Das neue Jahr hat begonnen. Die Völlerei hat ein Ende. Doch der Spiegel zeigte es mir unverhohlen an: Der Weihnachtsspeck muss weg. Schon wieder eine Diät, denke ich. Ich bekomme doch schon schlechte Laune, wenn ich kein Frühstück bekomme. „Faste doch einfach“, riet mir meine Freundin Maria. Fasten? Davon hatte ich schon gehört. Doch wie faste ich richtig und welche Wirkung hat es? In den unendlichen Weiten des Internets wird sich doch wohl etwas finden lassen, was für mich geeignet ist. Also begebe ich mich auf die Suche nach Informationen – und ich werde schnell fündig.

Fasten trotz Arbeit und Sport

Ich arbeite den ganzen Tag und treibe Sport. Dafür benötigt mein Körper viel Energie. Doch ich soll fünf Tage lang keine feste Nahrung zu mir nehmen. Den ganzen Tag nur Wasser und Kräutertee trinken, ergänzt durch eine Gemüsesuppe zu Mittag und einen Gemüsesaft am Abend. Das soll reichen? Meine Motivation sinkt gen null. Fasten lindert Krankheiten und Beschwerden, lese ich weiter. Der Körper wird gesund, denn er wird entgiftet und die Zellen erneuern sich. Es hilft bei Gelenkproblemen, bei Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. Übergewicht, das ist mein Stichwort. Wieder schaue ich auf meine Fettpölsterchen. Meine Motivation steigt und ich beschließe, den Selbstversuch zu starten. Es ist ein spontaner Entschluss, ohne Vorbereitung und ohne eine besondere Zeit ausgewählt zu haben. Ich will es mir nicht noch einmal anders überlegen.

Auf den Entlastungstag kann ich verzichten, da ich ohnehin auf Fleisch und Zucker täglich verzichte. Obwohl ich neben der Arbeit trainiere, bekomme ich keinen Hunger. Ab und an friere ich ein wenig. Ich beginne mich zu entspannen und meine Fettpölsterchen schwinden tatsächlich dahin. Leicht und frei fühle ich mich. Irgendwie wie in Trance, doch es fühlt sich gut an. Nach fünf Tagen habe ich drei Kilo weniger. Dann folgen die empfohlenen Aufbautage. Ein Apfel am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Herzhaft beiße ich hinein. Meine Verdauung wird wieder aktiviert. Ich bekomme einen Riesenhunger. Mittags gibt es eine Kürbissuppe und am Abend Kartoffeln mit Kräuterquark. Dazu ein paar Trockenpflaumen.

Am letzten Tag zelebriere ich das Frühstück. Ich mische einen geriebenen Apfel mit Zimt und schnippel zwei Trockenpflaumen hinein. Das Ganze gebe ich in eine Portion Quark. So lecker. Mittags esse ich einen Salat mit Nüssen und Ei. Am Abend dann eine Portion gekochte Kartoffeln mit Möhren. Mir geht es blendend und die Fettpolster sind verschwunden. Aufgrund der fehlenden Vorbereitung musste ich jedoch Kompromisse machen. Mich aus meinem Alltag herauszunehmen, wie es empfohlen wird, ist mir nicht gelungen. Notwendige Ruhephasen ersetzte ich durch Yogaübungen und Meditation. Mehr erlaubte mir meine Zeit nicht. Doch jedes Fasten ist nun einmal individuell und das war mein Weg.

Die Qual der Wahl

Während meiner Fastenzeit erfuhr ich viel Wissenswertes über das Fasten. Den Neulingen wird empfohlen zunächst mit einem Fastentag zu beginnen und dann ein Fasten für kurze Zeit, also für zwei bis drei Tage, durchzuführen. Wenn man allein fastet, soll die Fastenperiode nicht länger als fünf Tage dauern. Wer nicht allein fasten möchte, kann sich einer Fastengruppe anschließen. Gerade bei längeren Fastenperioden ist das sehr empfehlenswert. Mit anderen „Fastengenossen“ macht es einfach mehr Spaß und erfahrene Fastenbetreuer werden euch dabei helfen eventuell auftretende leichte Beschwerden oder eine eventuell auftretende Fastenkrise zu meistern. Eine Stoffwechselumstellung kann auch seine Tücken haben.

Ich habe traditionell nach Dr. Otto Buchinger gefastet. Das bedeutet einen Entlastungstag, fünf Fastentage und zwei Aufbautage. Auf den empfohlenen Einlauf habe ich verzichtet. Eine Darmreinigung hatte ich bereits vier Wochen vorher mit Kräutern gemacht.

Intermittierendes Fasten

Das intermittierende Fasten soll ganzjährig gesundheitliche Vorteile bringen. Nach der guten Erfahrung mit meinem Selbstversuch wollte ich es einfach probieren. Zwei Möglichkeiten wurden mir zur Auswahl geboten. Zwei Mahlzeiten am Tag sind gestattet. Zwischen der letzten Mahlzeit und der Ersten am nächsten Tag müssen achtzehn Stunden liegen. Die andere Variante ist, sich einen Fastentag pro Woche zu gönnen, also an einem Tag nichts zu essen. Abgewandelte Varianten sind zwei festgelegte Fastentage in der Woche oder ein Wechsel zwischen an einem Tag essen und am anderen Tag fasten. Wasser und ungesüßte Tees sind erlaubt. Ich entschied mich für die achtzehn-Stunden-Variante. So muss ich nicht den ganzen Tag auf Essen verzichten, sondern darf zweimal eine Mahlzeit zu mir nehmen. Auf kalorienhaltige Speisen und Getränke während der übrigen Zeit muss ich jedoch verzichten. Sei es drum, mein Körper wird es mir danken und das tat er auch.

Ich verzichtete, wie empfohlen, auf weißes Mehl, Reis und Zucker. Mein Wohlbefinden stieg weiter und ich mutierte zu einem Energiebündel. Hunger hatte ich nicht. Ich nahm, wenn auch langsamer, weiter ab und fühlte mich einfach großartig. Kleinere Probleme gab es, wenn ich zum Essen mit Freunden oder der Familie verabredet war. Selten einmal passte der Termin in meine festgelegten Essenszeiten. Es war etwas gewöhnungsbedürftig sich mit Tee oder Wasser zu begnügen, während sich alle anderen den Bauch vollschlugen.

Was bedeutet Basenfasten?

Die mildeste aller Fastenformen ist das Basenfasten. Das habe ich bislang nicht ausprobiert. Man darf sich satt essen, nimmt allerdings nur basische Lebensmittel zu sich, also Obst und Gemüse. Schlacken und Säuren sollen so abgebaut werden und der Körper heilt und regeneriert sich. Die Dauer soll ein bis zwei Wochen nicht überschreiten. Selbst chronisch Kranke können diese Fastenkur ohne ärztliche Begleitung durchführen. Ergänzt werden kann das basische Fasten durch Basenbäder und Massagen. Nach dem Ende des Basenfastens sollte man sich gesund weiterernähren. Es gibt inzwischen auch spezielle Hotels, die sich auf das Basenfasten spezialisiert haben.

Verzicht ja, aber auf was?

Traditionell wird auf Schokolade, auf Fleisch, das Rauchen oder das Fernsehen verzichtet. Aber auch hier kann man den bewussten Verzicht beliebig erweitern. Es werden sich neue Horizonte eröffnen, wenn du zum Beispiel deiner Haut etwas Gutes tust und auf das tägliches Make-up verzichtest. Auch der Verzicht auf Social-Media kann Ihnen wieder mehr Kommunikation im realen Leben schenken. Bist du eine Shopping-Queen? Verzichte einmal vierzig Tage lang auf das Shoppen. Was glaubst du, was dann passiert? Du wandelst dich vom Selbstdarsteller zu einem Menschen mit einem starken Selbstwertgefühl. Probiere es aus. Möchtest du der Umwelt etwas Gutes tun verzichte einfach auf Verpackungen, gehe mit Stoffbeuteln einkaufen und kaufe Glasflaschen. Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten zu fasten. Du kannst auch einfach mal das Auto stehen lassen. Sicher ist auch für dich etwas umsetzbar.

So besiegst du den inneren Schweinehund

Solltest du das weitverbreitete Haustier „innerer Schweinehund“ erwischen, lass nicht zu, dass er die Herrschaft übernimmt. Mach dir klar, was du, durch das Fasten, erreichen möchtest. Lege also deine Fastenziele fest. Bleib gelassen und sei geduldig mit dir selbst. Klappt es nicht beim ersten Mal, dann vielleicht beim Zweiten. Solltest du keine Lust haben dich allein zu bewegen, ruf Freunde an, die dich begleiten. Wähle Sportarten, die du magst. Teile Familie und Freunden mit, dass du fasten wirst. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass du es dir noch einmal anders überlegst. Nimm dir Zeit, Zeit für dich. Der Körper benötigt Ruhephasen beim Fasten. Steigere den Spaßfaktor, in dem du die richtige Fasten- und Bewegungsart für dich findest. Wenn du dein Fastenziel erreicht habst, solltest du dich dafür belohnen. Geh in ein nettes Restaurant oder plane einen Kinobesuch. Erlaubt ist was gefällt.

Fasten und die Religionen dieser Welt

Doch wer hat eigentlich das Fasten erfunden? Fasten im ursprünglichen Sinn bedeutet, sich an die Gebote der Enthaltsamkeit zu halten. Doch heute ist es wohl eher eine Auszeit vom Alltag, das Brechen mit alten Gewohnheiten und ein wenig mehr auf sich zu hören. Katholiken und Protestanten bereiten sich durch das Fasten auf Ostern vor. Die Fastenzeit beträgt vierzig Tage und beginnt Aschermittwoch. Es wird wenig gegessen oder man verzichtet bewusst auf bestimmte Nahrungsmittel, aber auch auf Gewohnheiten. Der Ursprung liegt wohl in heidnischen Bräuchen. Doch dazu finden sich unterschiedliche Aussagen.

Für Muslime ist das Fasten verpflichtend. Die Fastenzeit ist der Monat Ramadan und gefastet wird während des Tages. Auch außerhalb dieser Fastenzeit darf gefastet werden. Während der Fastenzeit sollen sich die Gläubigen auf Gott und ihren Glauben konzentrieren. Dazu braucht es einen freien Geist. Der Ramadan wird auch als Zeit der Versöhnung zwischen den Menschen gesehen. Hier kommt der Gemeinschaftsaspekt zum Tragen.

Der Buddhismus hat keine festen Fastenzeiten. Man fastet, wenn man sich auf seine Meditation konzentrieren möchte. In Meditationszeiten wird gerade einmal so viel gegessen, dass der Magen nicht knurrt. Denn mit leerem Bauch wird man leicht aggressiv. Selbst die Hindus verzichten an den Neumond- und Vollmondtagen seit ungefähr 4.000 Jahren auf Nahrung. Die Juden fasten unter anderem an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur. Auch für den jüdischen Glauben ist die Fastenzeit an verschiedenen Festtagen verpflichtend. Für alle Religionen gilt, fasten soll die Gedanken klären, für einen klaren Kopf sorgen und die Konzentration auf den Glauben ermöglichen.

Warum also soll ich fasten?

Aus dem Alltag aussteigen, dabei Körper und Geist etwas Gutes tun – dass bedeutet nach meiner Erfahrung Fasten. Es steigert das Selbstvertrauen, schafft Motivation und steigert das körperliche Wohlbefinden. Durch das Fasten wurde ich dazu motiviert, meinen Lebensstil bewusster zu gestalten. Das bedeutet für mich weniger Stress und gesünderes Essen. Fasten ist jedoch kein MUSS, sondern ein KANN. Jeder sollte das für sich entscheiden. Auch ist die Fastenzeit nicht nur auf Februar/März/April beschränkt. Sie können fasten so oft Sie es möchten. Ihr Körper als Tempel Ihrer Seele wird es Ihnen danken. Sie müssen ja nicht unbedingt den 50-Tage-Rekord eines Russen im Fasten brechen.

 

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