Es ist Advent. Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Viele Menschen hetzen sich ab auf der Suche nach dem einen Geschenk, das noch fehlt. Die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt ist dabei wenig weihnachtlich: Es wird geschubst und gedrängelt, Roter Glühwein landet gerne mal neben dem Puderzuckerflecken auf deiner Jacke und der ungeduldige Bratwurstverkäufer winkt dich an seiner Theke unfreundlich weiter mit den Worten: “Nicht gucken. Kaufen, junger Mann.”. Es ist der vierte Advent und die Nerven der konsumfreudigen Menschen liegen blank auf den viel zu schmalen Durchgängen zwischen den Weihnachtsbuden. In diesem Trubel um die so unwichtigen Dinge des Lebens habe ich meine ganz persönliche Advent – Geschichte über den Mut erlebt, über das, was wirklich wichtig ist. Meine kleine Weihnachtsgeschichte mitten im Advent…

Auf dem Weihnachtsmarkt

Irgendwie hat sich meine Woche schon ziemlich weihnachtlich angefühlt. Ich habe eine Gans gekauft, mit meiner Familie einen Baum ausgesucht, wir haben Plätzchen gebacken und ich war sogar mal auf dem Weihnachtsmarkt – obwohl das ganz sicher nicht zu den für mich typischen weihnachtlichen Muss-Erlebnissen gehört. Zu viele Menschen, zu viel Glühwein, zu viel – zu viel von allem irgendwie. Eigentlich nicht mein Ding. 

Eigentlich…

Doch dieses Mal hatte ich auf dem Weihnachtsmarkt eines dieser Erlebnisse, an das ich noch lange denken werde. Du musst dazu wissen, dass ich einer dieser „Lieber Meer statt Berge“ – Menschen bin. Letztes Jahr wollte ich z.B. meine erste Hüttentour in den Alpen machen. Gemeinsam mit zwei wunderbaren Menschen (erfahrene Bergwanderer) haben wir eine Tour geplant: für Anfänger, immer mit der Option aussteigen zu können. Ich habe die Ausrüstung zusammengestellt, die Zugtickets und die Hütten gebucht. Ich war gut vorbereitet. Doch schon zwei Wochen vorher spielte mein Körper verrückt und letztlich sagte mir zwei Tage vor Reiseantritt mein Magen sehr deutlich, dass ich wohl besser zu Hause bleiben soll. 

Meine Advent – Geschichte

Wo du das jetzt von mir weißt, kannst du dir vielleicht vorstellen, was in meinem Kopf ablief, als meine Kinder zu mir sagten, sie wollen auf dem Weihnachtsmarkt RIESENRAD mit mir fahren. So richtig, mit Gondel und hoch über Leipzig – wirklich hoch! Ich kramte schon Tage vorher in meinen Erinnerungen. Das letzte Mal Riesenrad war schon eine kleine Ewigkeit her. Es war Kleinmesse in Leipzig, ein Tag voller Sonnenschein und unbeschwerter Leichtigkeit. Ich war selber noch Kind und ich kann mich daran erinnern, es tatsächlich genossen zu haben. Ich weiß nicht, was in der Zwischenzeit mit meinem Bezug zu Höhe passiert ist – jedenfalls bereitete mir die Aussicht auf dieses Weihnachtsmarkterlebnis in äußerst luftiger Position reichlich Kopfschmerzen. Also klammerte ich mich in der letzten Woche an diesen Gedanken: 

“Du hast es damals genossen. Du hast es genossen. Ich habe es genossen.”

Samstag war es dann soweit. Gleich am Anfang wollten wir zum Riesenrad. So ging ich mehr mit hängenden Schultern als in freudiger Erwartung zu dem Fahrgeschäft meines noch nicht vorhandenen Vertrauens. Ein riesiges Riesenrad, schmuddeliges Regenwetter und ein leichtes Ziehen in der Magengegend waren somit die Zutaten meiner Mutprobe, die sich nun nicht mehr aufschieben ließ.

„Das Leben hat für jeden ein ganz persönliches Riesenrad. Und das Leben weiß, das die Fahrt gut wird.“

Stefan Goedecke

Ich habe es dann wie beim Schlucken einer bitteren Medizin gemacht: „Weg damit und nicht drüber nachdenken“. Also – Tickets gekauft, gleich vorne hingestellt und auf das Einsteigen gewartet. Meine Familie hat sich gefreut. Vorfreude auf ein tolles Erlebnis eben. Ich war eher der „Geht so – Typ”. Dann ging alles sehr schnell. Zu fünft rein in die Gondel und schon ging es langsam nach oben. Hoch! Verdammt hoch. Hooooch! OK, es sind gerade mal 35 Meter, aber mir haben am Anfang schon die ersten 3 Meter gereicht. Wir waren im übrigen die ersten, die in die Gondel einstiegen. Gott sei Dank war es eine „Gondel mit Außenverkleidung – es regnete ja, wofür ich in dem Augenblick sehr, sehr dankbar war.

Was ist wirklich wichtig?

Es ging also häppchenweise nach oben, bis wir schließlich am Scheitelpunkt des Riesenrades in der Luft standen um zu warten, bis die letzten Gondeln ihre Passagiere aufnahmen. Während meine Kinder das weihnachtliche Treiben auf Leipzigs Augustusplatz von oben entdeckten und mit einem „Schau mal” oder einem  „Oh“ und „Ah“ quittierten, hielt ich mich krampfhaft an der Tragsäule in der Mitte fest und brachte nicht viel mehr als ein Nicken und ein gepresstes „Halt dich fest“ (oder meinte ich ich vielleicht „Halt mich fest“?) heraus. Ich prüfte aus den mir möglichen Blickwinkeln die Vernietungen der Gondel und mir gingen spannende Fragen wie „Wann war die letzte TÜV-Prüfung des Riesenrades“ durch den Kopf.

Ansonsten hielt ich den Blick starr auf das Völkerschlachtdenkmal im Süden (für mich geradeaus) gerichtet – ein Fixpunkt. Nur wenige Grad weiter nach Nordwesten taucht das Riesenrad nämlich abwärts ins nirgendwo – ohne einen befestigten Punkt am Horizont. Ich sage euch, die erste Runde war die Hölle.

Angekommen im Advent

5 Runden ist das Riesenrad dann gefahren; für jede Runde hatte ich im Voraus einen Euro bezahlt. Von den ersten zwei Runden weiß ich nicht mehr sehr viel. Nach der dritten Runde habe ich dann sogar mal einen Blick auf das gegenüberliegende Kroch-Hochhaus gewagt, das mir mit seinen über 3 Meter hohen Glockenmännern, zur Zeit ihrer Erbauung das weltweit größte Turmschlagwerk, seltsam nah erschien. Das dort angeschlagene Motto „Arbeit überwindet alles“ formte sich in mir als Zerrbild meiner oft ähnlichen und ziemlich kruden Einstellung zu meiner Arbeit. Aus heutiger Sicht war das aber wohl der Moment, an dem mein Gehirn wieder an etwas anderes als das bloße Überleben denken konnte. Ich muss nur noch einmal genauer darüber nachdenken, warum gerade in dem Moment diese Arbeitssache vor mir auftaucht… Aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Weihnachtsmarkt Leipzig
Stefan | Auszeit.bio Hier erlebte ich meine Advent – Geschichte…

In der vierten Runde habe ich jedenfalls auch mal einen Blick über den Rand nach unten riskiert. Es war tatsächlich schön, dem Alltag in der Höhe entfliehen zu können, ein Stück alleine sein inmitten des ganzen Weihnachts-Konsum-Wahnsinns auf dem Markt weit unter mir. In der letzten Runde lockerte ich sogar ein wenig den Griff um die Tragsäule und ein klitzekleines Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. 

„Ich sitze tatsächlich hier und fahre Riesenrad“. 

Boah, ich war und bin mächtig stolz auf mich. OK, ich habe kein “Juhu” von ganz oben gerufen, so wie meine Kinder und mir beim Aussteigen auch nicht „Noch einmal“ gewünscht. Aber dennoch: Da oben war es schön. So ein wenig dem Trubel entrückt, mit dem großen Blick auf kleinen Probleme „da unten“, auf dem größten Leipziger Platz. Herrlich. Ganz anders als “da unten”. Nach der fünften Runde gab es übriges für alle eine große Tüte „Kräppelchen“ zur Belohnung – ein süßes Hefegebäck, das ich jedem empfehle, der den Leipziger Weihnachtsmarkt besucht. Aber holt euch nur das neben dem historische Etagenkarussel. Das ist das beste!

Was bleibt?

Es gibt leider kein Foto „von da oben“ – ich hatte ja keine Hand frei. Aber ich nehme das Gefühl mit, etwas geschafft zu haben, das mir vorher einen gehörigen Respekt eingeflößt hat, vor dem ich ehrlich gesagt auch Angst hatte – ein wenig so wie bei einer Mathe-Arbeit früher, nur viel krasser. Dieser neue Blick auf sich selbst lohnt sich, es lohnt die Mühe, die man dafür auf sich nimmt. Eine Herausforderung geschafft zu haben, mit Mut, ein wenig Zufall und der nötigen Willenskraft – egal wie groß oder klein sie in den Augen anderer Menschen erscheinen mag – macht unser Herz frei und unsere Gedanken weit. Ich bin echt stolz auf mich. Und ich freue mich auch, meinen Kindern diesen Wunsch erfüllt zu haben. Und ganz nebenbei ihnen und mir selbst gezeigt zu haben, dass man mit ein wenig Mut und Hilfe alles, wirklich alles, schaffen kann. Es war ein schöner Tag auf dem Weihnachtsmarkt.

Ob ich es nochmal machen würde? Ich weiß es nicht. Ich habe da oben halt wieder gemerkt, dass ich irgendwie der „Meer-statt-Berge-Typ“ bin. Aber nun einer, der auch mal an der Küste auf einen Berg steigen kann und dem ein wenig Höhe und ein anderer Blickwinkel auf das Leben gut tut. Insofern – Ich denke schon. Und wenn es nicht das Riesenrad ist, findet sich ganz sicher noch die ein oder andere Herausforderung in meinem Leben, die auf einen Perspektivwechsel wartet. Wie diese kleine Adventsgeschichte über den Mut.

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