Ein Hund in der Waschmaschine, ein Elefant im Koffer und ein Teddy im Bett: Wie halten Sie es eigentlich mit Kuscheltieren aus Ihrer Kindheit? Haben Sie sie gut versteckt oder halten Sie sie auch heute noch ab und an im Arm?

Eine bekannte Partnerbörse stellte vor einigen Jahren an ihre Nutzer die Frage, wie man eigentlich darauf reagiere, wenn der Partner ein Kuscheltier besitzt. Durchaus beruhigend, dass die Hälfte es eher niedlich fand, während nur 20 % es für peinlich hielten. Gerade die Männer sind da etwas „toleranter“, wenn sie bei ihren Freundinnen auf kuschelige Konkurrenz treffen. Für viele Männer hört der Spaß aber spätestens dann auf, wenn der Kerl aus Stoff im gemeinsamen Bett einen prominenten Platz bekommt. Oder man auf der Heimfahrt aus dem Urlaub umkehren muss, da der Lieblingskumpel von Frau oder Freundin im Hotel vergessen wurde.

Aber es gibt auch Männer, in deren Wohnung – und das nicht nur in irgendeiner Kiste – man auf einige Exemplare dieser anhänglichen Spezies trifft. Da hat sich das Kind im Manne dann quasi vergegenständlicht und guckt einen mit stummen, niedlichen Knopfaugen ganz lieb von der Bettdecke an. Aber ist das alles wirklich nur ein Stück übrig gebliebener Kindheit?

Übergang mit Ohren

Unter Psychologen ist unbestritten, dass vor allem im frühen Kindesalter die Kuscheltiere, und oft dabei ein einzelnes, besonders erwähltes, eine große Rolle spielen. Das kleine Kind nutzt das Kuscheltier, um sich quasi das erste Mal ein wenig von den Eltern zu emanzipieren. Der neue Freund spendet Trost, falls Mama und Papa mal Ärger machen oder nicht da sind. Nach und nach wird die Welt dann spielerisch entdeckt, wobei auch das Kuscheltier wichtig bleibt. Nicht zuletzt als „Sparringspartner“ für das Nachspielen selbst erlebter Momente. Und es empfiehlt sich, ruhig mal genauer hinzuhören, wenn ein dreijähriges Mädchen seine Plüschmaus verbal in die Schranken weist, mit Worten, die einem irgendwie bekannt vorkommen.

Mit der Zeit kommen weitere Plüschkameraden dazu. Nicht alle finden ihren Platz unter der Bettdecke, aber für eine Rolle in nachgespielten Geschichten reicht es allemal. Irgendwann kommt dann der Moment, in dem die Eltern ganz vorsichtig in das Geschehen eingreifen. Die inzwischen abgenutzten Kuscheltiere werden repariert, gewaschen oder (oft heimlich) nach und nach aus dem Blickfeld gerückt. Oder sogar ganz entsorgt. Spätestens Letzteres führt nicht selten zu dramatischen Szenen. Ich selbst kann mich noch daran erinnern, wie ich mit meinen Geschwistern den Beutel mit den entsorgten „Opfern“ wieder vom Sperrmüllhaufen zurück geholt habe. Und Argumente wie „Der hat doch schon kein Fell mehr!“ haben bei uns überhaupt nicht gezogen, ganz im Gegenteil.

Es ist also kein Wunder, dass für viele Erwachsene genau diese Kuscheltiere eine sehr enge, sehr persönliche Brücke zu den Erinnerungen an die eigene Kindheit bilden. Aber das ist offensichtlich nicht der einzige Grund, aus dem wir auch Jahrzehnte später noch Wert auf unsere kuscheligen Begleiter legen. Und das sind nicht nur die Originale aus unserer Kindheit, die rein altersmäßig ja auch schon mindestens in jede Ü-30-Party reinkommen würden. Es gibt auch immer mal wieder niedlichen Nachwuchs …

Ein Quantum Trost

Als ich einmal mit meiner späteren Freundin eine lange Flugreise antrat, zu der wir keine nebeneinander liegenden Sitzplätze bekommen hatten, habe ich sie mit einem kleinen Geschenk überrascht. Im Transitraum habe ich ihr einen kleinen kuscheligen Handpuppen-Stoffhund geschenkt, der ihr so ein bisschen die Flugangst nehmen sollte. Von diesem Tage an waren der Hund Picasso und sein bei mir wohnendes Gegenstück, der Bär Tschaikowski, quasi Teil der Familie und Mittelpunkt all unserer Fotosessions.

Sie teilten unsere albernsten Spinnereien genauso wie die romantischsten Momente, letztere natürlich immer ein wenig aus dem Hintergrund, wie es sich gehört. Auch dramatische Augenblicke gab es: Eines Tages rief mich meine Freundin völlig aufgelöst an. Der kleine Stoffhund war aus Versehen in die Wäsche geraten und machte jetzt ein 40-Grad-Rotationsprogramm in der Waschmaschine mit. Als wäre er lebendig, hatte er sich an das Bullauge gedrängt, alle viere von sich gestreckt und drehte sich mit der Waschtrommel wie beim Astronautentraining. Meiner Freundin tat er wahnsinnig leid und sie zählte förmlich die Minuten, bis sie ihn erlösen konnte.

Was hier klingt, als hätte jeder Psychater seinen Spaß an uns gehabt, war für uns eine völlig normale Sache. Wir standen mit beiden Beinen im Leben, aber fanden, das taten Picasso und Tschaikowski auch, auf ihre ganz eigene Weise.

Zu viel Kuscheln?

Wann aber sind Grenzen überschritten, die Mann oder Frau eher nicht überschreiten sollten? Ich persönlich denke, die Grenzen sind weiter, als sie manch naserümpfender Zeitgenosse wohl ziehen würde. Gerade in den privatesten Momenten tut es vielen einfach gut, mangels Alternativen ein Kuscheltier im Arm zu haben, anstatt eine gewisse Leere um sich herum nun gar nicht mehr ausfüllen zu können.

Auch als Talisman, Bewahrer von Erinnerungen oder einfach nur als Wohlfühllieferant für traurige Momente sind die Begleiter mit den Knopfaugen mit Erfolg im Einsatz. Bedenklich wird es, wie bei vielen anderen Sachen aber auch, wenn hier eine solche Fixierung auf die Kuscheltiere praktiziert wird, dass sie zur Manie wird. Eine Manie, die dazu führt, sich selbst weiter zu verschließen, sich zurückzuziehen und aus den Augen zu verlieren, dass jeder Ersatz eben nur ein Ersatz ist. Auch hier kommt es also auf die Dosis an, und die kann durchaus recht hoch sein.

Übrigens fällen gerade Psychologen ein eher positives Urteil über die erwachsenen Kuscheltier-Eltern. Unter anderem sei es bei vielen ein Zeichen dafür, dass sie sich – vielleicht weil sie zu schnell erwachsen wurden oder werden mussten – ein hohes Maß an Sensibilität bewahrt haben. Andererseits werfen wir ohnehin grundlos viele Einstellungen und Gefühle über Bord, wenn wir unsere Kindheit hinter uns lassen. In diesem Sinne, machen Sie es wie ich: Wenn es sich ergibt (und grad keiner zuschaut), zwinkere ich meinen Kuschelkumpels allmorgendlich zu und begrüße sie mit einem kurzen „Moin!“. Klar, das könnte ich mit meiner Kaffeemaschine auch machen. Aber die zwinkert ja leider nicht zurück …

 

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

 

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