Was macht eine Frau zur Braut? Es ist weder der Ring, noch die tollen Haare oder die Vermählung an sich. Wenn eine Frau heiratet, entscheidet vor allem das Kleid, ob sie sich auch wie eine Braut an diesem besonderen Tag fühlt.

Lang oder doch lieber kurz? Bauschiger Tüll oder fließende Seide, mit verspielter Raffung, raffinierter Spitze und Stickerei oder doch ganz schlicht? Die meisten Frauen werden sich diese Frage mehr als einmal in ihrem Leben stellen. Denn die Vorstellung vom eigenen Brautkleid begleitet uns bis zu dem Moment, wo der Traum in Weiß endlich Wirklichkeit wird. Dabei verändert sich dieses Bild mit den Jahren mehrmals: Auch wenn uns der Gedanke ans Heiraten keineswegs immer präsent ist, so haben wir doch in jeder Phase unseres Lebens zumindest eine vage Vorstellung davon, wie der Moment sein soll, wenn jemand die letzten Knöpfe, den Reißverschluss oder auch das Mieder schließt, der eigene Blick sich unter Herzklopfen zum Spiegel hebt und uns aus den vertrauten Zügen eine echte Braut entgegen blickt, bereit, ein Versprechen für die Ewigkeit zu geben.

Es ist dabei vor allem das Kleid, das dieses besondere Gefühl hervorruft und vermittelt, dass ein ganz besonderer Tag bevorsteht. Denn nur die wenigsten Frauen hatten vermutlich schon einmal die Gelegenheit, eine solche Robe zu tragen. Weiß ist dabei schon seit dem 19. Jahrhundert die gefragteste Farbe vor dem Altar. Auch die eher cremigen Nuancen von Eierschale, Ecru oder auch Elfenbein zählen hier mit hinein, die im Vergleich zum reinen Weiß doch einen etwas weicheren Kontrast zur Haut bilden.

Farbe bekennen

Es muss aber keineswegs immer nur Weiß sein: Ob farbige Stickerei, ein Band um die Taille oder verschiedenfarbige Stoffschichten – den Wünschen der Braut in spe sind hier kaum Grenzen gesetzt. Selbst Kleider komplett in Rot, Grün oder Schwarz, wie sie schon einmal im 16. Jahrhundert modern waren, sind zu haben. Inspiriert durch die spanische Mode avancierte Schwarz damals zur Trendfarbe in Sachen Brautkleid. Sie betonte vor allem die Frömmigkeit der Trägerin, während das sich später durchsetzende Weiß eher deren Reinheit und Jungfräulichkeit unterstreichen sollte.

Solche Motive spielen heute zwar nur noch eine untergeordnete Rolle, doch trotz aller Vielfalt greifen die meisten Bräute am Ende doch zu einem weißen Kleid. Keine andere Farbe verbindet man so sehr mit dem Moment, in dem man einem anderen Menschen schwört, ihn für immer zu lieben. Daher ist es wohl auch so oft der helle Stoff, der einer Frau das Herz bis zum Halse schlagen lässt und der ihr sagt, dass sie nun eine Braut ist.

Ebenso wichtig wie die Farbe sind Schnitt und Material. Auch hier entscheidet letztlich, wie die Braut sich selbst sieht. Möchte sie eine Prinzessin in einem pompösen Ballkleid sein, lieber ihre Kurven zeigen oder wählt sie die eher schlichte Eleganz eines Empire-Kleides? Schulterfrei oder doch mit Ärmeln? Feine Spitze, eine Stickerei oder doch Strasssteine, um den Wow-Faktor zu steigern?

Das Kleid entscheidet

Im letzten Jahr lagen vor allem große Rückenausschnitte sowie transparente Einsätze im Dekolletee im Trend – etwas, was einige Jahrzehnte zuvor noch kaum denkbar schien. Schritt die Braut Anfang des 20. Jahrhunderts noch hochgeschlossen und mit langen Ärmeln zum Altar, zeigten die Damen der 20er Jahre schon etwas Bein. In den folgenden Jahrzehnten zeigte sich das Brautkleid dann eher schlicht, Schleifen wurden en vogue, Blumenkränze und derbere Stoffe übernahmen in der Hippie-Ära das Kommando. In den 80er Jahren schien dank wildem Stilmix und toupiertem Haar schließlich alles erlaubt, bis um die Jahrtausendwende wieder die schlichte Eleganz gefragt war. Schulterfreie Kleider kamen erstmals in Mode. Es folgten Jahre, in denen sich Frau vor allem figurbetont zeigte – und nun entzückt eben ein schöner Rücken.

Am Ende ist es gleich, welches Kleid eine Braut wählt – für alle, außer sie selbst. Für ihre Familie, ihre Freunde und vor allem die Person, die vor dem Altar auf sie wartet, wird sie immer schön aussehen, ganz gleich, was sie in diesem Moment trägt. Doch ob sie sich auch wie eine Braut sieht, dieses erhabene Gefühl in ihrem Inneren spürt, entscheidet sich mit dem Blick in den Spiegel, in dem Moment, wenn sich der Reißverschluss schließt, wenn ihre Finger über den Stoff streichen und sie den Blick hebt, um sich in ihrem Traum in Weiß zu sehen.

Wenn ein Kleid das schafft, dann ist es das richtige. Und aus Erfahrung kann ich sagen: Schon bei der Anprobe merkt man, ob man nur irgendein Kleid oder das Kleid trägt. Denn auch wenn die Haare nur lose zurückgebunden sind und das Kleid eigentlich noch gar nicht richtig sitzt, man sieht sich mit anderen Augen, aus der zuvor nur vagen Vorstellung wird ein klares Bild und man weiß einfach: So will ich heiraten.

 

Unvergessen

Zu den wohl berühmtesten Brautkleidern der Welt zählt zweifelsfrei das von Prinzessin Diana, das sie 1981 bei der Vermählung mit dem britischen Thronfolger Prinz Charles trug. Der weite Rock, die zarte Spitze am Ende der großen Puffärmel, der auffällige Volantkragen und die 8 Meter lange Schleppe – ein märchenhaftes Kleid, das heute schmunzelnd gern auch mit einem Sahnetörtchen verglichen wird. Doch auch wenn es heute nicht mehr modern ist, so steht es doch bis heute für die Geschichte einer einfachen Frau, die wie im Märchen zur Prinzessin wurde. Auch das Kleid ihrer Schwiegertochter, Herzogin Kate, könnte in einigen Jahren einen solchen Kultstatus erreichen.

 

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

 

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