Ich möchte ab sofort Stress vermeiden, Stress, den ich mir oft selber mache. Bin ich gezwungen zu Nahrungsmitteln zu greifen, deren Zutatenliste mich an die Substanzen eines chemischen Labors erinnern? Greife ich zu einem neu angepriesenen Superfood, mit dem bereits die Inkas Kraft für kriegerische Auseinandersetzungen sammelten? Laufe ich dem nächsten Diät-Trend hinterher, der sich bullett-proof nennt und in Wahrheit nichts anderes ist als eine ketogene Ernährungsform? Sozialer Druck, die vermeintlichen Erwartungen anderer setzen uns unter Stress, der vermeidbar ist. Wir zeigen Dir, wie…

Muss ich annehmen, was diese Gesellschaft mir zur Verfügung stellt oder darf ich mich entscheiden?

Selten waren wir so informiert und noch seltener so hilflos hin und hergerissen in der eigenen Entscheidungsfindung. Ein Überangebot an Informationen und Waren verhindert die Reduktion auf Wesentliches. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der nicht nur Waren, sondern auch Gefühle und Menschen konsumiert werden. Beziehungen funktionieren – bereits dieser Begriff zeigt eine von Emotion entfremdete Zweckmäßigkeit einer Partnerschaft. Wen wundert da, dass der Zugang zum eigenen Körper verlorengegangen ist, jedes Gleichgewicht ad absurdum geführt wird?

Zu viel an allem –  Stress vermeiden

Im Internet werden von Nutzern Fragen um Fragen gestellt, die mit einem Hauch von Nachdenken leicht zu beantworten wären. Von aus dem Boden schießenden Ratschlägen zum Thema Abnehmen, über Weissagungen von sagenhaften Wirkungen einer neuen Nahrungsergänzung, über Tipps wie der Ex garantiert zurückerobert werden kann, werden wir mit Flachschüssen aus dem Netz überrollt. Information war gestern, heute halten wir uns an immer wieder abgekupferte und umgeschriebene Banalitäten einer zu einem Großteil von Laien entworfenen Lügenpresse.

In diesem Umfeld darf der Verlust zum Selbst durchaus abhanden kommen, denn wahr ist nicht, was ist, sondern, was leuchtend zu Wahrheit erhoben wird. Wir müssen wieder lernen uns zu fühlen, in uns zu sein, Missstände in Körper und Geist zu spüren und sie eigenständig zu beheben. Denn dazu sind wir in der Lage, auch dann, wenn unzählige Berater uns weismachen möchten, dass nur sie uns aus der Dunkelheit ins Licht führen.

Achtsam sein heißt Stress abbauen

Achtsam zu sein bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, bewusst zu leben, im Jetzt zu bleiben anstatt in Zukunft oder Vergangenheit zu flüchten. Achtsam sein heißt, eigene Empfindungen zuzulassen, sein eigener Herr zu sein oder zu werden, sich selbst und den eigenen Eingebungen wieder zu vertrauen.

Wir haben verlernt, uns zuzulassen. Auch ich bin mir verloren gegangen, weil ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe. Ich habe Jobs gemacht, die weit davon entfernt waren, in Zusammenhang mit mir und meinen wirklichen Fähigkeiten zu stehen. Ich war gut in allem, was ich tat, aber bei dem, was ich tat, habe ich mich von mir entfernt. Jetzt habe ich mir vorgenommen, diesen Stress zu vermeiden.

Jede wichtige Entscheidung im Leben sollte hinreichend überdacht werden, bevor sie getroffen wird. Nichts nimmt die Psyche übler als Entscheidungen, die der eigenen Überzeugung widersprechen. Ich glaube, dass die meisten körperlichen Erkrankungen eine physische Disposition haben, die durch psychische Unstimmigkeiten zum Ausbruch einer Krankheit führen.

All das scheinen wir nicht mehr zu verstehen. Wir stehen uns selbst ratlos gegenüber. Wir benötigen Hilfe, unterstützende Hände, die uns durch das Leben tragen. Und wir nennen uns frei. In Wirklichkeit sind wir freiwillige Gefangene in einer Welt, die aus Konsum besteht, dem wir uns mit Freude unterwerfen. Wir sind Gefangene unseres eigenen Glaubens, dass wir es alleine nicht schaffen können, dass wir nicht die geringste Ahnung davon haben, was uns gut tut. Wir brauchen dies, weil es gerade in ist, wir leben nach vorgegebenen Regeln. Das einzige, was uns wirklich schwer fällt, ist in uns hineinzuhören.

Eigenverantwortung übernehmen

Viele von uns haben es nicht gelernt, eigenverantwortlich zu leben. Da ist die Kindheit, die durch Psychologen aufgearbeitet werden muss. Da stehen Medikamente parat, die das Problem einer Erkrankung schon irgendwie beseitigen werden. Wir brauchen Geburtsvorbereitungsseminare, um zu wissen, wie der natürlichste Prozess des Lebens abläuft. Wir fragen hier nach und dort, weil uns die eigene Intuition abhanden gekommen ist. Wir wollen verstehen, ohne es zu versuchen.

Mir ging es nicht anders. Die Erkrankung zog mich in ihren Bann. Ich wollte unbedingt eine Lösung für mein Problem. Irgendetwas musste es geben, das mir den Weg zurück zur Gesundheit ermöglichte. Jahrelang war ich besessen von der Idee, dass allein die richtige Ernährung der Weg war. Ich verzichtete auf alles und wurde immer dünner.

Noch heute bin ich überzeugt davon, dass eine nährstoffreiche Ernährung generell wichtig ist, das gilt allerdings nicht nur für einen kranken Körper. Aber etwas habe ich absolut bei meinen Heilungsversuchen übersehen: die Macht der Gedanken. Ich kannte die Wahrheit. Ich wusste, was richtig ist. Ich handelte entgegen meinem Wissen – sehr lange Zeit. Meine Achtsamkeit war längst völlig aufgelöst.

Es ist leichter sich an dem zu orientieren, was einem vorgesetzt wird. Es ist angenehmer, die Schuld für das, was passiert anderen in die Schuhe zu schieben.

  • Warum esse ich weiter, obwohl ich längst satt bin?
  • Warum kaufe ich ein Auto, obwohl ich es mir nicht leisten kann?
  • Warum streite ich mit meinem Partner über Belanglosigkeiten?

Die Antwort ist simpel: weil wir es können oder ermöglichen. Was kann ich dafür, dass so leckere Sachen in den Regalen stehen? Was kann ich dafür, dass es so tolle Autos auf dem Markt gibt? Was kann ich für meine eigene Unzufriedenheit, die ich an meinem Partner auslasse? Was kann ich dafür, dass ich nie Ruhe in mir hatte?

Wir können kurzfristige Entscheidungen treffen, die langfristige Auswirkungen haben und die Auswirkungen sind manchmal fatal. Stress, körperliche und seelische Symptome. Wir können alles, was wir wissen, über Bord schmeißen, weil wir es nicht wissen wollen. Unnötiges Essen führt zu Übergewicht. Ein Auto mit hohen Kosten belastet. Eine Partnerschaft, die Beschuss unterliegt, löst sich vermutlich auf. Ein Körper unter Dauerstress bricht irgendwann zusammen. Und dieses Wissen haben wir nicht? Ist es wirklich nicht vorhanden?

Aber wir wollen jetzt lernen, achtsam zu werden. Wir melden uns zum nächsten Seminar an und machen unsere Übungen. Genauso gut können wir ein Meditationsseminar im Himalaya buchen und uns einreden, dass ab jetzt alles anders wird.

Achtsamkeit beginnt bei dir selbst. In diesem Augenblick. So kannst Du stress vermeiden. Das ist der Weg zu dir – zu deiner Freiheit. Es ist die eigene innere Balance, die wir anstreben sollten.

So sehr ich Freud mag, nach diesem Zitat leben viele Menschen und mir ging es nicht anders. Ich nenne es die Achterbahn des Lebens:

„Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur als episodisches Phänomen möglich.“

Ist Glück wirklich nur ein als Phänomen? Ja und nein. Wer auf dem immer gleichen Energielevel lebt, nimmt keine Unterschiede mehr wahr. Wirkliche Glückszustände können so nicht mehr erlebt werden, da jede Form der Unterscheidung fehlt. Glück ist allerdings ein Zustand, der auch in Ruhe erlebt werden kann. Ein Leben in einer zufriedenen Balance ist ein glückliches Leben. Da darf es dann durchaus die ein oder andere Achterbahnfahrt geben – doch bitte nicht täglich.

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