Nicht jeder gestaltet den „schönsten Tag im Leben“ streng nach althergebrachten Regeln und Gewohnheiten. Individualität wird heute großgeschrieben. Wem schon   Brautstraußwerfen oder Baumstammsägen seltsam anmuten, dem werden internationale Gepflogenheiten wahrlich skurril erscheinen. 


RUMÄNIEN – Die Ehe ist eine Kletterpartie

Sportlicher Ehrgeiz steht noch vor der eigentlichen Hochzeitszeremonie auf dem Programm eines rumänischen Bräutigams. Seine Bereitschaft, auch Hindernisse zu überwinden, stellt er unter Beweis, wenn er den Baum erklimmt, an dessen Spitze die Freunde der Braut zuvor den Brautkranz befestigt haben. Gelingt ihm dies mit Hilfe seiner Freunde und setzt er den Kranz anschließend der Braut auf das Haupt, hat er sich als würdig genug erwiesen, ein Ja- Wort zu erhalten.

KENIA – Ein langer Marsch ins Ungewisse

Bei den Massai aus Kenia muss die Braut eine Prüfung bestehen: Sie tritt den Marsch in Richtung ihres neuen Zuhauses zu Fuß an, meist ein Nachbardorf, in dem der unbekannte Mann lebt, dem sie versprochen ist. Begleitet wird sie dabei von Angehörigen, die Hindernisse aus dem Weg räumen. Die Fähigkeit, den Herausforderungen des Ehealltags zu widerstehen, muss die Braut dort erneut unter Beweis stellen, wenn sie von den weiblichen Angehörigen des Bräutigams symbolisch beleidigt und sogar mit Kuhmist beschmiert wird.

ÖSTERREICH – Ein lauter Startschuss für die Ehe

Das traditionelle Brautwecken findet sich heute noch vornehmlich in ländlichen Regionen Österreichs. Die Braut verbringt, wie in vielen Ländern üblich, die letzte Nacht vor der Hochzeit getrennt von ihrem Zukünftigen im Haus der Brauteltern. Die Nachtruhe wird jedoch früh, meist schon gegen vier Uhr am Morgen, von Freunden, traditionell ledige Männer, unsanft beendet. Mit Knallkörpern, lautem Geschrei und Schüssen wird die Braut geweckt, was symbolisch böse Geister vertreibt, welche das Glück der Brautleute bedrohen.

ISRAEL – Im Kreise der Liebsten

Ein wenig spektakulärer und trotzdem ungewöhnlicher Brauch ist bei jüdischen Hochzeiten in Israel zu beobachten. Die traditionelle Trauung findet dort unter einem Baldachin statt, der ebenso wie die Zeremonie der Eheschließung an sich als Chuppa bezeichnet wird. Unter diesem offenen Baldachin umkreist die Braut ihren Zukünftigen sieben Mal und stellt so symbolisch die behütende Rolle der Ehefrau zur Schau, die sie künftig für ihren Angetrauten auch einnehmen wird.

THAILAND – Gäste im Bett

In Thailand wird es nach der eigentlichen Hochzeit skurril:
Wenn das frisch vermählte Paar sich von der Hochzeitsfeier zurückzieht, dann tut es das nicht alleine. Die Hochzeitsgesellschaft begleitet das Paar bis ins Schlafzimmer. Dort obliegt es dem am längsten verheirateten Paar, das Bett für das Brautpaar anzuwärmen. Dies wird als Segen für die so hoffentlich ebenfalls langjährig glückliche, bevorstehende Ehe angesehen. Selbstverständlich erfolgt der Rest der Hochzeitsnacht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

FRANKREICH – Teure Einblicke

Der Brauch des Strumpfbandwerfens ist in Frankreich eine erotische Angelegenheit: Die Braut begibt sich auf die Tanzfläche und wird dort von den männlichen Gästen umringt. Stück für Stück beginnt sie nun, tanzend den Saum ihres Kleides anzuheben und ein Bein zu entblößen. Unter Protest der Damen bieten die männlichen Zuschauer nun bares Geld für jeden weiteren Zentimeter. Wenn das Strumpfband zum Vorschein kommt, ist das pikante Spiel beendet und der zuletzt bietende Gast erhält als Preis das Strumpfband.

USA – Der Sprung über den Besen

In den USA und dort explizit bei der afroamerikanischen Bevölkerung ist ein Brauch beliebt, nach dem die Braut auf dem Weg zum Altar über einen Besen steigen muss. Im Mittelalter galt der Schritt über den Besen als Beleg dafür, dass die Braut keine Hexe war. Zu Zeiten der Sklaverei war es Schwarzen meist verboten, offiziell zu heiraten. Daher wurde der symbolische Sprung über den Besen als Eheschließung angesehen. Zudem gilt er als Symbol des gemeinsamen Neuanfangs, da er geeignet ist, alles Vergangene „wegzuwischen“.

RUSSLAND – Wegezoll zum Glück

Der Tag der Hochzeit beginnt für den russischen Bräutigam mit einem Hindernislauf. Zuhause bei der Braut angekommen, stellen sich Freunde und Familie der Braut dem Bräutigam in den Weg. Will er zu seiner Geliebten gelangen, muss er sich den Weg zu ihr freikaufen. Dies geschieht durch die Erfüllung zahlreicher Aufgaben und das Lösen von Rätseln, was sein Wissen über Leben und Vorlieben seiner Braut belegen soll. Kann er eine Frage nicht beantworten, muss er zahlen – mit Geld, Alkohol oder Süßigkeiten.

INDIEN – Ein Mittel gegen Spülhände

Henna-Tattoos spielen auch bei Hochzeitsbräuchen eine wichtige Rolle: Hände und Füße der indischen Braut werden vor der Hochzeit in langwieriger Kleinarbeit mit kunstvollen Ornamenten verziert. Je aufwändiger und dichter sie gestaltet sind, desto mehr liegt der Mutter des Bräutigams laut Volksmund an der zukünftigen Schwiegertochter. Henna ist keine permanente Färbung, mit der Zeit lässt die Intensität der Farbe nach. Bis sie schließlich vollständig verschwunden ist, ist die Vermählte von der Hausarbeit befreit.

BORNEO – Gemeinsam dem Drang widerstehen

Mehr als skurril mutet ein Hochzeitsritual an, das vom Volk der Tidong im indonesischen Teil Borneos praktiziert wird. Drei Tage und Nächte müssen Brautleute dort das Haus hüten, wobei sie die Toilette nicht benutzen dürfen. Die Einhaltung wird von Angehörigen überwacht, die auch dafür Sorge tragen, dass die beiden nicht zu viel essen und trinken, um die Aufgabe nicht zusätzlich zu erschweren. Dieses „Ritual“ soll auf die Entbehrungen und Herausforderungen des Ehelebens vorbereiten und Glück bringen.

 

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin.

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