Hast du das  auch schon einmal erlebt? Man wacht vom Weckerklingeln auf, schaut an die Decke, lässt seinen Blick so langsam zum Fenster gleiten, sieht den grauen Himmel – und spürt ihn gleichermaßen tief in sich drin, irgendwie. Und sofort weiß man: das ist wieder einer dieser Tage, eher geborgt als geschenkt, ein Tag für den Blues. Lust am Leben? Eher geht so….

Einer der Tage, die es in der kalten Jahreszeit häufiger zu geben scheint und die man gefühlt um ein Mehrfaches öfter erlebt, wenn man allein ist. Dabei gibt es sehr oft gar keinen konkreten Anlass, gerade jetzt in Trauer zu verfallen. Auch wenn ein wenig Traurigkeit noch lange keine Depression ist – man fühlt sich, als hätte jemand einen kleinen, verborgenen Schalter umgelegt, als sei die Traurigkeit eher durch Biochemiker zu erklären, als aus dem eigenen Tagebuch.

Aber dennoch, zumeist gibt es vergangene Erlebnisse, gespeicherte Gefühle, die sich tief in unserem Unterbewusstsein zusammentun und uns ab und an mental ein wenig aus der Spur drängen. Wenn man einen Moment innehält und in sich hinein lauscht, spürt man diese Dinge: alte oder neue Verluste, den kalten Hauch der Vergänglichkeit, unerfüllte Sehnsüchte, nicht gesagte Worte, oder solche, die besser ungesagt geblieben wären…

Wo ist die Lust am Leben, wenn man sie braucht…

Am liebsten möchte man in solchen Momenten seine Augen wieder schließen und die Bettdecke bis über den Kopf ziehen. Aber der Wecker hatte seinen Grund, uns unerbittlich aus dem Schlaf zu nerven, und so überlassen wir es unserer Routine, die uns tagfertig macht und auf den Weg schickt. Allerdings suchen wir uns für die Straßenbahn eine andere Musik aus als sonst. Auch um uns herum scheint alles verändert – an den Bäumen bemerken wir heute eher die kahlen äste statt der kleinen grünen Knospen, das Händchen haltende Pärchen auf dem Platz gegenüber erzeugt heute statt eines wissenden Lächelns einen kleinen Stich, irgendwo zwischen Herz und Bauch.

Was jetzt? Sich angenehme Gedanken machen, oder einfach die Musik lauter drehen und tränenlos vor sich hin heulen? Oder sich dann auf Arbeit oder später zu Hause ein „Opfer“ zum Abreagieren suchen und sich abends einen „Taschentuch“-Film aus dem Schmacht-Regal holen? Oder sich einfach irgendwo verstecken, bis die Sonne wieder scheint? Zumeist passiert dann ein wenig von allem und irgendwie geht auch die Traurigkeit vorbei.

Unsere Seele wächst…

Das tut sie jedes Mal und eigentlich wissen wir es ja. Und wenn wir aus dem Fenster schauen, freuen wir uns wieder an den bunten Blumen auf der grünen Wiese oder am noch kühlen Wind, der uns ein Lächeln ins Gesicht bläst. Nur ganz winzig, im Mundwinkel zwischen den Lachgrübchen, ist eine kleine Spur Melancholie übrig geblieben. Zeugnis dafür, dass unsere Seele gerade wieder ein Stückchen größer geworden ist. Und wir wieder ein Stück unserer Lebenslust gefunden haben.

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für dich bereithält.

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