Nur was ist denn optimal? Gibt es Kriterien, die für jede Beziehung gelten? Ich habe mal ein bisschen gegoogelt und fand Begrifflichkeiten wie:

  • gemeinsames Lachen
  • sich mit dem Partner besser fühlen
  • faires Streiten

Aufzählungen in der Art habe ich mehrfach gefunden und ich muss zugeben, generell mag das stimmen. Es klingt allerdings aus meiner Sicht sehr oberflächlich und die Wichtigkeit von gemeinsamem Lachen möchte ich sogar bezweifeln. Es gibt sehr ernste und nachdenkliche Menschen, die wenig lachen und trotzdem gute Beziehungen führen können.

Gemeinsames Lachen lässt sich der Interaktion zuordnen, genauer einer Zuwendung. Denn es geht nicht ums Lachen. Ein Hobbyornithologe kann zum Beispiel in seinem Garten einen außergewöhnlichen Vogel sichten und seiner Frau diese Mitteilung machen. Die Frau hat jetzt zwei Möglichkeiten. Sie kocht weiter, sagt „ja, ja“ und denkt sich: „Der immer mit seinen Vögeln.“ Genauso ist es möglich, dass sie auf ihn eingeht, sogar dann, wenn die Vogelschau nicht unbedingt zu ihren Hobbys zählt. Sie geht zu ihrem Mann, lässt sich den Vogel zeigen und sagt etwas Nettes.

Es liegt wohl auf der Hand, welche Beziehung zu mehr Zufriedenheit führt. Es ist eben nicht entscheidend, gemeinsam Spaß zu haben, sondern Interesse zu zeigen an dem, was den Partner interessiert.  Interaktion gibt es in vielen Bereichen: Kuscheln, Filme ansehen, Freunde besuchen, essen gehen, Musik hören…und vieles mehr. Auch die Interaktion ist ein sehr weitläufiger Begriff – zugegeben. Den Begriff „faires Streiten“ ordne ich dem Oberbegriff Respekt unter. Unfaires Streiten belegt geradezu, dass Respekt dem Partner gegenüber nicht vorhanden ist. Wer andere nicht respektiert, hat bereits in der vorderen Front Probleme: dem Respekt mit sich selbst. Respekt wiederum ist ein Wort, das gerne an Gehorsam erinnert. Das allerdings ist damit nicht gemeint. Wir sind ja nicht beim Militär.

Ein weiteres wesentliches Merkmal ist meiner Meinung nach Wertschätzung. Wer möchte einen Partner haben, der nichts wertschätzen kann, der an allem und jedem nörgelt? Im Alltag passieren diese sichtbaren Ausrutscher zwischen Partnern sehr häufig. Den wenigsten ist aber klar, dass gerade das Faktoren sind, die Beziehungskiller darstellen, die gar nicht als gefährlich genug eingeschätzt werden können. Regelrechte Brandherde werden hier entzündet, die irgendwann ein Feuer ungeahnten Ausmaßes entwickeln.

Eine geringe Wertschätzung wirkt keinesfalls positiv. Ein Mensch, der nicht wertschätzt, wird sich selbst ebenfalls nicht mit Achtung begegnen. Güte ist ein weiteres Merkmal, das ich als Grundlage für eine Beziehung als wichtig einstufe. Seinen Partner zu sehen, der liebevoll mit Kindern spielt, völlig selbstverständlich einer alten Frau über die Straße hilft, der möglicherweise unhöflich behandelt wird und weiterhin freundlich bleibt, wird seinen Partner, sofern er aufmerksam ist, zu einem inneren Lächeln bringen.

Was erwarten wir denn?

Ist es ernsthaft wichtig, dass ich mich durch meinen Partner besser fühle? Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass es ohne Partner schlecht bei mir aussieht?

Müssen wir ständig lachen, um uns als etwas Gemeinsames zu erleben? Mit der Verkäuferin an der Kasse, der ich jede Woche begegne und mit der ich kleine Scherze austausche, lache ich immer. Haben wir deshalb eine gute Beziehung, sie und ich? Und falls ich beim nächsten Einkauf auf der Straße ebenfalls diesen außergewöhnlichen Vogel sehe und die Verkäuferin darauf hinweise: Wie wahrscheinlich ist es, ihr ehrliches Interesse zu erhalten?

Mich erschreckt sogar, dass solche Allgemeinplätze im Netz zu finden sind. Die Wahrheit habe ich allerdings auch nicht anzubieten. Ich weiß nur: Ich kann auch fair streiten, täglich acht Mal, wenn es darauf ankommt und ich bin sicher, mein Partner wird bereits nach Versuch drei an Tag eins erst einmal die Wohnung verlassen. Ist das dann ein Beweis für seine mangelnde Beziehungsfähigkeit? Wohl kaum.

Im ersten Semester meines Psychologiestudium, das ich nach dem 5. Semester abgebrochen habe, wurden wir in einer Vorlesung von unserem Professor gefragt, was für die Zufriedenheit einer Beziehung eher gilt:

Gleichheit oder Gegensätze

Die Auflösung war Gleichheit. Gegensätze sind nur dann relevant, wenn sie sich sinnvoll ergänzen. Ein Partner kauft gerne ein, der andere nicht. Das passt. Genauso passt es, wenn ein Partner etwas gerne macht, der andere zwar nicht vollkommen dahinter steht, aber auch nicht mit Ablehnung reagiert. Auch Kreativität im weitesten Sinn kann ich mir als Merkmal für eine gute Beziehung vorstellen. Kreativität ist ein Faktor, der zu neuen Lösungen führen kann. Mir ist keine einzige Studie bekannt, die eindeutige Aussagen darüber trifft, welche Faktoren die Glücksfaktoren für eine Beziehung darstellen. Mein Studium liegt allerdings auch mehr als 15 Jahre zurück.

Die Lösung wird uns leider nicht mal eben frei Haus angeboten, was nicht bedeutet, dass es diese nicht gibt. Uns bleibt vermutlich nicht mehr übrig als eigenständig nach dem Muster „Versuch und Irrtum“ zu agieren.

In der Psychologie geht es bei Auswertungen von erhobenen Daten um statistische Werte. Einer dieser Werte ist die Standard-Normalverteilung, die wie eine Glocke aussieht. Im mittleren Bereich wird die Großzahl einer Population abgebildet. Nach links und rechts verschoben, wird die Anzahl geringer. Im Schulbereich schreiben die meisten Schüler demnach eine Note im mittleren Wert, die Einserkandidaten dagegen sind seltener wie auch die Schüler, die eine 6 schreiben. Tatsächlich sollten hier die Ergebnisse von Klassenarbeiten einer Normalverteilung entsprechen. Zu viele Einsen lassen vermuten, dass die Arbeit zu leicht war, zu viele Sechser stehen für das Gegenteil.  Auch Beziehungsqualitäten lassen sich mit Hilfe der Normalverteilung erfassen. Es wird weniger Menschen geben, für die bei einer Beziehung absolute Sicherheit bis ins kleinste Detail erforderlich ist. Und auch die Freiheitskämpfer, die sich bei jeder Gelegenheit in ihrer Persönlichkeit gefährdet sehen, werden in der Minderheit sein.

Generell müssen Studien zu Ergebnissen führen, die dem Großteil einer Population entsprechen. 70 % (als Beispiel) erwarten von ihrem Partner, dass er ehrlich ist und treu. Für 15 % würde Untreue zu einem sofortigen Ende führen, die anderen 15 % legen auf Treue keinen Wert. Das ist ein sehr banales Beispiel, dass psychologische Studien nicht annähernd beleuchtet. Es macht lediglich deutlich, dass nicht jeder das Gleiche braucht.

Im Alltag bleibt uns vermutlich nichts anderes übrig, als uns klar zu machen, wie wir selber behandelt werden möchten. Ein Weg wird nie der richtige für alle sein.

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