Sesam öffne Dich! Dieser magische Satz aus ‚Ali Baba und die vierzig Räuber‘ in ‚Tausendundeine Nacht‘ ist eine allseits bekannte und beliebte Redewendung. Wahrscheinlich kommt vielen dabei sofort die Episode in den Sinn, in der Ali Baba diese magischen Worte spricht und sich daraufhin das Felstor zur Höhle öffnet, in der die Räuber die Schätze verborgen halten. Warum aber Sesam öffne dich – Sesam ist doch eine Pflanze? Tatsächlich ist die Sesampflanze gemeint. Die Fruchtkapseln öffnen sich, sobald sie reif sind und geben dabei den Samen  – den Schatz – frei.

Sesam öffne Dich: Die Schatzsuche in dir selbst

In jedem von uns liegen Schätze verborgen, teils ungeahnt. Wenn uns daran liegt, Zugang zu bekommen, ist es nötig, gewohntes Terrain zu verlassen und uns auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise zu begeben. Es gilt das Bild, das wir von uns selbst in unserem Kopf haben, aufzulösen. Forscherdrang und Spürsinn sind gefragt, wenn wir uns zur Schatzsuche aufmachen. Auf dieser Reise in unser Inneres kommt mir das Gedicht Die Wünschelrute von Joseph von Eichendorff in den Sinn. Unserer Intuition folgend, mit der Wünschelrute in der Hand sorgsam schreitend, begegnen wir dem, was in uns schlummert:

„Schläft ein Lied in allen Dingen,

die da träumen fort und fort,

und die Welt hebt an zu singen,

triffst du nur das Zauberwort.“

Eine einzige Strophe – voll poetischer Weisheit. Sie besagt, unsere zum Leben erweckten Schätze werden nicht nur uns selbst singen lassen, nein, gleich die ganze Welt. Denn unsere Gaben und Begabungen sind nicht für uns allein bestimmt, sie schlummern als Geschenke für alle in uns.  So wie Samenkapseln sich zum Zeitpunkt der Reife öffnen, so werden sich unsere Gaben offenbaren, wenn wir bereit dafür sind. Diesen Zeitpunkt können wir weder vorhersagen, noch willentlich bestimmen. Das Zauberwort hält sich vor unserem Verstand verborgen.

Glaube und Vertrauen

Wenn wir es finden wollen, so brauchen wir vielmehr den Glauben und das Vertrauen, dass es zur rechten Zeit da sein wird. Durch liebevolle Fürsorge für uns selbst und Hin- und Zuwendung zu anderen, bereiten wie den Boden dafür.  So schaffen wir die Voraussetzungen, um uns gegenseitig füreinander zu öffnen – und zwar jeder so weit, wie es ihm in diesem Moment gerade möglich ist  – und die Welt, sie wird anheben zu singen. Was so einfach klingt, ist lebenslange, achtsamkeitsfordernde Aufgabe.

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