Ich liebe es, mich von der Natur inspirieren zu lassen. Sie hat immer einen guten Rat oder geht mit gutem Beispiel voran.

Im Herbst erwische ich mich z.B. immer wieder dabei, wie ich den Blättern hinterher schaue, die sich vom Wind davon tragen lassen. Und jedes Mal denke ich mir: „So einfach kann LOSLASSEN sein. Der Wind macht das schon. Wenn die Zeit reif ist.“ Dann spüre ich den kühlen Wind in meinem Gesicht und finde, dass das Ganze einfach ein riesen großes Wunder ist.

Hast du schon mal darüber nach gedacht, wie es dem Baum gehen würde, der während der reinigenden Herbststürme sagen würde: „NEIN, meine Blätter gebe ich nicht her. Ich habe so lange gebraucht, bis sie da waren. Sie haben sich gerade so toll entwickelt und jetzt muss ich sie hergeben. Nichts da, ich halte daran fest.“

Ehrlich, diesem Baum würde es nicht gut gehen, denn er würde sich gegen die natürliche Entwicklung sträuben. Er würde an etwas festhalten wollen, was ihn letztendlich sogar daran hindert, hinterher (nämlich im Frühling) wieder in einem neuen Glanze zu erstrahlen. Und, so ganz nebenbei erwähnt, wäre es ein Kampf gegen Windmühlen.

Es ist nämlich so, dass der Baum einem natürlichen Zyklus unterliegt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das Neue erwacht, Entwicklung, Transformation, Ernte, Loslassen, (innere) Ruhe, Erholung – und dann wieder von vorne. Und alles zu seiner Zeit. Der Baum ist klug. Er lässt einfach geschehen und hat dadurch die Möglichkeit, sich immer wieder neu entwickeln und vielleicht sogar über sich hinaus zu wachsen.

Alles zu seiner Zeit

Wir Menschen neigen zu Ungeduld. Wir neigen dazu, immer Vollgas zu geben, Entwicklung bewusst herbei zu führen und immer aktiv zu bleiben. Dabei vergessen wir so manches Mal, dass auch wir einem natürlichen Zyklus unterliegen. Wir haben aktive Phasen und Zeiten, in denen wir nach innen schauen dürfen. Wir können Vollspeed an unseren Projekten arbeiten, brauchen aber anschließend auch Zeiten, in denen wir uns zurück ziehen können. Wir haben Zeiten, in denen wir unser Fokus auf das Außen richten und dann ist wieder eine Zeit der Neuausrichtung angesagt, in der wir Bestehendes hinterfragen dürfen.

  • Möchte ich das noch?
  • Bin ich noch auf dem richtigen Weg?
  • Wie möchte ich die nächsten drei Jahre gestalten?

Viele Menschen vergessen, dass auch sie sich Ruhepausen gönnen dürfen, um mal nach innen zu schauen. Sie haben dann das Gefühl, faul, unwichtig oder sogar nutzlos zu sein, wenn sie sich zurück ziehen und es im Außen mal etwas ruhiger angehen lassen. Dabei übersehen sie, dass es für ihre Entwicklung absolut wichtig ist, sich auch einfach mal treiben zu lassen.

Jeder hat sein Tempo

Neulich, während meines Spazierganges durch die wunderschöne Frühlingslandschaft, hatte ich auch wieder Gedanken zur Ungeduld des Menschen. Wir fühlen uns ja oft getrieben (von wem eigentlich?) schneller erfolgreich zu sein, schneller Projekte zu verwirklichen, schneller unsere Ziele zu erreichen, schneller, schneller, schneller. Nur, Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Das wissen wir alle. Und dennoch tappen wir immer wieder in die Falle und wollen Dinge beschleunigen, die wir nicht beschleunigen können, weil Entwicklung einfach Zeit braucht.

Am Rande der Straße, die ich morgens immer mit meinem Hund entlang spaziere, stehen die unterschiedlichsten Bäume und Büsche. Mir ist aufgefallen, dass einige Bäume schon die schönsten Blüten tragen, während Andere scheinbar noch im Winterschlaf stecken. Da habe ich mich gefragt, ob es den kahlen Baum wohl stört, wenn sein Nachbar schon eine tolle Blüte trägt. Wird der kahle Baum sich unter Druck gesetzt fühlen? Wird er sich selbst dafür anklagen, dass Viele um ihn herum schon blühen, nur er nicht? Wird er sich dafür verurteilen? Wird er neidisch zu den Anderen herüber schauen? Wohl kaum. Er wird wissen, dass seine Zeit kommt. Er weiß, dass er alles einfach geschehen lassen kann; völlig entspannt und zuversichtlich, dass auch seine Zeit kommen wird.

Ist es nicht genau so auch bei uns Menschen? Können wir nicht eigentlich auch darauf bauen, dass unsere Blüte genau so schön und wertvoll ist, wie du Blüten der Nachbarn; völlig unabhängig davon, wann sie denn in Erscheinung tritt? Wäre es nicht schön, wenn wir völlig entspannt und zuversichtlich sein können und darauf vertrauen können, dass auch unsere Zeit kommt? Wäre es nicht schön, wenn wir uns erlauben, IN UNSEREM TEMPO an unseren Zielen, Wünschen und Träumen zu arbeiten? Und wäre es nicht schön, wenn wir aufhören, immer nur nach links und rechts zu gucken; zu gucken, was die Anderen machen, um Dingen nachzueifern, die vielleicht auch gar nicht so zu uns passen?

Wir verlieren uns zu oft im Außen. Wir schauen zu sehr danach, was Andere tun und setzen dort unsere Maßstäbe. Dabei lassen wir außer Acht, dass EIGENTLICH ganz andere Dinge wichtig für uns sind, dass wir vielleicht ganz andere Werte haben und dass das Tempo der Anderen eben nicht unser Tempo ist.

Inspiration aus der Natur

Vielleicht magst auch du dich von der Natur inspirieren lassen. Vielleicht magst du mal schauen, wie wertvoll es sein kann, wenn jeder in seinem Tempo lebt, gestaltet und schöpferisch tätig ist.
Stell dir z.B. mal vor, wie traurig es wäre, wenn alle Bäume zur gleichen Zeit blühen und von heute auf morgen dann plötzlich keine Blüte mehr zu sehen wäre. Stell dir vor, wie es wäre, wenn alle Früchte gleichzeitig reif wären.
Ist es nicht unglaublich wertvoll, dass jeder sein eigenes Tempo und somit seinen eigenen Zyklus hat?

Und wie ist es für dich, wenn dir klar wird, dass auch du deinem Zyklus folgen kannst und die Wellen mit surfen kannst, die eben gerade für dich da sind? Du musst nicht auf jeder Hochzeit tanzen, nicht jeden Trend mit machen und erst recht nicht den Dingen nach eifern, die andere Menschen toll finden.

Follow your heart. Reise in deiner Geschwindigkeit durch dein Leben und sei dir sicher, dass du genau dann unglaublich wertvoll bist.

Deine Sabine

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