In Deutschland gibt es 3 700 verschiedene Schmetterlingsarten, auf der ganzen Welt sind es mehr als 10 000. Der Schmetterling gehören zu den artenreichsten Insektengruppen und sind auf allen Kontinenten Zuhause. Die einzige Ausnahme bildet die Antarktis.

Ihre Liebe zu Milchprodukten gab den Schmetterlingen ihren Namen. Vom slawischstämmigen, ostmitteldeutschen „Schmetten“, was nichts anderes als „Schmand“ oder „Rahm“ bedeutet, entlehnte sich dieser kuriose Name. Damals galten Schmetterlinge sogar als Verkörperungen von Hexen, die Jagd auf die begehrten Lebensmittel machten. Daher kommt auch der Name „Butterfly“ (Butterfliege) im Englischen. Im Laufe der Jahrhunderte nannte man den Schmetterling auch Milchdieb, Molkenstehler aber auch Tagfalter und Sommervogel. Im Griechischen wurde der Schmetterling gar als Verkörperung einer menschlichen Seele angesehen, weshalb man ihn „psyche“, also Hauch, Atem oder auch Seele nannte.

In der Antike waren die Menschen fasziniert von diesem Lebenskünstler. Kein anderes Tier vermochte monatelang in einem scheinbar leblosen Kokon zu verweilen, um dann auf wundersame Weise wiedergeboren zu werden. Die Griechen und Römer sahen den entpuppten Schmetterling als eine Art losgelöster Seele an, welche sich von ihrem Körper, einer leeren Hülle, befreit und nun schwerelos durch die Höhen gleitet. Ein Sinnbild für Auferstehung, ein Symbol des Neubeginns.

Der Schmetterling – Ein Kunstwerk

Neben den Bienen sind die Schmetterlinge die wichtigste Quelle für die Pollenübertragung. Erblickt man beim Spaziergang einen Schmetterling, so sitzt dieser nicht selten auf einer zarten und farbenfrohen Blume, um an ihren süßen Nektar zu gelangen. So manche Blumenwiese verwandelt sich dabei schnell in ein Meer aus tanzenden Flügeln.

Man nennt diese wundersamen Tiere auch „Tagfalter“. Fällt ihre Körpertemperatur unter 30 Grad Celsius, fehlt den meisten Schmetterlingen die Kraft zum Fliegen. Deshalb zeigen sich Tagfalter vorwiegend in der Sommerzeit. Manche Schmetterlinge, wie etwa der Zitronenfalter, leben in Klimazonen, in denen kalte Jahreszeiten herrschen. Sie haben sich angepasst und können als Raupe, Puppe oder als ungeschlüpftes Ei in hohlen Bäumen regungslos verharren und so überwintern. Es gibt jedoch auch Schmetterlinge, die der kalten Jahreszeit als Falter trotzen und bereits an warmen Wintertagen ihr Versteck verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehe.

Es ist kaum zu glauben, aber sie schmecken mit ihren kleinen, dünnen Füßen. So können sie die Blume gleich bei ihrer Ankunft, „probieren“ und herausfinden, ob dies der richtige Ort ist, um Eier abzulegen. Schmecken können sie aber auch mit ihren Fühlern. Sie nehmen mit ihnen zudem die Temperatur ihrer Umgebung wahr. Bei Männchen sind die Fühler meist stärker ausgeprägt als bei den Weibchen. Der Grund: Der Mann muss sich auf die Suche nach einer Frau begeben. Die Damen wollen also gefunden werden. Die unendlich vielen kleinen Härchen auf den Fühlern des Männchens vergrößern die Oberfläche und verstärken so seinen Geruchsinn. Das Weibchen wiederum gibt Botenstoffe, sogenannte Pheromone, frei. Damit lockt sie ihren Liebhaber an, der ihrem sinnlichen Ruf auch über weite Strecken folgt.

„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.“ (Novalis)

Schmetterlinge sind kurzsichtig. Sie können nur etwa 200 Meter weit gucken. Und sehen dabei trotzdem mehr als wir Menschen. Die Augen der Schmetterlinge bestehen aus bis zu 6 000 winzig kleinen Einzelaugen. Zusätzlich zu diesen besitzen viele Arten ein weiteres Paar Augen, um ihren Tag-Nacht-Rhythmus zu regulieren. Insbesondere Nachtfalter sind großen Lichtunterschieden ausgesetzt, weshalb sie die Intensität des einfallenden Lichtes anpassen können. Das Gehör der Schmetterlinge ist, im Vergleich zu ihrer Sehschärfe, erstaunlich gut entwickelt. Sie besitzen ein Organ, das einem menschlichen Trommelfell sehr ähnlich sieht. Viele Schmetterlings können Ultraschallgeräusche wahrnehmen. Wiederum andere, vor allem Nachtfalter, können sogar Ultraschallgeräusche produzieren, um etwa Fledermäuse zu verwirren und ihnen zu entwischen.

Die Mundwerkzeuge der Schmetterlinge sind nicht minder faszinierend. Im Gegensatz zum Raupenstadium besitzen die Falter keine Zähne. Um an den begehrten Blütennektar zu kommen, der sie mit wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen versorgt, besitzen die Schmetterlinge einen langen dünnen Rüssel. Ruht der Schmetterling, so rollt er den Rüssel unter seinem Kopf ein. Die Raupe besitzt auf ihrer Unterlippe eine Drüse, mit der sie flüssige Seide spinnt. An der Luft erstarrt diese zu dem für uns heute so begehrten und kostbaren Garn. Damit webt die Raupe ihren Kokon, um sich auf wundersame Weise zu verwandeln.

Der Schmetterling – Eine Wiedergeburt

Das Leben eines Schmetterlings beginnt nach dem Schlüpfen erst einmal als Raupe. Es gibt Raupen, die eine stattliche Länge von 15 Zentimetern erreichen können. Wissenschaftler entdeckten ein faszinierendes Sozialverhalten bei manchen Arten. Demnach sammeln sich die Tiere in „Reisegruppen“ und wandern gemeinsam von Nahrungsquelle zu Nahrungsquelle.

Indem sich die Raupe das letzte Mal häutet, beginnt sie mit ihrer Verpuppung. Sie spinnt einen feinen Kokon aus Seide und verbirgt sich auf diese Weise vor neugierigen Blicken. Was in den kommenden zwei bis vier Wochen passiert, ist für viele ein Rätsel. Wenn der große Tag gekommen ist, beginnt sich der Kokon an speziell dafür eingewebten Nähten zu öffnen. Manchmal hat die Raupe auch einen „Deckel“ eingebaut, wodurch sie ihr Versteck später auf einfachem Wege verlassen kann. Langsam zieht der junge Schmetterling seinen Körper aus dieser Hülle und wendet sich dem Tageslicht zu. Seine Flügel sind noch schlaff und hängen vom Körper ab.

Doch mit ganzer Kraft lässt der Falter seinen Körper mit dem neugewonnenen Sauerstoff durchströmen. Blut fließt zum ersten Mal durch die zuvor leer gewesenen Adern. Es ist buchstäblich ein neues Leben, welches da beginnt. Die Metamorphose ist geglückt. Nun entfaltet der neu zum Leben Erwachte seine Flügel und wärmt diese am wohltuenden Sonnenlicht.

Der Schmetterling – Frei und schwerelos

Ein Schmetterlingsleben scheint uns Menschen recht kurz zu sein. Auch wenn die Lebensdauer eines entpuppten Falters von einigen Wochen bis einigen Monaten stark variiert, so schafft dieses wundersame Wesen doch alles, was es sich so sehnlichst vorgenommen hat und was das Leben ihm bietet. Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit wir messen können, sondern darauf, wie sie sich anfühlt. Ein Leben besitzt immer die gleiche Dauer. Es beginnt, wenn die innere Uhr reif dafür ist. Es endet, wenn wir bereit für den nächsten Schritt sind. Doch der Tod ist nicht das Ende. Er ist eine Metamorphose und ein Neubeginn. Ahnte der Schmetterling etwas von seiner Verwandlung? Oder blieb ihm nur die Hoffnung auf eine Wiederkunft? Man weiss es nicht.

„Schmetterlinge sind frei und fliegen hoch hinaus ins Licht und tanzen mit dem Sommerwind, sei wie sie und lebe jeden Augenblick“ (V. Eder)

Schwerelos und krafterfüllt wie ein Schmetterling können auch wir durch unser Leben gleiten und alle Menschen um uns herum mit Freude und Zuversicht erfüllen. Gestern waren Sie noch eine Raupe, heute sind Sie ein Schmetterling. Breiten Sie ihre Flügel aus. Fliegen Sie in die unendlichen Weiten dieses Lebens und genießen Sie das Sonnenlicht. Nehmen Sie die anderen Schmetterlinge mit auf Ihre Reise. Gemeinsam können Sie so viele Orte zum Leben erwecken.

Der Schmetterling – Die Farben der Seele

Kaum etwas Anderes fasziniert uns so sehr an den Schmetterlingen wie ihre ausgesprochene Farbenpracht. Doch in Wirklichkeit sind die Flügel der Schmetterlinge transparent. Die Flügel bestehen aus mehreren hauchdünnen Schichten, die aufeinandergereiht sind. Durch diese Oberflächenstruktur und das Pigment Melanin sehen wir Menschen mithilfe von Lichtbrechungseffekten eine unvergleichliche Intensität an Farben. An den Flügeln wird auch die Schmetterlingsart bestimmt. Insgesamt können Schmetterlinge Dank ihrer großen, kräftigen Flügel tausende Kilometer zurücklegen. Kaum ein anderes Insekt vermag das. Warum Schmetterlinge jedoch so weite Wanderungen zurücklegen, ist bis heute ein Rätsel.

Viele Schmetterlinge haben einen Trick auf Lager, auf den wir Menschen auch allzu leicht hereinfallen können: Nicht nur Raupen werden zwischen den wogenden, saftigen Blättern der Sträucher unsichtbar, auch die ausgewachsenen Tagfalter können förmlich mit ihrer Umgebung verschmelzen. Durch optische Täuschung vermögen sich manche Arten effektiv zu tarnen. Diese Taktik nennt der Naturkundige Mimikry. So simuliert etwa das Tagpfauenauge mehrere große Augen auf seinen Flügeln. Der Hornissen-Glasflügler hat, wie der Name verrät, einen etwas hinterhältigeren Doppelgänger: Dieser Schmetterling tarnt sich als Hornisse und wird für viele potentielle Angreifer damit ziemlich ungemütlich.

 

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

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