Es ist Montagmorgen. Ich bin auf dem Weg zum Kindergarten. Das Wetter ist mies, die To-do-Liste in meinem Kopf ewig lang… Doch dem Sohn auf dem Rücksitz ist das alles wurscht. Bestens gelaunt singt der kleine Kerl vor sich hin. Wie niedlich das klingt – und wie gut das meiner Seele tut… An der nächsten roten Ampel drehe ich mich kurz zu ihm um und werfe ihm lächelnd einen Luftkuss zu.

Plötzlich hupt es! Einmal! Zweimal! EIN DRITTES MAL!

Erschrocken zucke ich zusammen. Der kurze Blick auf die Ampel verrät: grün. Entschuldigend hebe ich die Hand – und erschrecke beim Blick in den Rückspiegel gleich noch einmal. Dieser bitterböse Blick des Fahrers! Und sein Mund, der eilige Worte formt, die ich (zum Glück) nicht verstehe. Und dazu dieses wilde Gefuchtel mit den Armen.

„Mama? Warum hat das Auto hinter uns so doll gehupt?“ höre ich den Sohn fragen. Er hat mittlerweile aufgehört zu singen und dreht sich mit besorgter Miene in seinem Kindersitz hin und her, um einen Blick auf das Auto hinter uns zu erhaschen.

Was soll ich ihm sagen? Dass die Person hinter uns schlechte Laune hat? Zeitdruck? Keine Manieren? Er würde es nicht verstehen. Und wenn ich ehrlich bin – ich verstehe es auch nicht. Denke sogar darüber nach anzuhalten, auszusteigen und diesen wütenden Mann in seinem Auto zu fragen, was in aller Welt ihn so aufgeregt hat. Ehrlich. Es interessiert mich.

Ist es wirklich wegen der Ampel? Wegen dieser zwei Sekunden?

Doch ich fahre weiter… meine Gedanken gehen auf Wanderschaft. Hin zu dem älteren Herrn im Supermarkt gestern, der die Kassiererin wegen einer Kleinigkeit zur Schnecke gemacht hat. Zu der Frau in dem Café letztens, die ihrer Meinung nach zu langsam bedient wurde und sich deshalb lautstark beschwerte. Zu diesem Paar beim Grillen mit Freunden kürzlich, dessen negative Einstellung zu wirklich allen Themen mir den ganzen Abend über zu schaffen gemacht hatte…

Und ich frage mich, was los ist mit uns. Warum in aller Welt wir uns und unserem Leben sooft negativ begegnen. Fast schon aggressiv… Und wann genau wir vergessen haben, wie gut ein Lächeln tut. Ein liebes Wort. Eine freundliche Geste.

Montagmorgen. Ich bin auf dem Weg zum Kindergarten. Das Wetter ist mies, die To-do-Liste ewig lang… Und der Sohn auf dem Rücksitz verstummt.

Wie traurig mich das macht. Dass seine Leichtigkeit nun verflogen ist. Dass er sich Sorgen macht… Ich atme tief durch. Besinne mich auf das, was ich trotz oder vielleicht gerade wegen all der Negativität, die mich sooft umgibt, leben will. Weitergeben will… und höre mich dann sagen, dass der Mann hinter uns bestimmt ein neues Auto hat und neugierig war, wie die Hupe klingt – und sie deshalb einfach mal ausgiebig getestet hat 😉

Das schallende Lachen meines Sohnes dann – unbezahlbar!!

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