Tania Konnerth ist Bestsellerautorin mit einem großen Herz. Den Auszeit Leser*innen ist sie vor allem von ihren wunderbvoll einfühlsamen Geschichten bekannt, die sie regelmäßig für Auszeit oder die Ich Bin schreibt. Jetzt hat Tania ihr erstes Buch in der Edition Auszeit herausgebracht. Wir haben mit Tania gesprochen: Über ihr neues Buch (na klar), über ihre Leidenschaft zu schreiben und natürlich – über das Leben.

Tania, du hast eigentlich schon sooo viele Bücher geschrieben. Ist der Kopf nicht irgendwann leer?
Ach, wenn ich von allem so viel hätte wie Ideen – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich erst auf dem Friedhof liegen muss, wenn mein Kopf wirklich leer sein soll… Im Ernst: Für mich besteht die ganze Welt aus Ideen. Ich muss eigentlich nur vor die Tür gehen, im Internet surfen oder ein Gespräch führen und ich finde was, worüber ich schreiben kann. Einer meiner Lieblingssprüche ist „Das Leben ist aus Geschichten gemacht.“ und ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit für all das, was ich noch schreiben möchte.

Wie findest du in dir die Motivation, an einem langen Projekt wie einem Buch dranzubleiben, immer weiterzumachen, neue Ideen zu entwicklen?
Das ist eine gute Frage vor allem für einen doch eher ungeduldigen Menschen, wie ich es bin. Ehrlich gesagt geht es mir da auch nicht viel anders als vielen anderen: anfangen finde ich leichter als etwas abzuschließen. Hinzu kommt, dass mich meine vielen Ideen öfter mal abbiegen und Seitenwege einschlagen lassen, so dass ich fast immer an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite. Da muss ich aufpassen, mich nicht zu verzetteln und wirklich auch gezielt etwas fertig zu bekommen. Was mir gut hilft, sind konkrete Abgabe-Daten, da arbeite ich dann automatisch punktgenau. Wenn ich keinen Abgabetermin von außen habe, also durch einen Vertrag oder eine Zusage, setze ich mir oft selbst solche Termine, um etwas mehr Verbindlichkeit zu schaffen. Das wirkt besonders gut, wenn ich es dann auch auf meinen Internetseiten ankündige, da ich dann weiß, dass Leute darauf warten. 

Buch Elli Schmitt Tania Konnerth Auerbach Verlag
Stefan | Auszeit.bio Tania Konnerth neues Buch ist ab sofort erhältlich

Dein neuestes Buch ist ein modernes Märchen über das Leben geworden. Emotional, berührend, ohne Zeigefinger. Ist es für dich eine generelle Abkehr vom „Coaching-Buch“?
Nach 20 inspirierenden Sachbüchern und Ratgebern war ich an einem Punkt, wo mir bewusst wurde, dass ich mich, wenn ich mich nicht wirklich klar dazu entscheiden würde, wohl nie den Sprung in die Belletristik wagen würde. Aber Geschichten zu schreiben war schon immer mein großer Wunschtraum gewesen und so gab ich mir selbst das Versprechen: „Keine Sachbücher mehr“! Das war ein wichtiger symbolischer Schritt und schrieb daraufhin „Die wunderliche Wanderung der Elli Schmitt“. Wohin es nun mit dem Schreiben weitergeht, lasse ich mir offen. Am liebsten möchte ich noch ganz viele Erzählungen und Romane schreiben, am liebsten auch Kinderbücher – ich bin selbst gespannt, was als Nächstes kommt. 

Die wunderliche Wanderung der Elli Schmitt ist das erste Buch von dir, das in der Edition Auszeit entstanden ist. War der Entstehungsprozess auch eine „gute Reise“ für dich?
Oh ja, es war und ist eine sehr schöne Reise. So ein Buch kann ja auf sehr unterschiedliche Weise entstehen: Manchmal gibt man nur das Manuskript ab und alles Weitere wird vom Verlag erledigt, so dass man dann irgendwann das fertige Buch auf dem Tisch liegen hat. Für „Die wunderliche Wanderung der Elli Schmitt“ haben die Edition Auszeit und ich eng zusammengearbeitet und ich konnte auch über den reinen Text hinaus ganz viel mitgestalten und mitentscheiden. Gerade bei diesem Buch ist das besonders schön, weil es so noch persönlicher geworden ist. 

In Elli Schmittt sehe ich viele Parallelen zu dir – von der Berufswahl bis zur Leidenschaft zu reisen. Trägt Elli auch ein Stück Tania in sich?
Ja, das fragen wir uns oft, wenn wir Geschichten lesen, nicht wahr? Wie viel vom Autor steckt in seinen Figuren? Für mich als Schriftstellerin ist allerdings gerade reizvoll, dass ich selbst für die Geschichte eigentlich unwichtig bin, denn es ist Ellis Geschichte und die Leser/innen begleiten Elli. Als Sachbuchautorin stehe ich viel mehr als Ich in meinen Texten als wenn Geschichten erzähle, da ich aus meinem Wissen, meinen eigenen Erfahrungen und Reflexionen schöpfe. Die Figuren in meinen Geschichten können Dinge hingegen ganz anders sehen und machen als ich. Sie führen auch immer ein echtes Eigenleben, bei dem ich deutlich weniger Mitspracherecht habe, als man vielleicht annehmen sollte. Elli brachte von Beginn an ihre eigene Vorgeschichte mit, ihre Vorlieben und Abneigungen und ihre ganz persönliche Art durch die Welt zu gehen. Da gibt es schon auch deutliche Unterschiede zwischen ihr und mir. Zum Beispiel habe ich im Gegensatz zu Elli noch nie als Angestellte gearbeitet, war schon immer sehr naturverbunden, halte es durchaus für möglich, dass Frösche und Bäume auf ihre Art sprechen können und würde niemals zu einer Wahrsagerin gehen… 

Gab es DEN einen Moment, an dem du entschieden hast, das Buch zu schreiben?
Ja, den gab es tatsächlich: Ich weiß noch genau, dass ich gerade in Lüneburg unterwegs war, als mir plötzlich die Idee in den Sinn kam, dass es spannend wäre, wenn eine Frau auf einer Wanderung von allen möglichen Wesen wichtige Fragen gestellt bekommen würde. Ich war kurz zuvor selbst auf einer Wanderung gewesen und hatte sofort Lust, diese Idee weiterzuverfolgen. Also ging ich nach Hause und legte los. Fast immer habe ich zuerst nur einen kleinen Zipfel einer Idee, den ich ergreife und schaue, wohin er mich führt. Ich plane meine Geschichten nicht, sondern sie entstehen beim Schreiben, gleichsam als würde der Weg erst beim Laufen entstehen. Insofern wusste ich am Anfang noch überhaupt nicht, wohin sich die Sache entwickeln würde, wer oder was der Hauptfigur Fragen stellen würde oder welche Fragen es genau sein würden. Das entstand alles erst im Laufe des Schreibens und stellte damit in gewisser Hinsicht für mich eine ganz ähnliche Reise dar, wie sie Elli unternommen hat.

Elli reist auf einer Art Selbstfindungstripp in die Berge – hat das einen bestimmten Grund?
Die Geschichte hätte sicher auch anderswo als in den Bergen spielen können. Für mich haben aber die Berge eine besondere Bedeutung. Ich litt die längste Zeit meines Lebens an ziemlich schlimmer Höhenangst und mied Berge deshalb. Erst vor einigen Jahren war es mir möglich, die Höhenangst zu überwinden und seitdem kann ich vom Runtergucken kaum genug bekommen. Im letzten Jahr war ich sogar in Nepal und konnte auf 5000er schauen, das war unglaublich eindrucksvoll. Kann gut sein, dass ich Elli deshalb in die Berge geschickt habe.

Was können wir von Elli lernen?
Ich glaube, wir können vor allem zusammen mit Elli lernen. Elli ist keine, die anderen sagt, wo es langgeht oder was zu tun ist oder wie man besser leben kann, sondern Elli ist eine Frau, die auf ihrem Weg ist und wir dürfen sie ein Stück auf diesem Weg begleiten. Und es ist ein ganz besonderes Wegstück, an dem wir da teilhaben dürfen, denn das, was Elli auf ihrer Wanderung findet, kann auch unser eigenes Leben bereichern. Die Fragen, die Elli findet, sind die Fragen ihres Lebens. Sie können uns zum Nachdenken und Fühlen anregen und uns Mut machen, darüber hinaus noch unsere ganz eigenen Fragen zu finden. 

Was ist deine Lieblingspassage in deinem Buch? Welche Antwort auf die Fragen des Lebens ist für dich die wichtigste?
Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich glaube, ich mag die Bäume am liebsten. Sie sprechen auf eine so eigentümliche Art, ich habe sie beim Schreiben regelrecht in mir gespürt. Das für mich wichtigste Thema in den letzten Jahren bis zum heutigen Tag ist allerdings das Loslassen. Damit bin wandere ich also gerade zwischen der Frage des Windes und der, die die Vögel stellen. Was die Antworten angeht, so zeichnet die Geschichte ja gerade aus, dass sie keine Antworten präsentiert. Elli findet zwar sehr klare Fragen, aber sie bekommt keine klaren Antworten geliefert. Genau das würde viel zu kurz greifen, denn der Sinn der Fragen ist es, zu öffnen – den Blick, den Weg und sich selbst. Die Fragen sind so etwas wie Startpunkte zu neuen Wanderungen durch das eigene Leben. Sie laden zum Zurückschauen und Reflektieren ein und dazu, tief in sich zu spüren. Welche Antworten sich dann auf diesen weiteren Wanderungen finden lassen, kann nur jeder für sich selbst herausfinden. 

Hand aufs Herz, Tania – was macht dir mehr Spaß: Coach sein oder einen echten Roman schreiben?
Ich war schon als Kind eine begeisterte Leserin und habe sehr früh davon zu träumen begonnen, Bücher zu schreiben, am liebsten Geschichten und Romane. Aber nicht immer trauen wir uns wirklich an unseren großen Lebenstraum heran und so habe ich für mich einen guten Kompromiss gefunden, indem ich inspirierende Ratgeber, Blogs und Onlinekurse verfasste. Darin war ich gut und es hat mir immer viel Freude gemacht, denn ich konnte über alles Schreiben, womit ich mich beschäftigte und was mir hilfreich erschien. Mein großer Wunsch, Geschichten zu schreiben, ließ aber nie nach und heimlich für mich schrieb ich über all die Jahre auch immer Literatur. Die Sehnsucht danach, mich auch mit meinen Geschichten in die Welt zu wagen, wurde immer größer, je näher ich mir selbst kam, denn meine Geschichten, das bin ich. Und so beantworte ich die Frage so: Spaß macht mir beides (und noch viel mehr), aber wenn es um eine der Fragen geht, die auch Elli auf ihrer Wanderung findet, nämlich die danach, was man wirklich zu geben hat, lautet die Antwort für mich: Geschichten zu schreiben.

Wohin führt dich deine persönliche Reise  – was hast du für Ziele und Wünsche für und an die Zukunft?
Mit der Veröffentlichung dieses Buches bin ich eigentlich genau mitten in der Umsetzung einer meiner großen Herzenswünsche: nämlich als Schriftstellerin arbeiten zu können und ich bin selbst sehr gespannt, wie es von hier aus nun weitergeht. Während ich früher viel Zeit und Energie darin investiert habe, meine Zukunft zu planen, lasse ich heute viel mehr auf mich zukommen. Ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, dass das, was ich vom Kopf her für mich vorsehe, gar nicht immer gut für mich ist und dass viele Pläne einfach vom Leben durchkreuzt werden, weil es viel bessere Ideen für mich hat.

Du schreibst auch regelmäßig berührende Geschichten für die Auszeit. Winkt da das nächste Buch, eine Art „Best of“?
Das wäre großartig – ich bin dabei 🙂 

Tania Konnerth neues Buch erschien in der Edition Auszeit und ist ab sofort hier erhältlich
Buch Die wundersame Wanderung der Elli Schmitt von Tania Konnerth