Drückende Hitze, Temperaturen weit über 30 Grad und das Gefühl, dass sich die Sonne direkt in die Haut brennt sobald man die Haustür verlassen hat – die vergangene Woche brachte uns Sommer-Wetter satt und wir haben uns nichts sehnlicher gewünscht als einen erfrischenden Regenguss, der endlich für Abkühlung sorgt. Nun ist er da, der Regen, der die Temperaturen wieder auf ein angenehmes Maß gesenkt hat. Doch auch das ist uns nicht recht.

Zu kalt, zu nass, zu ungemütlich – Regen ist für uns vor allem Eines: Der Inbegriff des schlechten Wetters, erst recht dann, wenn auch noch Wind dazukommt, der uns die Tropfen um die Ohren weht und neben durchnässten Hosen und schmutzigen Schuhen auch noch die Frisur zerstört.

Auch ich ärgere mich immer wieder über den Regen, laufe mit gesenktem Kopf unter meinem Schirm durch die Straßen und atme erleichtert auf, wenn ich endlich wieder ins Trockene komme. Doch das war nicht immer so. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich den Regen genauso bedingungslos geliebt wie die Sonne: als Kind.

Im Sand spielen, auf Bäume klettern oder auch einfach nur schaukeln war zwar nicht möglich, doch dafür gab es ganz andere Dinge, die man eben nur bei Regen machen konnte. In Pfützen springen zum Beispiel. Schon beim Anziehen war die Ungeduld schier unermesslich, bis die Regenjacke fest geschlossen war und die Kinderbeine in den bunten Gummistiefeln steckten. Im Eilschritt ging es die Treppe hinunter und kaum war die Haustür ins Schloss gefallen, setzte ich auch schon zum Sprung an. Dabei war es vollkommen egal wie groß oder klein die Pfütze war, sie waren alle mein.

Auch mit dem Fahrrad ließen sich wunderbar Fontänen erzeugen, es war ein berauschendes Gefühl, mit genügend Schwung mitten durch die Pfütze zu fahren und das Wasser spritzen zu sehen. Es artete oftmals regelrecht in Wettbewerbe aus, denn jeder meiner Freunde war natürlich der Meinung, der Beste zu sein, genauso wie ich.

Noch heute geht es mir manchmal so, wenn nach dem Regen das Wasser auf den Straßen steht, das innere Kind wieder in mir durchkommt und ich mit dem Auto mitten hinein presche in der Hoffnung, eine möglichst große Welle zu erzeugen. Es ist ein oftmals viel zu kurzer Ausflug in die eigene Kindheit, als Regen nichts mit schmutzigen Schuhen, nassen Kleidern und zerstörten Frisuren zu tun hatte. Als auch der Regen einfach etwas wunderbares war, das uns den Tag versüßte.

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, heißt es ja so schön und im Grunde ist es auch vollkommen richtig. Als Kinder haben wir den Regen geliebt, auch aus vermeintlich schlechtem Wetter ein Abenteuer gemacht, aus dem wir zwar oftmals pitschenass und voller Schlamm, aber doch unsagbar glücklich nach Hause gekommen sind.

Genau daran sollten wir uns erinnern, wenn wir uns das nächste Mal über den nassen, kalten und ungemütlichen Regen beschweren: Einfach in Regenjacke und Gummistiefel schlüpfen und mit freudiger Erwartung dem Abenteuer entgegentreten, das da auf uns wartet. Denn es liegt ja bekanntlich an uns, was wir aus dem „schlechten“ Wetter machen.

Über den Autor

Als Redakteurin in einem Technik-Verlag bin ich jeden Tag von den neuesten Elektronik-Spielzeugen umgeben. Um so wichtiger ist es daher für mich, auch mal abzuschalten, runter zu kommen und sich auf die Zeiten zu besinnen, als Fernseher, Facebook und Co. noch nicht den Alltag bestimmten. Dazu gehört für mich neben einem guten Buch auch der Wunsch, mich selbst zu entfalten, kreativ zu werden und mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. Denn es gibt viele Dinge, die wir zwar fertig im Laden kaufen können, die sich aber auch ganz leicht selbst herstellen lassen, ganz individuell und mit viel Spaß - und die einen der Natur wieder ein Stück näher bringen.

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