Im Oktober sehen die Tage schon ganz anders aus, als sie es noch im August taten. Grauer, irgendwie glanzloser als die vielen Sommertage zuvor. Doch es gibt auch einige Dinge, die den anstehenden Herbst wahrhaft liebenswürdig machen.

Kann man sich denn wirklich auf den Herbst freuen? Mir zumindest fällt das dieser Tage Anfang August besonders leicht. Während die Welt bei 35°C im Schatten geröstet wird, alles Gras schon längst verdorrt ist und man quasi direkt nach dem Aufstehen damit beginnt, im eigenen Saft zu schmoren, ist es verführerisch, an kühleren Tage an das stete Prasseln des Regens zu denken, das die dritte Jahreszeit mit sich bringen wird.

Für die meisten Menschen ist sie aber dagegen vor allem eines: Das Ende des Sommers, einer Zeit, die wir oft zur schönsten des Jahres ausrufen. Und wieso auch nicht? Bis tief in die Nacht in kurzen Hosen draußen sitzen, Freibad, See und Strand, kühles Eis in aufregenden Sorten und gerade für Frauen ist es die Zeit des Jahres, in der all die luftig-leichten Kleider ausgeführt werden wollen, für die es sonst viel zu kalt ist.

Verpasste Chance?

Der Herbst schließt dieses Kapitel unweigerlich ab und hinterlässt dabei nicht selten ein melancholisches Gefühl verpasster Möglichkeiten. Was hat man sich dieses Jahr nicht alles vorgenommen und letztlich doch nicht getan? Manchmal ist die To-Do-Liste deutlich länger als die mit den erledigten Sachen.

Das Ende des Sommers bringt dann fast schon unweigerlich die Erkenntnis mit sich, dass der größte Teil des Jahres und die vermeintlich besten Wochen schon verstrichen sind – ungenutzt vielleicht – und dass es vielleicht keine Chance mehr geben wird, noch etwas daran zu ändern. Entsprechend deprimierend finden wir die Aussicht darauf, das nun auch noch die Bäume kahl werden, dass wir wieder eine Jacke brauchen und dass uns das Wetter wieder deutlich öfter einen Strich durch unsere Pläne macht.

Mit Freude dem Herbst entgegen

Doch der Herbst ist nicht nur ein Ärgernis, dem man sich nicht entziehen kann. Das sollte er auch gar nicht sein. Denn so wie auch Frühling, Sommer und Winter ihre schönen Seiten haben, hat sie auch der Herbst. Es gibt viele Dinge, auf die wir uns in den anstehenden Wochen freuen können – vor allem dann, wenn wir sie mehr sein lassen können, als nur das, was die schöne Zeit des Sommers beendet hat.

Farbenrausch
Im Herbst zeigt die Natur ihr ganzes Können. Wenn die Blätter an den Bäumen ihre grüne Farbe aufgeben und in Gelb, Orange oder sogar Blutrot erstrahlen, kann man als Beobachter nur staunen. Und nicht nur das große Ganze weiß zu beeindrucken. Denn diese Farbenpracht spiegelt sich oftmals sogar in einem einzigen Blatt wieder: Der Stil und das Adernetz noch grün, das Blatt in zartem Gelb, in dessen Spitzen bereits ein kräftiges Feuer lodert. Da nimmt man gern ein Exemplar mit nach Hause.

Kürbiszeit
Kaum ein anderes Gemüse wird so sehr mit der dritten Jahreszeit in Verbindung gebracht wie der Kürbis. Dabei überzeugt er vor allem durch seine Vielfältigkeit: Ob als Kuchen, als klassische Suppe, als Risotto oder im Ganzen gefüllt – kulinarisch hat er viel zu bieten, das sich auszuprobieren lohnt. Zudem ist er auch äußerst dekorativ. Dank seiner Größe und Beschaffenheit lassen sich auch wunderbar Muster oder Gesichter hinein schnitzen, die mit einem Teelicht zum Leuchten gebracht werden können.

Innere Wärme
Was gibt es Schöneres, als sich an einem neblig-kalten Tag an einer heißen Tasse Tee zu wärmen? Nach der langen Sommerzeit, in der man von Heißgetränken meist so gar nichts wissen will, bietet der Herbst uns wieder die Chance, uns an einer Tasse Tee zu erfreuen, die die Lebensgeister weckt und unser Innerstes beruhigt. Auch heißer Apfelsaft mit einer Prise Zimt hat wieder eine deutlich größere Anziehungskraft auf uns, wenn das Wetter draußen unbeständiger und kühler wird.

Pilze suchen
Sie sind klein, äußerst schmackhaft und oftmals nur schwer zu finden: frische Pilze. Doch die Mühe, mit gesenktem Blick meist mehrere Stunden durch den Wald zu streifen und nach den kleinen Kappenträgern Ausschau zu halten, lohnt sich. Denn es ist ein äußerst befriedigendes Gefühl, sich sein Essen selbst auf den Tisch geholt zu haben. Mit ein paar Zwiebeln in Butter angebraten, dazu ein simples Butterbrot – mehr braucht es gar nicht. Der Pilz ist sich selbst genug – und uns auch.

Erntezeit
Herbst ist Erntezeit. Vor allem Äpfel und Pflaumen hängen nun wohlgeformt und voller Süße an den Zweigen. Sie gilt es einzubringen und in vollen Zügen zu genießen. Ob gleich frisch vom Baum, als Kuchen oder eingekocht zu Gelee und Marmelade – es gibt viele Möglichkeiten, die Früchte zu verwerten und zu konservieren. Denn auch das gehört zum Herbst: Die letzten Früchte der Saison in einem Glas sicher einzuwecken, damit man sie auch über den Winter jederzeit genießen kann.

Wollig warm
Ihre Zeit ist zwar erst im Winter, doch sie kommen oft schon im Herbst wieder aus dem Schrank: Dicke, weiche Kuschelsocken, die nicht nur unsere Füße warm halten, sondern auch für eine wohlige Behaglichkeit sorgen. Mit ihnen scheint nichts die Welt aus den Angeln heben zu können. Das gilt besonders dann, wenn sie auch noch selbst gestrickt sind. Das Klappern der Nadeln, Masche für Masche, hat fast schon eine meditative Wirkung auf den Geist, der dabei so wunderbar abschalten kann.

Ein Buch lesen
Während uns der Sommer gefühlt immer in Bewegung hält und vornehmlich nach Draußen lockt, ist nun die Zeit gekommen, sich ruhigeren Dingen zu widmen, die deswegen aber nicht weniger aufregend sein müssen. Es ist die Zeit für ein gutes Buch, für eine Geschichte, die von den uns bekannten Gesichtern aus unserem Alltag gesponnen wird und die uns mitunter auf eine phantastische Reise mitnimmt. Ein Buch, in dem man in aller Ruhe schmökern kann, gerade dann, wenn es draußen so richtig stürmt.

Regen
Er trifft uns meist unvorbereitet, wenn wir ihn gerade am wenigstens gebrauchen können und erregt daher oft unseren Unmut, doch Regen kann auch etwas Wunderbares sein. Während wir im Sommer das kühle Nass von oben eher mit einer verpassten Chance fürs Freibad assoziieren, lädt er uns im Herbst zu einem gemütlichen Zuhause-Tag ein. Die eigenen Gedanken ordnen, dem Hobby nachgehen oder einfach nur die Ruhe genießen – untermalt vom steten Trommeln der unzähligen Tropfen auf der Fensterscheibe.

Pfützenromantik
Regen kommt zwar meist ungelegen, öffnet uns aber doch stets die Tür zu einer Welt, die sich zu erkunden lohnt. Denn jeder Regenguss hinterlässt Pfützen auf der Erde, unförmige Spiegel, die uns unsere Umgebung aus einer ganz anderen Perspektive zeigen. Denn in ihnen steht alles Kopf, nichts ist noch so, wie es eigentlich scheint – ein kleiner Windhauch reicht aus, um das Bild wieder zu verschleiern. Ein ausgedehnter Spaziergang von Pfütze zu Pfütze kann dabei wunderbar die eigene Phantasie anregen.

Dieser Atikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere Themen für euch bereithält.

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