Das Wissen um Wildkräuter und ihre Anwendungsmöglichkeiten in Küche und  Medizin waren beinahe in Vergessenheit geraten. Doch in den letzten Jahren erfahren die vielseitigen Kräuter eine Renaissance und haben sich sowohl den Weg auf den Speiseplan als auch in die Hausapotheke vieler Menschen gebahnt.

Für immer mehr Menschen ist eine bewusste Ernährung wichtiger Bestandteil ihres Selbstverständnisses. Die Zahl von Vegetariern und Veganern hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, aber auch bei denen, die nicht auf tierische Lebensmittel verzichten möchten, macht sich eine breiter werdende Masse Gedanken darüber, wo und unter welchen Bedingungen ihre Nahrungsmittel produziert werden und begegnet der Lebensmittelindustrie mit wachsender Skepsis. Eine ganze Reihe von Lebensmittelskandalen haben diese Entwicklung mit Sicherheit begünstigt, sind aber keine hinreichende Erklärung, denn auch bei diversen gesundheitlichen Beschwerden fragen sich mehr und mehr Menschen, ob es denn immer gleich die Chemiekeule der Pharmaindustrie sein muss, mit all ihren mannigfaltigen Nebenwirkungen, oder ob die Natur vielleicht ein Mittel bereit hält, das ebenso gut für Abhilfe oder Linderung sorgen kann.

Kein Wunder also, dass regionale, saisonale und Biolebensmittel genauso wie naturheilkundliche Arzneimittel seit Jahren kontinuierliche Wachstumsraten erfahren. Wildkräuter erfüllen nicht nur diese Kriterien, sondern wachsen auch noch überall um uns herum, oftmals unbemerkt, manchmal sogar als störendes Unkraut empfunden. Man findet sie auf Wiesen, im Wald, im eigenen Garten, in Parks oder sogar am Wegesrand, wo sie nur eingesammelt werden müssen.

Sammelstellen

Nicht alle Orte eignen sich gleichermaßen zum Sammeln von Wildkräutern. Verzichten sollte man auf Pflanzen in der Nähe konventionell genutzter landwirtschaftlicher Flächen, da Pestizide, Herbizide und Fungizide vom Wind auch in die direkte Umgebung der Felder getragen werden. Auch an von Hundebesitzern beliebten Wegen und stark befahrenen Straßen sollte man besser nicht sammeln. Am besten eignen sich also Orte, die ein wenig abseits menschlicher Siedlungen liegen, was das Wildkräutersammeln auch zu einer Frage von Zeit und Mobilität macht.

Wer aus diesen Gründen nicht selber sammeln kann, der kann Wildkräuter auch im darauf spezialisierten Handel kaufen. Immer öfter werden Wildkräutermischungen aber auch im normalen Supermarkt angeboten. Und schließlich besteht die Möglichkeit sie im eigenen Garten anzusiedeln oder aber den Garten eines Nachbarn vom Unkraut zu befreien.

Nährstoffbomben

Als Pflanzen, die niemals vom Menschen kultiviert wurden, enthalten Wildkräuter noch das gesamte Spektrum an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die bei unseren Kulturpflanzen im Prozess der Züchtung verloren gingen, da bei diesen der Ertrag und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge im Mittelpunkt stehen. Hinzu kommt, dass Düngemittel zwar das Wachstum beschleunigen, dabei aber eine übermäßige Wassereinlagerung begünstigen, was sich negativ auf die Nährstoffdichte auswirkt.

Natürliche Medizin

Die natürliche Kraft der Wildkräuter kann uns als Hausapotheke dienen, was bereits unsere Vorfahren für sich zu nutzen wussten. Der in der Kupferzeit vor ungefähr 5 200 Jahren lebende Ötzi, dessen Gletschermumie 1991 gefunden wurde, hatte nicht nur Heilkräuter in einem Lederbeutel bei sich, sondern es wurde auch ein antiseptisches Moos in seinem Magen gefunden.

Auch wenn nicht gegen jedes Problem ein Kraut gewachsen ist, bieten Wildkräuter ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten. Sie können gegen Erkältungskrankheiten, bei Kopfschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, gegen Frauenprobleme, Rheuma und Durchblutungsstörungen eingesetzt werden. Außerdem wirken sie blutreinigend, harntreibend und antibakteriell, helfen bei Gicht, Hämorrhoiden, Schuppenflechte und Akne. Aber auch gegen Schlafstörungen, Nervosität und Depressionen können sie hilfreich sein. Dazu werden die Kräuter zu medizinisch wirksamen Pulver, Tees, Salben, Sirup oder Ölen verarbeitet. Sie lassen sich aber auch als Tinkturen, Wein, Saft oder Kräuterwickel anwenden.

Die Verwendung von Heilkräutern bedarf einiger Erfahrung. Es gilt das richtige Kraut, in der richtigen Weise und der richtigen Dosierung einzusetzen. Denn auch wenn die Medizin nicht aus dem Chemielabor kommt, heißt das nicht, dass sie falsch angewendet keine unangenehmen Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Das Ausmaß an möglichen Nebenwirkungen variiert dabei stark.

Einige Heilpflanzen sind hochgiftig und können bei übermäßigem Verzehr lebensbedrohlich sein. Eines der bekanntesten Beispiele für eine solche Wildkräuterart ist der Fingerhut, der in der richtigen Dosierung das Herz stärkt, falsch dosiert aber sogar zum Tode führen kann. Solche Pflanzen sollten nur unter ärztlicher Anweisung und Aufsicht angewendet werden. Darüber hinaus gibt es aber auch noch schwächer giftige Heilpflanzen, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in höheren Dosierungen unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen können. Und selbst als ungiftig geltende Heilpflanzen wie Kamille oder Pfefferminze können bei zu hoher Dosierung Nebenwirkungen mit sich bringen.

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