Ich weiss nicht, wie es dir mit der momentanen Zeitqualität geht, aber ich bin ferienreif! Ob es nun am Löwe-Vollmond oder der Sonnenfinsternis liegt, kann ich nicht sagen und möchte auch keine astrologischen oder astronomischen Spekulationen tätigen. Ich weiss nur, dass ich es ziemlich anstrengend finde.

Nicht anstrengend im Sinne von etlichen Herausforderungen, die mir im Aussen begegnen, sondern im Sinne von Blockierendem im Innen. Ich war nach meinen Ferien im Juni gut im Flow, motiviert und voller Ideen. Dementsprechend brodelte es in der Kreativitätsküche und mein Hamster drehte fleissig Runden in seinem Rad. Plötzlich habe ich bemerkt, wie es harzig wird. Ein bisschen wie durch kniehohen Schlamm waten. Trotzdem wollte ich meinen Schwung nicht aufgeben und unbedingt vorwärtsgehen. Im Flow bleiben. Mit immer mehr Druck.

Mit dem Fluss anstatt dagegen

Hört sich anstrengend an? Ist es auch – und dazu noch absolut sinnlos. Es kam der Punkt, als ich aufgehört habe zu rennen und zu strampeln. In manchen Momenten habe ich mich einfach nur auf die Erde gelegt und zugehört. Denn wenn ein Weg so anstrengend ist, dann muss es noch einen anderen geben. Einen Weg, bei dem ich nicht gegen den Fluss ankämpfe, sondern mich ihm hingebe. Also habe ich mir erlaubt, zur Ruhe zu kommen, nach innen zu lauschen und zu fragen: Was ist da los? Weshalb bin ich so müde und höchstens im Schneckentempo unterwegs? Weshalb ist es so anstrengend?

Als ich mir endlich die Pause gegönnt habe und ruhig geworden bin, konnte ich deutlich wahrnehmen, wie intensiv die Veränderungen momentan sind. Es gibt so viele alte Strukturen und Muster, die gelöst werden möchten, die sich verabschieden, und das kostet Kraft. Wir sind es gewohnt, immer zu funktionieren, brav im Hamsterrad weiterzudrehen, bloss nicht nachlassen oder Pausen machen, wenn eigentlich keine geplant sind. Dieses alte Muster und diese harte Struktur von „Ich muss“ lässt uns über solche Zeitqualitäten und Veränderungen hinwegstürmen, ohne die Chancen wahrzunehmen, die sie bieten.

Die Chancen der Zeitqualität

Wenn wir uns jetzt den Anteilen in uns stellen, die uns blockieren, haben wir die Chance sie zu integrieren und ein Stück mehr in Fluss zu kommen. Ein Teil von mir freut sich über die Veränderungen und möchte den Druck und Stress verabschieden. Ein anderer Teil rennt immer noch im Hamsterrad und in diesem alten System, das er gewohnt ist. Hier ist die Chance innezuhalten, aus dem Hamsterrad auszusteigen und mir zu erlauben, auf Schneckentempo zu reduzieren.

Der strampelnde Hamster kriegt bei dieser Entscheidung erstmal die Krise! „Ich kann doch nicht einfach eine Pause machen – mitten in der Woche! Ich muss doch funktionieren, arbeiten, vorwärtsgehen, weitermachen!“ Ja, ich höre den Hamster, ich kann seine Unruhe und Angst wahrnehmen. Die Ungewissheit, die ihn plagt, wenn ich einfach aus dem Gewohnten aussteige. Doch ich lasse mich von ihm nicht zurück ins Rad drücken. Sondern ich erlaube mir, mich auf die Erde zu legen, tief durchzuatmen, und Druck und Tempo abfliessen zu lassen.

Alles im Leben hat seine Zeit: tun und ruhn’, aktiv und passiv, aussen und innen, Yin und Yang. Jetzt ist die Zeit der Ruhe und der Innenschau, die Möglichkeit, die Unruhe und Angst des Hamsters zu lösen. Was braucht er, um zur Ruhe zu kommen? Um darauf zu vertrauen, dass es vorwärtsgeht, ohne zu strampeln? Um die Gewissheit zu bekommen, dass ihn der Fluss des Lebens liebevoll trägt?

erkennen – wahrnehmen – fliessen lassen

Ich wünsche mir eine Veränderung und ich möchte aus diesen alten und harten Strukturen aussteigen, um liebevoller mit mir umzugehen. Der erste Schritt ist immer die Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass ich es anders möchte und die Erkenntnis, wenn ich wieder ins Hamsterrad zu steigen drohe. Das bedeutet nicht, dass ich künftig nur noch auf der faulen Haut – oder auf der Erde – liege und atme, sondern dass ich die Zeitqualität wahrnehme, mich dem Fluss hingebe und spüre, was jetzt an der Reihe ist.

Dies ist die neue Struktur, das neue Bewusstsein, das es mir erlaubt, mich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Es ist ein Bewusstsein darüber, dass es mit Druck nicht schneller geht, dass ich nicht krampfhaft das Ziel verfolgen muss. Sondern dass es um den Weg geht und darum bewusst-zu-sein.

Alles Liebe für dich,

Nadine

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