Bei allen Unterschieden in Motiven und Herangehensweise, berichten beinahe alle Fastenden positiv über diese Erfahrung. Grund genug, sich einmal eingehender damit auseinanderzusetzen.

Fasten, das klingt nach Verzicht, Selbstkasteiung, Abstinenz und Entbehrung. Menschen, die etwas Geliebtem entsagen, ihrer Gesundheit oder ihrem Gott zuliebe. Und die Bandbreite der Dinge, derer man entsagen kann, scheint endlos: Die Nahrungsaufnahme kann über einen bestimmten Zeitraum entweder komplett eingestellt oder aber wenigstens eingeschränkt werden, indem bestimmte Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen werden: Süßigkeiten, Fleisch, Milchprodukte, Eier. Eine Periode des Fastens kann aber auch dazu genutzt werden, um mit (zu) liebgewonnenen Gewohnheiten zu brechen, egal ob es sich dabei um Alkohol, Zigaretten, Fernsehen, das Smartphone oder die Nutzung der sozialen Medien handelt.

Gründe zu fasten

Fasten bedeutet zwar tatsächlich Verzicht, da die meisten Fastenden aber etwas aus ihrem Alltag verbannen, von dem sie ohnehin überzeugt sind, dass es ihnen nicht gut tut, wird die Fastenzeit nicht als Zeit des Verlustes wahrgenommen. Dabei gilt die zunächst beschränkte Zeit des Fastens durchaus auch als „Probelauf“, um zu sehen, wie es sich ohne das eine oder andere Laster so lebt. Hinterher bietet sich eine gute Chance neu gelernte Verhaltensweisen in den Alltag zu integrieren. Und dabei gewinnt der Fastende Selbstbewusstsein, die Erkenntnis Kontrolle über die eignen Bedürfnisse, Triebe und Impulse zu haben.

Fastentraditionen gibt es in fast allen Religionen. Für die Gläubigen ist die Fastenzeit sowohl Ausdruck ihrer religiösen Praxis und damit ihrer Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft, als auch die Chance Gott näher zu kommen, einen Zustand seelischer Harmonie zu erreichen und den Willen und die Widerstandskraft gegenüber den Versuchungen des Bösen zu stärken. Viele Religionen kennen Fastenzeiten zur Vorbereitung auf große Feiertage, die den Gläubigen zur Buße und der Reinigung der Seele dienen.

Im Christentum kennt man die 40-tägige große Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Die ebenfalls früher als Buß- und Fastenzeit begangene Adventszeit ist unter diesem Gesichtspunkt hingegen beinahe vollkommen in Vergessenheit geraten. Die griechisch-orthodoxe Kirche kennt hingegen bis zu 200 Fastentage, unterteilt in vier mehrtägige Fastenzeiten, in denen tierische Produkte wie Fleisch, Milchprodukte, Eier, Fisch, tierische Fette und alkoholische Getränke für die Gläubigen tabu sind.

Im Gegensatz zum Christentum zeigt die islamische Fastenpraxis ein relativ einheitliches Bild. Shiiten und Sunniten, die zwei großen Glaubensrichtungen des Islam, begehen den Ramadan im neunten Monat des Hijra-Kalender. Da sich die Terminierung nach dem Mondkalender richtet, durchläuft der Ramadan innerhalb von 33 Jahren sämtliche Jahreszeiten. Ab dem Eintritt in die Pubertät ist der Ramadan für alle gesunden Muslime verpflichtend. Dabei wird zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf Nahrung und Flüssigkeit verzichtet. Jeden Tag wird das Fastenbrechen im Kreise der Familie zelebriert, das Ende der Fastenzeit wird mit einem großen Fest, dem id al-fitr, begangen.

Auch im Judentum wird regelmäßig an wichtigen Feiertagen gefastet, mehrtägige Fastenzeiten werden gläubigen Juden hingegen nicht abverlangt. Buddhistische Mönche und Nonnen nehmen nach dem Mittagessen keine Nahrung mehr zu sich, während für Laien das Gebot des Mittelmaßes gilt. Eine extreme Form des Fastens stellt das in Japan praktizierte, mittlerweile aber verbotene Sokushinbutsu dar, bei dem sich Mönche durch unvorstellbare Schmerzen und Selbstverleugnung einen Weg ins Nirwana versprechen. Ziel des Sokushinbutsu ist durch eine immer weitere gehende Nahrungsreduktion die Selbstmumifizierung zu erreichen.

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den
Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten
als durch Medikamente“
Hippokrates von Kos (460 – 377 v.Chr.)

Der Gesundheit zuliebe

Es fasten aber auch immer mehr Menschen ohne Religionsbezug. Bei all jenen stehen nämlich die positiven Auswirkungen für die Gesundheit im Vordergrund – und diese scheinen tatsächlich vielfältig zu sein. Neben der Grundreinigung des Darms, zählen das Ausscheiden von Giftstoffen und schädlichen Stoffwechselprodukten dazu, die gerne unter dem umstrittenen Begriff der „Schlacken“ zusammengefasst werden. Fasten soll sogar, dies legen verschiedene Studien an Tier und Mensch nahe, eine lebensverlängernde Wirkung haben, vor Krebs schützen und das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen verringern.

Die bekannteste und am weitesten verbreitete Form des Heilfastens ist das Buchinger-Heilfasten. Bei diesem wird die Aufnahme fester Nahrung eingestellt, dem Körper werden jedoch geringe Mengen an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen in Form von Säften und Gemüsebrühe zugeführt. Zusätzlich soll der Verdauungstrakt durch Einläufe gereinigt werden. In anderen Varianten des Heilfastens sind hingegen teilweise mehr, teilweise aber auch weniger Lebensmittel erlaubt.

Eine besondere Art des Fastens ist das intermittierende Fasten, bei dem auf eine Phase der Nahrungskarenz eine der normalen Kalorienzufuhr folgt. Für unsere als Jäger und Sammler lebenden Vorfahren war dies die normale Form der Ernährung, weil es immer wieder Tage gab, an denen keine feste Nahrung zur Verfügung stand. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass während der Fastentage besonders geringe Mengen eines Wachstumshormons ausgeschüttet werden. Dieses Wachstumshormon soll maßgeblich für den Alterungsprozess verantwortlich sein. Dadurch werden für den Organismus Kapazitäten zur Zellreparatur frei, was das Risiko schwerer Erkrankungen wie Krebs verringern und gleichzeitig die Lebenserwartung erhöhen soll. Aufmerksam wurden Forscher auf den lebensverlängernden Effekt des Fastens bei einer Analyse der großen Depression in den USA der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als sich die Lebenserwartung nicht wie erwartet verringerte, sondern sogar um sechs Jahre erhöhte.

Soll ich?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach und ohne Weiteres mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Wer bei Alkohol, der Smartphonenutzung oder dem Fleischkonsum etwas kürzer treten möchte, kann dies natürlich jederzeit bedenkenlos tun. Der Verzicht auf Nahrung oder die starke Einschränkung des Nahrungsangebots, ist hingegen nicht für jeden geeignet.
Für manche Menschen kann Heilfasten sogar eine ernstzunehmende Gefahr darstellen. Da es beim Fasten nämlich zu einer geringen Gewichtsabnahme kommt, ist stark untergewichtigen Menschen oder solchen mit einer Essstörung dringend davon abzuraten.

Ärzte raten aber auch Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Blutungsneigung, Typ-1-Diabetikern, Krebskranken, Kindern, schwangeren und stillenden Frauen von einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme ab.

Wer nicht zu einer der oben genannten Gruppen gehört, sollte prinzipiell fasten können und von den vielfältigen positiven Effekten des Fastens profitieren. Natürlich gilt im Zweifelsfall immer Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten, der individuelle Risiken am besten einschätzen kann.

Arten des Heilfastens

Buchinger-Heilfasten: geringe Kalorienzufuhr über Gemüsebrühe und Säfte

Franz-Xaver-Mayr-Kur: ein individueller Diätplan wird erstellt

Breuß-Kur: es sind nur Obst- und Gemüsesäfte während des Fastens erlaubt

Markert-Diät: neben Gemüsebrühe und Säften wird ein Eiweiß-Drink konsumiert

Früchtefasten: es werden nur Früchte, Gemüse, Kräuter und Nüsse konsumiert

Molke-Fasten: Säfte und stilles Mineralwasser wird mit täglich einem Liter Molke ergänzt

Teefasten: erlaubt sind lediglich die Zufuhr von Tee und Wasser, Säfte und Brühe stehen nicht auf dem Speiseplan

Rohkostfasten: Obst und Gemüse in beliebiger Menge, jedoch niemals über 40°C erhitzt

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