemal besser, als irgendwann unkontrolliert zu explodieren. Und eigentlich ist es doch ganz einfach: Jeder bekommt den Freiraum, den er braucht, um Zufriedenheit wieder gegen Unzufriedenheit zu tauschen. Und da ihr beide das gleiche Ziel habt, findet sich sicher auch im Gespräch ein gemeinsamer Kurs dafür.
Mehr (Wunsch-)Farben für eure Beziehung
Und jetzt stell dir einmal vor: In einer Beziehung sorgen beide Partner dafür, dass es ihnen gut geht – in der Beziehung zu ihrem Partner, aber auch in der Beziehung zu sich selbst. Sie sorgen dafür, dass sie auch mal etwas außerhalb des Alltags, der Beziehung tun. Sport, Musik, ein Bier mit den Jungs beim Fußballspiel. Die 80er Disko mit den Mädels. Mal etwas für sich tun. Mal ausbrechen aus dem Alltag. Sich selbst sehen. Und sich die Zeit dafür nehmen.
Weil es wichtig ist. Für dich, aber auch für deinen Partner.
Und dann entdeckt ihr beide plötzlich neue Facetten in eurer Beziehung. Mehr Blumen, mehr bunt als grau. Mehr Chancen, eure gemeinsame Zeit wirklich erfüllend zu gestalten. Wunscherfüllend …
Ich wünsche mir…
Gerade der Umgang mit unseren Wünschen ist der Schlüssel dafür, mit welchem Gefühl, mit welchem Maß an Kraft und Gelassenheit wir durch unsere Lebenszeit gehen. Irgendwo zwischen hoffnungslos und wunschlos glücklich, zwischen bequemer Routine und schmerzenden unerfüllten Sehnsüchten.
Aber genau auf dieses „Irgendwo“ kommt es an.
Und dieses irgendwo gibt es!
Ich habe es für mich nach vielen Erfahrungen gefunden und ich glaube daran, dass auch du es finden kannst.
Was sind deine Wünsche?
Das Leben bietet viele Momente, die uns das schlaglichtartig bewusst machen. Vielleicht kennst du das ja: Du freust dich ganz lange auf etwas ganz Besonderes, du wünschst dir etwas mit der ganzen Kraft deines Herzens und doch scheint die Erfüllung so unerreichbar für dich wie eine Reise zum Mars.
Mir ging es vor acht Jahren mit einem Konzert von Depeche Mode so. Ich bin ein Kind der 80er Jahre und was soll ich sagen – die Band und die Musik war (und ist) für mich sehr wichtig. Jedenfalls gingen die Jungs tatsächlich auf die Global Spirit Tour und ich – ich bekam keine Karten. Ausverkauft in Minuten.
So schnell kann ein Traum platzen, ein Wunsch in unerfüllbare Weite rücken. Monate später, zu meinem Geburtstag, habe ich dann zwei Karten geschenkt bekommen. Stell dir das mal vor! Ich habe mich riesig gefreut und mein kleiner Traum nahm wieder Gestalt an. Manche Wünsche bleiben eben.
Manche Wünsche brauchen Zeit
Manche Wünsche brauchen Zeit, bis sie in Erfüllung gehen. Von diesen Wünschen kannst du im Alltag zehren, mit und von ihnen träumen, dich im Alltag darauf freuen, dir vorstellen, wie es wäre, wenn …
Naja, die letzten Wochen bis zum Konzert vergingen ganz schnell. Und dann spielt sich plötzlich Dave Gahan die Seele aus dem Leib, tanzt und rockt mit dir die Leipziger Festwiese. Unglaublich. Ein Kick-Back in meine Jugend, unbezahlbar, unvergleichlich. Zwei Stunden später ist es dann vorbei, viieeel zu schnell!
Und danach?
Monatelang hast du dich darauf gefreut, und du bist erst einmal traurig, denn das, was du gerade erlebt hast, kommt so schnell nicht wieder; im Zweifel auch – nie wieder. Aber das ist ok, schließlich hast du dir deinen großen Wunsch erfüllt und den Moment im Konzert genießen können.
Denn es ist der eine Moment, der wirklich zählt. Für dich, dein Erinnerungs-Konto. Ein kleines Licht, das dich für immer auf deinem Weg begleiten wird.
Ich bin mir sicher, auch du hast schon solche Momente erlebt. Momente, an die du dich immer wieder zurückerinnern solltest. Nicht nur, weil es so unglaublich schön war, sondern um dir immer wieder eines deutlich zu machen: Träume zu begraben, ist keine Option.
Viel zu oft geben wir die Hoffnung zu früh auf, werden skeptisch, zweifeln. Und manchmal verschließen wir dann genau daurch die Tür, durch die das kleine Wunder eigentlich gerade zu uns herein kommen wollte …
Werde geduldiger!
Du siehst: Nicht jeder Traum muss gleich in Erfüllung gehen, damit er schön ist. Damit du darin eintauchen kannst, davon zehren, leben und dich in ihn verlieben kannst. Es ist sogar wichtig, dass es solche offenen Wünsche gibt. Kleine oder große Konstanten, die dich durch einen langen Abschnitt deines Lebens begleiten, auf die dich freuen kannst. Genau diese Vorfreude ist wichtig.
Denn die meisten kleinen und sogar die meisten großen Wünsche erfüllen wir uns heute immer sofort. Ein neuer Film: Netflix streamt direkt. Eine Jeans: Amazon bringt das Wunschmodell noch als „Same Day“-Lieferung, wenn man auf den Bestell-Knopf drückt. Marmelade in der Geschmacksrichtung „Blaubeerwaffel-Crumble-Himbeere“ gleich neben „Juni-Erdbeere-soft-baked-flavored-with-Chili“ im Rewe. Wir sind es gewohnt, dass alles sofort und unbegrenzt verfügbar ist. Alles liegt nur einen Klick entfernt.
Und so kam uns nach und nach etwas sehr Wichtiges abhanden: Geduld.
Wir erfüllen uns unsere Wünsche im Eiltempo und werden dennoch nicht zufriedener.
Wir werden sogar immer unruhiger, denken nicht mehr im Moment, sondern im Moment der Wunsch-Erfüllung vielmehr schon an den nächsten Traum, der wahr werden soll. Es muss alles immer „gleich“, ja oft sogar „sofort“ sein.

Wünsche brauchen Bedeutung
Wenn etwas unbegrenzt, sofort, immer und direkt verfügbar ist, verlieren wir die Fähigkeit, die Dinge zu schätzen, ihnen die Bedeutung beizumessen, die sie verdienen. Erst wenn wir auf scheinbar normale Dinge verzichten müssen, die uns bis dahin zwar lieb, aber eben nicht teuer erschienen sind, lernen wir deren wahre Bedeutung für uns.
Verzichten wir auf etwas, was wir gerne tun, dann freuen wir uns umso mehr darauf, es wieder zu erleben, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich bin überzeugt, dass wir ein Stück Demut gegenüber unseren Träumen brauchen. Denn diese brauchen Zeit, um sich zu entfalten und ihnen diese zu geben, haben wir in dieser schnelllebigen Zeit oft verlernt.
Aufgeben ist keine Option
Zu schnell geben wir dann lieber auf, verfolgen nicht mehr unsere Ziele. Wir verlernen, der Neugier in unserem Herzen zu vertrauen und auch einmal über unsere Grenzen hinauszugehen, um nachzuschauen, wie es dort so ist. Nur weil es mal ein wenig länger dauert, nur weil es mal etwas mehr Kraft kostet.
Doch genau das war es doch, was uns zu den Menschen geformt hat, der wir heute sind: Die Beharrlichkeit, es immer wieder zu versuchen, auch einmal das Scheitern an einer Sache einkalkulierend.
Das hat uns von klein auf stets weiter gebracht. Nur wenn wir uns die Zeit geben, an unseren Träumen und Wünsche zu arbeiten und zu wachsen, leben wir ein Leben voller Magie und Freude.
Je mehr Geduld wir dazu aufbringen müssen, desto wertvoller und wichtiger ist uns die Erfüllung eines Wunsches. Desto größer ist die Vorfreude.
Vorfreude ist die schönste Freude
Und wenn es etwas gibt, dass ich gerne aus dieser Zeit mitnehmen möchte, dann ist es diese Vorfreude, das Wissen, dass nichts selbstverständlich ist. Ich weiß jetzt, dass Geduld zum Wünschen dazugehört. Und dass ich es oft einfach auch nicht selbst in der Hand habe, ob und wann überhaupt ein Wunsch in Erfüllung geht. Das hat auch eine gute Seite für uns.
Denn je länger ein Wunsch ein Wunsch bleibt, desto einfacher ist es für uns, auch zu erkennen, ob er wirklich wichtig ist.
Einige meiner „Wünsche“ haben sich so in letzter Zeit ganz von alleine erledigt. Sie sind einfach nicht mehr da. Andere habe ich in Gedanken schon so weit hinten einsortiert, dass ich sie im Alltag gar nicht mehr wahrnehme. Ich denke, sie werden nach und nach auch verschwinden. Die wirklich wichtigen, die bleiben.
Diesen Blick für das Wesentliche, und die Geduld, das Vertrauen, dass wichtige Wünsche in Erfüllung gehen werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist – das wünsche ich mir, dir – uns allen.
Du willst aus deiner Routine ausbrechen? Finde Inspiration:

