Wenn Haut auf Haut trifft, dann ist das viel mehr als nur ein mechanischer Vorgang. Es fließt Energie, die Herzen schlagen schneller, die Seele gerät in Bewegung. Um so mehr, wenn – wie in der Tantra Massage – gerade dies der Sinn dieser Berührung ist.

Simone Schramm, Jahrgang 1960 und leider im letzten Jahr verstorben, war nicht nur Inhaberin einer Tantra Massage Praxis. Denn mehr als nur ein Job war es ihr eine Lebensaufgabe, den Menschen zur richtigen Balance von Körper und Seele, von Sexualität und Spiritualität zu verhelfen. Sich und sein Gegenüber in Liebe wahrzunehmen, zur eigenen Kraftquelle zurückzufinden, das ist der Weg, den sie anderen Tag für Tag eröffnete.t.

In einem ihrer letzten Interviews, einem ausführlichen Gespräch mit unserem Magazin, hat Simone Schramm ein sehr zu Herzen gehendes Bild ihrer Motivation und ihrer Lebens- und Liebesphilosophie gezeichnet. Das Gespräch mit ihr hat mich sehr berührt, es war faszinierend zu erleben, wie sie voller Energie und zugleich mit einer liebevollen Feinfühligkeit auf andere Menschen zuging, ihnen half, sich zu finden. Einen Teil ihrer Antworten könnt ihr hier lesen.

Simone, wie oft bekommst du in einer Woche die Frage gestellt, was „Tantra Massage“ eigentlich ist, und wie lautet darauf die kürzeste mögliche Antwort?

Das kommt darauf an, wo ich unterwegs bin. Wenn ich mich in Kreisen bewege, wo mich die Menschen kennen, dann höre ich diese Frage natürlich nicht mehr. Aber wenn ich mich in der Praxis aufhalte und die Akquise für die Massage mache, dann beantworte ich diese Frage bei fast jedem Telefonat. Und meistens lautet meine erste Antwort: Die Tantra Massage ist eine Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen durch die Art der Berührung des ganzen Leibes die sexuelle Energie zu kanalisieren.

Bei solch einer Antwort gehen die Fragen sicher weiter, oder?

Klar, dann wird oft sofort gefragt, ob man dabei tatsächlich nackt sei und ob dann wirklich auch die Genitalien angefasst werden. Man will einfach genau wissen, wie man sich das nun vorzustellen hat, was da passiert. Und die, die anrufen, weil sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, das Angebot anzunehmen, die versuchen sich dann in diese Situation hineinzudenken. Bei anderen löse ich meist eher einen Schreck aus, wenn ich sage: „Ja, wir sind nackt, und ja, es gibt keine Tabuzonen für die Berührungen“. Dann liegt manchmal auch sehr schnell der Vorwurf der Prostitution in der Luft, eine Diskussion, die wir sehr offen und offensiv führen: Ich betone immer wieder, dass wir uns ganz klar nicht prostituieren. Die Abgrenzung zur Prostitution besteht vor allem darin, dass wir unseren Leib nicht verkaufen, damit sich der Kunde an ihm befriedigen kann. Wir dagegen geben etwas, ganz aktiv ud aus freiem Willen, nämlich eine Massage. Außerdem bleibt derjenige, der massiert wird, passiv. Einerseits ist kein Quadratzentimeter des Körpers für die Massage tabu, wenn der Kunde es will. Andererseits bleibt es auch nur bei der Massage, wenn auch einer ausdrücklich erotischen.

Wenn wir von Massage reden, gerade von einer erotischen, reden wir ja vor allem vom Berühren. Das Berühren ist eine Kunst, die wir scheinbar zum Teil verlernt haben – trügt dieser Schein?

Nein, er trügt ganz und gar nicht. Bei den ganz kleinen Kindern ist das Berühren, das Streicheln, das in den Arm Nehmen ja noch völlig selbstverständlich. Und keiner würde abstreiten, wie wichtig das für das Kind, aber auch für uns ist. Wenn die Kinder dann etwas größer werden, lässt das oft ziemlich nach. Aber größer werdenden Kindern, gerade den Jungs, ist das Berühren durch die Eltern oft eher peinlich, auch Männer untereinander sind ja zum Beispiel überhaupt nicht die großen „Umarmer“. Wenn sich heute zwei Menschen umarmen, dann oft eher flüchtig. Sobald man den Körper des anderen intensiver oder länger spürt, wird es für viele zu intim. Das macht man dann maximal nur noch in der eigenen Beziehung. Darin kommt für mich eine große Unsicherheit zum Ausdruck: die Angst vor dem eigenen Bedürfnis, berührt und durch körperliche Berührung als menschliches Wesen sehr direkt wahrgenommen zu werden. Das ist für das, was wir mit der Tantra Massage tun und für die Männer und Frauen, die zu uns kommen, natürlich eine ganz entscheidende Frage.

Ein zweiter großer Fixpunkt für das was Ihr mit der Tantra Massage anbietet, ist die Liebe. Was heißt hier Liebe für dich? Und wann wird’s erotisch?

Man muss die Tantra Massage ja als Ritual verstehen. Das heißt, man tritt für die Dauer dieses Rituals aus dem Alltagsraum heraus und tritt in einen rituellen Raum ein. Dieser rituelle Raum ist zugleich ein Schutzraum. Für diesen stehen dann Dinge wie Respekt, Anteilnahme, Vertrauen, Hingabe. Auch ich selber vertraue meinem Klienten, dass er diesen Raum nicht missbrauchen, nicht verletzen wird. Zugleich bin ich aber die Meisterin dieses Raums, ich fülle ihn aus mit Sinnlichkeit, aber auch mit Liebe. Ich kann diese Massage nicht anbieten, wenn mein Herz nicht dabei ist, denn Liebe ist für mich sozusagen ein Lebenszustand aus dem offenen Herzen heraus. Und wenn vor mir ein Mann steht, der sich auf die Massage einlässt, weil er für sich den Weg zur eigenen Quellkraft sucht, vor allem zu ihrer sexuellen Dimension, dann ist natürlich auch sofort die erotische Komponente im Spiel. Aber wichtig ist, dass hier sexuelle und Herzkraft zusammenkommen.

Das komplette Interview ist in der AUSZEIT 01/2015 abgedruckt.

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