Essen hält Leib und Seele zusammen, doch die Gemüter scheiden sich bei dem, was auf den Tisch kommt. Die einst als Randerscheinungen belächelten Anhänger von vegetarischer oder gar veganer Kost liegen mittlerweile voll im Trend, und Ernährungswissenschaftler geben ihnen recht, was die gesundheitlichen Vorzüge der auf nicht-tierischen Lebensmitteln basierenden Kost betrifft.

Dabei zeigen gerade im Spitzensport zunehmend Athlethen, dass der Verzehr von veganer Nahrung keinesfalls mit Kraftlosigkeit einhergehen muss. Zu den Sportler, die auf fleisch- und eierlose Kost setzen, zählt unter anderem der ehemalige Schwergewichts-Boxer David Haye, der nach einer Zwangspausung aufgrund einer Schulteroperation die Vorzüge einer rein pflanzlichen Ernährung entdeckt hatte und seinem Umstieg auf eine vegane Diät sowohl eine schnellere Erholung wie auch eine Leistungssteigerung zuschreibt.

Mister Universum 2014, Barny du Plessis, war der erste vegane Star im Bodybuilding. Nachdem Gesundheitsprobleme ihn ein Jahr vor seinem Titelgewinn zum Ausstieg aus dem Sport gezwungen hatten, stellte er seine fleischlastige Ernährung auf proteinreiche, pflanzliche Ernährung um. Seine Gesundheit verbesserte sich so stark, dass er in die Arena zurückkehren und den Titel als Mister Universum holen konnte.

Gesundheitliche Gründe waren auch für Tennis-Ass Venus Williams der Grund, um auf eine vegane Küche umzusteigen. Die US-Amerikanerin, die im Laufe ihrer Karriere unter anderem 49 Titel im Einzel, eine olympische Medaille im Einzel und drei olympische Medaillen im Doppel mit ihrer Schwester Serena geholt hat, wurde im Jahr 2011 mit der Autoimmun-Erkrankung Sjögren Syndrom diagnostiziert. Zu den Symptomen der bislang als unheilbar geltenden Krankheit zählt dauernde Müdigkeit. Venus Williams‘ Diät besteht seitdem aus roher veganer Kost, der sie außer gesundheitlichen Verbesserungen auch Steigerungen in ihren sportlichen Leistungen zuschreibt.

Auch in der Fußballwelt sind immer mehr Kicker zu finden, die wie der Nationalspieler und Bayern-Kicker Serge Gnabry zumindest vorübergehend völlig auf tierische Nahrung verzichten. Sogar Superstar Lionel Messi verzichtet während der Saison auf nicht-veganes Essen, ohne dass seine Leistungen darunter leiden.

Dass genau wie jede andere Diät auch vegane Küche ihre Schattenseiten hat, ist den Sportlern genauso bewusst wie ihren medizinischen Betreuern und den Köchen, die unter anderem bei der Europameisterschaft dafür sorgen, dass die Fans unbesorgt Wetten online auf ihre Teams platzieren können, ohne mögliche ernährungsbedingte Mangelerscheinungen in Erwägung ziehen zu müssen.

Wie stets beim Essen kommt es auf die Qualität an. Wer auf Fertiggerichte aus der Tiefkühltruhe greift, sollte auf die Zutaten achten, auch was Salz, Aroma- und Konsevierungsstoffe betrifft. Sogar was den Anteil an Fett anbelangt, schneiden selbst vegetarische Gerichte nicht unbedingt gut ab.

Eine ausgewogene pflanzliche Ernährung hingegen kann den Körper nicht nur mit allen nötigen Vitaminen, Nährstoffen und Spurenelementen versorgen, sondern tatsächlich die Leistung selbst bei Spitzensportlern verbessern. Mediziner haben in Studien festgestellt, dass sogar in Extremsportarten, wie dem Iron Man Triathlon, frisches Gemüse und Getreide zu besseren Ergebnissen führen als muskelbildend geltendes Steak. Das liegt unter anderem an der positiven Wirkung von pflanzlicher Kost auf Herz und Kreislauf. Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen können abgebaut werden, Cholesterin- und Blutfettwerte sinken und damit werden auch Diabetes- und Bluthochdruckrisiken reduziert.

Weil das Blut von Vegetariern und Veganern zumeist besser mit Sauerstoff versorgt wird, fallen nicht nur die Spitzenleistungen höher aus, der Körper erholt sich auch rascher wieder, sowohl von Anstrengungen wie von Verletzungen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse in punkto Ernährung machen sich auch in den Trainingscamps bemerkbar. Der ehemalige Koch der deutschen Nationalmannschaft, Holger Stromberg, dessen kulinarischen Künste von Oliver Bierhoff „entdeckt“ worden waren, setzte unter anderem auf Kartoffeln, Reis, Quinoa oder Hirsesalat, um seinen Kickern genügend Energiereserven zu verschaffen. Vollkorn, Dinkelmehl, geschwenktes Gemüse und die Zubereitung in Leinöl, Rapsöl und Walnussöl standen bei dem Küchenchef des Weltmeisterteams von 2014 ebenfalls obenauf.

Die Balance von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten ist in jedem Fall entscheidend, aber wer seinen Schwerpunkt auf Fleisch legt, nimmt nach Expertenmeinung häufig zu wenig Kohlenhydrate wie etwa Kartoffeln, Vollkornnudeln, Reis und Gemüse zu sich. Andererseits neigen manchen Vegetarier und Veganer dazu, zuwenig Kalorien zu verzehren. Abwechslung macht auch hier einen großen Unterschied, wenn es darum geht, den Körper mit allem zu versorgen, was er zum gesund bleiben braucht.

Wie effektiv vegane Ernährung sein kann, stellt seit Jahren der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton unter Beweis. Er verzichtet seit 2014 auf tierische Produkte und ist seitdem zum Rekordhalter geworden, was die meisten Grand-Prix-Siege aller Zeiten anbelangt. Bei den Weltmeistertiteln liegt der Brite noch mit Rennfahrer-Legende Michael Schumacher gleichauf.

Ebenfalls seit Jahren unangefochten Teil der Weltspitze ist der vegane Tennisstar Novak Djokovic. Der Serbe, der an Glutenunverträglichkeit leidet, hat inzwischen ein Buch über Ernährung geschrieben. Im Jahr 2016 eröffnete er in Monaco sogar ein veganes Restaurant.

Das alles hätte sich der Wegbereiter unter den veganen Sportstars, Carl Lewis, vermutlich nicht träumen lassen. Der US-amerikanische Sprinter, Hürdenläufer und Weitsprungchampion, der von 1984 bis 1996 unter anderem neun olympische Goldmedaillen und achtmal Weltmeisterschaftsgold holte, lebt seit 1990 vegan. Er ist überzeugt, dass seine Ernährung und sein gesunder Lebensstil der Grund für seinen bisher unerreichten Erfolg sind. Dass er anfangs belächelt wurde, hat ihn nie gestört. Heute teilen immer mehr Leute seine Einstellung zur Ernährung. In Deutschland leben mittlerweile rund 6,5 Millionen Bürger vegetarisch und weitere 1,1 Millionen sind Veganer. Die Tendenz ist steigend, bei Nichtathleten genauso wie bei Spitzensportlern.