Fruchtig, süß und frisch – die Früchte aus der Oase haben nicht nur geschmacklich viel zu bieten, sondern sind auch eine Wohltat für die Sinne. Zudem sind Feigen und Datteln ungemein wandelbar.

Klein und äußerlich nicht besonders auffällig, aber trotzdem kaum zu widerstehen: Im Supermarkt werden die länglichen, reifen Datteln als getrocknete Früchte in den schönen kleinen Kartons angeboten. Getrocknet bestechen sie durch die Süße, die sich wunderbar mit Salzigem verträgt, die Saucen und Eintöpfen die richtige Note verleiht und die auch einfach nur pur genossen das Gemüt erhellen.

Feigen wiederum verführen auch durch ihre Gestalt – so sinnlich und farbig ist kaum eine Frucht. Reich an Vitaminen und (zumindest frisch) auch für kalorienbewusste geeignet, sind Feigen ein wahres Wunder.

Früchte des Orients

Getrocknet sind sie ein Kraftpaket, frisch ein sommerlich leichter Genuss: Feigen sind immer eine tolle Ergänzung und Abwechslung auf dem Speiseplan. Mit durchschnittlich nur 65 Kilokalorien (kcal) pro Frucht fallen sie im frischen Zustand kaum mehr als ein Apfel ins Gewicht. Dafür sind die enthaltenen Vitamine in den getrockneten Feigen konzentrierter: Vitamin A, Biotin, Folsäure, Phosphor und Eisen zählen neben Magnesium zu den wertvollen Inhaltsstoffen der kleinen runden Früchte.

Seit Jahrhunderten werden sie im gesamten Vorderasien angebaut, ihre ursprüngliche Herkunft liegt jedoch in Syrien und Palästina. Heute finden sich die Feigenbäume im gesamten Mittelmeerraum von der Türkei bis Spanien und Portugal. Die weltweit größten Produzenten sind derzeit Ägypten und die Türkei. Die Bedeutung der Früchte geht aber viel weiter in den Orient – und in die Geschichte.

Symbolträchtiges Sinnbild

Die Feige ist der erste Obstbaum, der in der Bibel erwähnt wird, an vielen Stellen taucht sie bereits im Alten Testament auf. Die Feige steht hier als Symbol für ein gutes Leben: Unter einem Feigenbaum wohnen oder von einem Feigenbaum essen bedeutet so viel wie ein friedliches Dasein genießen. Viele gehen auch davon aus, dass die Feige die verbotene Frucht im Garten Eden war, nicht der Apfel.

In manchen anderen Religionen und Kulturkreisen ist die Feige ebenfalls ein symbolträchtiges Sinnbild: Buddha fand unter einem Feigenbaum in der Meditation die Erleuchtung.Ob in der Odyssee, bei Plato oder anderen griechischen Schriften und Dichtern – die Feige wird immer wieder als geradezu lebensnotwendig beschrieben. Mit den Griechen kam der Feigenbaum dann auch zu den Römern. Schon in der Gründungssage von Romulus und Remus spielt er eine Rolle: Die Wölfin säugte die späteren Gründungsväter der Stadt unter einem Feigenbau.

Die sinnlichste Frucht

Die Herzform der Feigen trug dazu bei, dass sie als ein Aphrodisiakum angesehen und zur Luststeigerung eingesetzt wurde. Und noch heute gilt sie als eine der sinnlichsten Früchte. Am besten sonnengewärmt, frisch und reif in voller Süße vom Baum genascht, ist sie ein Genuss. Leise knirschend breitet sich der runde Geschmack im Mund aus. Selten ist eine einzelne Feige genug.

Die Nummer eins

Die Dattel gilt als die wichtigste und weitverbreitetste Frucht im gesamten arabischen Raum. Ursprünglich aus Mesopotamien stammend, kommt sie – wie die Feige – heute im gesamten Mittelmeerraum und zusätzlich auf der arabischen Halbinsel vor. Botanisch gehört sie zu den Palmengewächsen. Die Dattelpalme kann bis zu zwanzig Meter hoch werden, ihre Blätter bis zu fünf Meter lang. Ziemlich anspruchslos wächst sie in Wüstengebieten, wo sie viel Sonne bekommt, jedoch im Sommer auch viel Wasser benötigt. Schatten hingegen verträgt sie kaum.

Süß und gesund

Unglaublich süß und nahrhaft waren sie seit jeher die ideale Wegzehrung der Nomaden. Aber nicht nur energiereich, auch gesund und reich an wertvollen Stoffen sind die Früchte der Dattelpalmen. Kalium, Kalzium und Magnesium zählen neben Folsäure zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Dattel, was auch im Nahen Osten sehr geschätzt wurde und wird.

Daneben enthalten Datteln viele B-Vitamine sowie das wichtige Eisen und Zink. Und auch wenn sie zu 60 bis 70 Prozent aus Zucker bestehen, sind Datteln dennoch die bessere Wahl: Glucose und Fructose lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen als herkömmliche Süßigkeiten. Datteln sind viel gesünder und durch die wertvollen Inhaltsstoffe sind sie deutlich leichter verdaulich. Nicht umsonst sind sie fixer Bestandteil der Tafel beim traditionellen Fastenbrechen in der muslimischen Welt.

Symbolträchtige Blätter

Als glorreiches Zeichen des Sieges galten die charakteristischen Blätter der Dattelpalme sowohl in der griechischen wie auch in der römischen Antike. Im arabischen Raum erzählt die Geschichte von der Erschaffung der Welt auch von der Dattelpalme: Allah hatte nach der Erschaffung des Menschen noch ein wenig Lehm übrig. Er teilte den Lehm in zwei Klumpen, aus dem einen erschuf er das Kamel, aus dem anderen die Dattelpalme.

Auch in der Kunst und in der Architektur finden wir die Dattelpalme wieder. Stilisierte Blätter der Pflanze, auch Palmetten genannt, waren von der Antike bis in die Gegenwart ein beliebtes Motiv sowohl in der religiösen als auch in der weltlichen Kunst. Im alten Äpypten waren zum Beispiel Säulen den Palmen nachgebildet. In der römischen Kultur fand sich das Palmblatt nicht nur als Zeichen des Sieges, sondern stand auch für Freude. Als Auferstehungssymbol fand es Eingang in die christliche Symbolik. Noch heute feiern wir den Palmsonntag vor Ostern. Im Judentum wird der Palmwedel mit der Unabhängigkeit Israels assoziiert.

Üppige Früchte

Die schwere Süße der Datteln, das weiche Fruchtfleisch und die glänzende Haut machen die Früchte zu einem sinnlichen Geschmackserlebnis. Bei uns werden sie vor allem als gesunde Süße beigemengt, zum Beispiel zu Müslis oder in Kuchen. Aber sie können mehr: Ein Klassiker unter den Rezepten sind in gebratenen Speck gewickelte Datteln, die als Snack immer eine willkommene Abwechslung sind. Weitere pikante Ideen reichen von Hühnerfleischbällchen mit Datteln und exotischen Gewürzen bis zu mit Gorgonzola gefüllten Datteln zu Orangencarpaccio. Mitgekocht in Eintöpfen sorgen sie für die richtige Süße, gefüllt mit Marzipan oder Käse begleiten sie Aperitif oder Digestif.

Über tausend verschiedene Sorten von Datteln gibt es, einige wenige werden angebaut und verzehrt. Sie haben exotisch klingende Namen wie Ghars, Degla Beydha, Deglat Talmiin oder Tazerzayet. Die sogenannte Daglat-Nour (was übersetzt Dattel des Lichts bedeutet) gilt als die beste Sorte der Welt. Sie ist reif von hellbrauner Farbe und schmeckt leicht nach Honig – und macht süchtig. Nicht umsonst wird die Dattel auch als das Brot der Wüste bezeichnet, was ihre Bedeutung in den Wüstenländern deutlich macht. Auch durch die Besonderheit ihres Wachsens ist sie ein großer Schatz in ihren Herkunftsländern: Dattelpalmen benötigen 80 Jahre, bis sie das erste Mal Früchte tragen.

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

Weiterlesen:

Die Wüste – Ein Ort, um etwas über dein Leben zu lernen
Der Kaktus: Ein verkanntes Genie auf der Fensterbank
Honig: Helfer für Körper und Geist