Der einen stellt es bei dem Wort Esoterik sofort die Haare auf: „Engel, Feen, Geisterwesen – furchtbar dieses scheinheilige Geschwafel!“. Ein anderer schwelgt nur so dahin in ‚Licht und Liebe‘. Wo liegt die Grenze zwischen Spiritualität oder Esoterik? Bin ich jetzt achtsam oder bloß aufmerksam? Was ist Meditation, was Kontemplation, was Gebet?

Ständig sind wir bemüht Anhaltspunkte zu finden, um einordnen zu können. So könnte ich mich jetzt darin verlieren Begriffe erklären zu wollen. Doch das erspare ich uns hier, denn Definitionen bzw. Definitionsversuche gibt es bereits in Hülle und Fülle. Mich interessiert vielmehr: „Kann es nicht sein, dass uns dieses ewige Kategorisieren oft mehr im Weg steht, als es uns nützt?“

Definitionen befriedigen den Kopf, Erlebnisse durchdringen unser ganzes Wesen.

All diesen Begriffen liegt ein Versuch zugrunde: Der Versuch dem Gefühl, dass es mehr gibt, viel mehr als unsere Sinne erfassen und unser Geist je begreifen kann, Ausdruck zu verleihen. Doch indem wir es dingfest machen wollen, entzieht es sich uns. Ich glaube, es ist viel wichtiger diesem Spüren Raum und damit die Möglichkeiten zu geben, erfahrbar zu werden – Definitionen befriedigen den Kopf, Erlebnisse durchdringen unser ganzes Wesen.

Herbert hat Krebs. Ihm verleiht die Vorstellung, von Engel, die ihn beschützen, umgeben zu sein, Kraft. Die Kraft, die er dringend braucht, um seinen Alltag meistern zu können ohne an seinem Schicksal zu zerbrechen. Seinen Freunden erzählt er das aber nicht, sie würden es belächeln…

Rosa lebt allein mit ihrer Tochter. Wenn ihr alles zu viel wird, zieht sie sich gern in den Wald zurück. Sie lauscht dort dem Stimmengewirr von Vögel und Insekten, saugt Gerüche und Bilder förmlich in sich ein und kommt gestärkt nach Hause zurück. Ein wenig plagt sie ihr schlechtes Gewissen, weil sie heut‘ nicht meditiert hat…

Lisa singt für ihr Leben gern. Wenn sie singt, vergisst sie die Welt um sich. Gleichzeitig fühlt sie sich so verbunden, wie sonst kaum. Es darf sie nur niemand hören, denn ‚man‘ sagt, sie kann nicht singen…

Tief versunken beobachtet Paul eine kleine Eidechse. Er traut sich kaum zu atmen, damit er sie nicht verschreckt und vergisst dabei völlig Zeit und Raum. Seine Lehrerin erzählt über Paul: „Dieses Kind ist so unaufmerksam!“…

Jeder dieser Menschen hat für sich etwas gefunden, das ihm hilft sein Leben einfacher oder schöner zu machen.

Die Wege, die wir beschreiten, sind so verschieden wie wir Menschen. Jeden dieser Wege verstehen zu wollen, ist weder möglich noch sinnvoll. Wichtig ist zu begreifen, was ihnen zugrunde liegt: Jeder dieser Menschen hat für sich etwas gefunden, das ihm hilft sein Leben einfacher oder schöner zu machen. Etwas, das unsere Sehnsucht, die Urverbundenheit mit diesem ‚Mehr‘ zu fühlen, stillt.

Und die, die andere Erwartungen haben, belächeln oder gar verhöhnen, die bleiben mit unerfülltem Sehnen zurück…

Über den Autor

Profilbild von Martina Pokorny

Im Zentrum meines Interesses stehen wir Menschen mit allem was uns ausmacht und verbindet. Der Austausch mit anderen und meine Streifzüge in die Natur bringt mir stets neue Erkenntnisse und Inspirationen, denen ich auf vielfältige Weise Ausdruck verleihe: ich zeichne, fotografiere und halte meine Gedanken dazu fest, gern auch in Reimen. Meine Leidenschaft fürs Netzwerken lasse ich in die Facebook-Seiten MARJA-Seelenspiegel (www.facebook.com/MARJA.Seelenspiegel/) und Achtsamkeit (www.facebook.com/seiAchtsam/) einfließen, sie war es auch, die mich hierher geführt hat - miteinander – füreinander! Herzlich Martina Pokorny (marja-seelenspiegel.jimdo.com)

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