Frau sitzt im Park und schreibt ins Notizbuch

Schreib’s auf! Vom Tagebuch bis zum Bestseller

In einer Welt voller Geschichten und Ideen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden, liegt in jedem von uns das Potenzial, ein Buch zu schreiben. Das Schreiben ist eine Reise in die eigene Fantasie. Eine Möglichkeit, Gedanken zu teilen und Emotionen lebendig werden zu lassen. Ob erst mal nur ein Tagebuch mit festgehaltenen Gedankenflügen oder gleich einen Anwärter auf einen Buchpreis – fange einfach an.

Wer schreibt, der bleibt, so heißt es. Dieser weise Spruch passt auch sehr gut zum eigenen Leben und Schreiben. Wer seine Erinnerungen und Erlebnisse aufschreibt, kann sie auch nach langer Zeit wieder zurückholen oder der Nachwelt hinterlassen. Denn nicht selten sind amüsante, aufregende oder einfach einfühlsame Tagebücher zu Bestsellern geworden. Und wenn es nur der persönliche Bestseller für Wintertage oder das Alter wird … Wer erst einmal schreibt, merkt, wieviel Gutes man sich damit tut. Denn Zeit heilt zwar Wunden, macht aber leider auch vergesslich.

In der heutigen Zeit konsumieren wir jeden Tag große Mengen an Informationen. Viele Menschen leben darüber hinaus ein Leben auf der Überholspur oder hängen im Hamsterrad fest. Wir leben nicht mehr wirklich bewusst und hetzen von Termin zu Termin. Wir verlieren dabei den Blick für die schönen Dinge, für die Gedanken ganz tief in uns und für die Fantasie, die in jedem von uns schlummert. Und gefühlt vergeht die Zeit immer schneller.

Momente festhalten

Manche Momente passieren einfach. Erst einige Zeit danach realisieren wir, wie wichtig oder prägend dieser Moment war und wir wünschten, wir könnten die Zeit zurückdrehen. Leider geht das nicht, und um den Moment noch einmal zu erleben, ist es zu spät. Die Erinnerungen sind nur noch vage.

Oft geschieht dies auch mit unseren Träumen und Gedanken. Wir denken und fühlen, aber wenn wir uns dieser Gedanken und Träume bewusst werden, sind sie schon vorbei und wir erinnern uns nur noch an ihre Skyline im Nebel. Wir lassen von den Gedanken ab und sie verschwinden – meist für immer. Damit uns dies nicht passiert und wir das Wichtige in unserem Leben wie einen Schatz mit uns tragen, gibt es ein Zaubermittel. Einen Zettel und einen Stift, denn die magische Lösung lautet: „Schreibe es auf!“

Das erste Tagebuch

Bereits kleine Kinder verarbeiten ihre Wahrnehmung und erste Erfahrungen durch das Zeichnen. Sie malen Dinge aus ihrer Fantasie und erklären sich so die Welt. Dieses Visualisieren der Gedanken und eigenen Empfindung ist wichtig für die Entwicklung und die Verarbeitung des Geschehenen. Außerdem drückt es Gedanken, Freude und Ängste aus. Teilt ein Kind dieses Bild mit der Mutter oder verschenkt es anderen, gibt es damit viel von sich preis.

Was zunächst noch Strichzeichnungen oder einzelne Buchstaben sind, wird mit der Übung und Regelmäßigkeit schnell zu mehr. Denn, wer regelmäßig schreibt, entwickelt einen Stil und verbessert sich. Die Worte aus den Gedanken gehen schneller von der Hand. Und spätestens wenn man nicht alle seine Gedanken mit den Eltern teilen will, wird das erste Tagebuch angefangen – ein wertvoller Spiegel der eigenen Gedankenwelt.

Die Spuren deiner Vergangenheit

Gibt es noch Aufgeschriebenes aus deiner Kindheit? Dann suche es und lies es. Du wirst Spuren zu dir selbst finden. Es ist erstaunlich, wie viel Freude, Gedanken oder auch Zweifel dies in uns aufrufen kann. Trotzdem ist es ein wunderbarer Weg, den Pfad aufzunehmen und dein Leben Revue passieren zu lassen. Du wirst sehen, wie viele Erinnerungen sich wieder melden, wie alte Bilder neu entstehen. Und du wirst dankbar dafür sein, es damals aufgeschrieben zu haben.

Die Kunst des Schreibens

Als Kind hast du aus Worten Bilder erzeugt. Es war deine Fantasie, die angetrieben von deinen Gedanken, deinen Gefühlen und deinen Fragen an die Welt eine eigene visuelle Wahrnehmung entwickelt hat. Mit dem Erlernen des Schreibens hast du gelernt, deine Gedanken wiederum in Worte zu fassen.

Die Bilder und die Vorstellung, die du hast, aber auch deine Werte und Glaubenssätze bringst du so in eine lesbare Form – für dich und andere. Es ist eine Kunst, die unendliche Weite unserer Gedanken und Gefühle auf den Punkt zu bringen und in begrenzte Worte zu fassen. Gleichzeitig ist es ein wunderbares Handwerk, Dinge unabhängig von der Zeit festzuhalten. Eine Kunst, die man erlernen, aber durchaus wieder verlernen kann.

Dein Tagebuch

Nimm dir ein leeres Notizbuch und setze dich an einen gemütlichen Ort. Der Ort sollte ruhig und angenehm sein. Wenn es dich inspiriert, kannst du im Garten sitzen, in einem Café oder einfach an deinem Küchentisch. Wichtig ist, dass du Ruhe findest und Zugang zu deinen Gedanken und Worten.

Damit du Freude an deinem Tagebuch findest, solltest du das Schreiben als Ritual in deinen Alltag aufnehmen. Du spürst beim wiederholten Schreiben, wie dir das Schreiben leichter fällt und du beginnst schon dir über den Tag Dinge zu merken, die du mit deinem Tagebuch teilen möchtest.

Genau dieser Moment ist wertvoll, denn es ist der Anfang, an dem du wieder bereit bist, die Welt um dich herum und die Momente bewusst und achtsam wahrzunehmen.

Schreib‘ mal wieder

Versuche, das Schreiben wieder zum Bestandteil deines Lebens zu machen. Zuerst kannst du damit beginnen, kleine Notizzettel mit Gedanken zu beschriften. Leitgedanken, die dir durch den Tag helfen, oder Glaubenssätze, die du verinnerlichen willst. Danach kannst du Postkarten sammeln und die Emotionen und Gedanken, die die Bilder von diesen Postkarten in dir auslösen, in Worte fassen.

Deine Verschriftlichung kannst du auch auf dem Smartphone üben, etwa durch einen bewussten Umgang mit Nachrichten und der „Produktion“ von wertvollem Text. Dies verleiht dir einen Zugang zu deiner inneren Welt und vertieft dein Verständnis von deiner Ansicht des Lebens.

Vielleicht hast du schon bald Lust, ein Tagebuch zu führen und ein klares Abbild deiner Gedankenwelt und deiner Gefühlsbewegungen zu schaffen. Dabei reicht es oft, erst einmal nur sporadisch seine Gedanken zu Papier zu bringen. Und vielleicht bekommst du dann Lust auf mehr. Das Schreiben kann hilfreich und befreiend für dich sein – aber auch der Beginn, dein Talent zu entwickeln und durch das Ausformulieren deiner Ideen, bestsellerreif zu werden.

Fantasiewelten

Mit ersten Gedichten und kleinen Geschichten lässt es sich leicht beginnen. Sie bieten die Chance, immer tiefer in die eigene Gedankenwelt und Fantasie abzutauchen und so kleine Kunst- und Traumwelten entstehen zu lassen.

Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Denke dir eine Alltagswelt aus, die deiner ähnelt und die du dann nach deinen Ideen umgestalten oder sogar völlig auf den Kopf stellen kannst. Oder schaffe eine komplett neue Welt, ein Fantasie-Land, in dem du deine Liebe zu den Märchen wiedererwecken kannst. Erschaffe in den Gedanken die Protagonisten deiner Geschichten, gib ihnen ein Gesicht und ein Herz und lass sie die Welt retten, oder für den Anfang vielleicht ein kleines Dorf.

Übung macht die Meisterin

Die Verbindung von Fantasie und dem Handwerk des Schreibens ist eine wunderbare Sache, aber auch eine Sache, die natürlich etwas Übung braucht. Sei nicht so streng mit dir, lass sich den roten Faden wie von selbst entwickeln und baue deine ganz persönlichen Träume mit ein. Klar, jeder muss seinen eigenen Weg zu dieser Art von Schreiben finden, also probiere dich aus.

Übrigens, eine gute Schule für unsere Fantasie sind die Abende, an denen wir unseren Kindern und Enkeln kleine Geschichten erzählen. Kinder sind so ein dankbares Publikum für erzählte Fantasiewelten und sehr gut darin, uns zum Erzählen immer schönerer und spannenderer Geschichten zu motivieren. Und irgendwann sollten wir anfangen, diese Geschichten auch aufzuschreiben.

Entwickle deinen Stil

Das regelmäßige Schreiben ist auch ein gutes Training für unser Gedächtnis und Ausdruck unserer Persönlichkeit. Wenn wir dranbleiben, entwickelt sich so über die Jahre hinweg ein eigener Stil – mit der Zeit können wir auch spüren, wie sehr unser Geschriebenes trotz aller Fantasie auch immer widerspiegelt, wie es uns zum Zeitpunkt des Schreibens gerade ging, wir entdecken unsere ganz eigene Geschichte wieder. Unsere Emotionen und die ständig wachsenden Erfahrungen schwingen immer mit.

Viele schreiben sehr bewusst und achten dabei konzentriert auf die Wortwahl und Inhalte. Andere wiederum lassen ihre Gedanken einfach vom eigenen Füllhalter oder der Tastatur führen. Letzteres führt meist zu einem unbewussteren, aber dennoch genaueren Abbild unserer Gedanken und Gefühle. Manchmal sind wir dann am Ende selber davon überrascht, wie deutlich wir uns an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen.

Manche Menschen finden im Schreiben auch etwas Künstlerisches und nehmen eine andere Form des Denkens an oder kreieren ihre ganz persönliche Parallelwelt. Bei dem einen führt dies zu einem ersten Bestseller und zu einer erfolgreichen Karriere als Autorin oder Autor. Bei anderen wiederum endet es irgendwann damit, dann doch nur das Tagebuch zu füllen oder maximal noch Einkaufszettel zu verfassen.

Poetisch oder rational?

Beginn mit dem Schreiben und lege eine für dich passende Schriftsprache fest. Möchtest du eine erzählende Sprache nutzen? Oder bevorzugst du es, deinem Leser Geheimnisse zwischen den Zeilen mit auf den Weg zu geben? Deine Schriftsprache ist die Basis für deine Texte. Verschlüsselst du Botschaften? Schreibst du eher poetisch oder rational? Überlege einen für dich passenden Stil, der dir oder deinem Publik Freude beim Lesen bereitet.

Meine Freundin Linda

Linda ist eine solche Schriftstellerin. Sie ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und ihre Eltern hatten wenig Zeit für sie. Schon früh musste Linda sich zuhause um ihre Geschwister kümmern und sich schon als Kind mit der einen oder anderen familiären Sorge zu beschäftigen. Das bewegte sie dazu, sich ihre eigene Traumwelt zu suchen und Geschichten über ihr Wunsch-Ich in dieser Welt zu schreiben.

So lebte Linda in ihrem Schrift-Leben in einem Schloss, verheiratet mit einem Prinzen und ohne finanzielle Einschränkungen. Sie hielt zahlreiche Tiere, hatte ein Lieblingspferd, mit dem sie sich besser verstand, als mit vielen Menschen aus dem echten Leben. In ihrem Traumland war sie beliebt und umgeben von Menschen, die ihr guttaten. Immer, wenn Linda mit dem Schreiben begann, setzte sie sich eine rosarote Brille auf. Zuvor ging sie im Park spazieren, um Ihre Gedanken abzuschalten und sich voll und ganz in ihr zweites Leben einzulassen.

So gelang es ihr, sich voll und ganz in ihrer Fantasie und Vorstellung hinzugeben und die Muße zu finden, all das Schöne in Worte zu fassen. Sie schrieb Geschichten über ihre Erlebnisse als Prinzessin, die Liebe und die Verwirklichung von Träumen. Am Anfang schrieb sie eigentlich nur für sich selbst. Als beste Freundin durfte ich dann als Erste in ihre Texte schauen und ich war echt platt. So wunderbare Zeilen hatte ich lange nicht gelesen, und geschrieben hatte das ein Mädchen, das genauso alt war, wie ich selber…

Ihre Bücher wurden dann auch tatsächlich zu einem Erfolg und inzwischen hat sie mehr als 20 Bände veröffentlicht – indem ihre Wünsche Worte wurden.

Probiere dich aus

Das Schöne am Leben ist, dass es uns immer die Chance gibt, etwas Neues zu probieren. Beim Schreiben handelt es sich um ein Handwerk, das wir schon als Kind gelernt haben und das wir eigentlich bereits beherrschen. Wir können uns also einfach erneut darin ausprobieren. Auch für dich ist es eine Möglichkeit, deine Gedanken und Fantasien in Worte zu fassen. Setze dich noch einmal mit der Magie der Buchstaben und Worte auseinander und genieße es, darin den Schlüssel zu deinem Herzen zu finden.

Ganz egal, ob du dir ein schönes Notizbuch kaufst und mit dem Führen eines Tagebuchs beginnst, oder lieber kurze Gedichte und Geschichten für Freunde schreibst. Fülle ein Blog mit deinen Geschichten oder trau dich, deine kürzeren Texte auf TikTok zu präsentieren – ab einem gewissen Alter ist das sicher eine ganz besondere Herausforderung. Vielleicht aber bist du auch verliebt und möchtest deine Gefühle in einem romantischen, handgeschriebenen Liebesbrief zum Ausdruck bringen?

Alles ist erlaubt! Sogar die meditative Kalligrafie bietet dir Raum, wenn du nicht direkt einen dicken Roman in Rekordzeit schreiben möchtest.

Ein Fenster für dein Ich

All das, was du schreibst, ist ein Spiegel deiner Seele, deines Denkens und deiner Gefühle. Mal ganz offen, mal ein wenig versteckt und vielleicht nur für dich sichtbar. Mit deinen Worten kannst du jonglieren, Bilder erzeugen, Rätsel schaffen oder Rätsel lösen.

Du bringst im besten Fall viele Menschen zum Abschalten und zum Eintauchen in deine Geschichten. Du erzeugst Neugier, Staunen, Furcht und Erleichterung. Manchmal wird auch eine Träne fließen und manchmal am Ende der Geschichte ein tiefes Lächeln bleiben. Ein schönes Gefühl für dich, glaube mir.

Das Schreiben ist aber auch ein probater Weg, noch mehr über dich selbst herauszufinden. Das Verfassen von Worten, das Aufschreiben deiner Gedankengänge ist eine Methode, mehr über dich, deine Träume und Vorstellungen zu erfahren. Dinge, die du teilweise noch gar nicht über dich wusstest. Und so ist das Schreiben eben auch das: ein Schlüssel zu dir selbst.

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