Viele Menschen haben diesen Satz schon einmal gesagt: Ich fühle mich einsam. Dies auszusprechen erfordert Mut und ist der erste Schritt heraus aus den dunklen Gedanken. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es ungemein schwer ist, sich aus der Einsamkeit, die sich auch schnell zu einer Depression auswachsen kann, eigenständig zu befreien. Hol Dir Hilfe!

Es werde Licht

Das Gefühl der Einsamkeit ist derart überwältigend in einem negativen Sinn und vor allem ist es eben dieser Einflussgröße unterworfen, die auch kognitiv kaum zu bewältigen ist: der subjektiven Empfindung. Es reicht demnach nicht, sich im Fall des Falles klar zu machen, dass man so einsam gar nicht ist. Das Gefühl ist diesen Überlegungen gegenüber völlig taub und beharrt auf seiner eigene Wahrheit.

Demnach werden andere Strategien benötigt, um der Einsamkeit zu Leibe zu rücken. Dies gelingt – garantiert – niemals in zusammengesunkener Position auf dem Sofa. Ähnlich wie der Depression mit Aktion begegnet werden muss, ist es genauso erforderlich der Einsamkeit etwas gegenüberzustellen. Nur was?

Es kann sich auch hier nur um aktive Prozesse handeln und witzigerweise ist es vollkommen egal um welche. Ich persönlich habe meine negativen Gedanken weggesungen. Ich singe gerne, allerdings nur in gehobener Stimmung. Um jeden Anflug von unberechtigtem negativem Denken in die Flucht zu schlagen, habe ich mir angewöhnt auch innerlich dunkel gestimmt, so fröhlich es geht zu singen. Mit der Zeit wurden negative Gedanken tatsächlich immer seltener.

Ich fühle mich einsam – Die Macht der Gedanken

Stellen wir uns vor, dass unsere Gedanken wenig mehr sind als positive und negative Energien. Mit den positiven Gedanken stellen wir unser Licht an und beleuchten unser Leben. Die negativen Gedanken bewirken das Gegenteil. Sie werfen dunkle Schatten oder färben die Welt in Grautöne.

Licht oder Schatten – wer sich aus dem Gefühl der Einsamkeit befreien möchte, braucht das Licht. Das klingt ja alles viel zu simpel, darfst du einwenden. Und ich halte dagegen: Wie soll einer passiver Zustand durch passives Verhalten aufgelöst werden?

Ich habe letztens einen schönen Artikel über eine Männer-WG gelesen. Alle waren ab 55 Jahren aufwärts. Der Älteste hatte bereits die 60 Jahre deutlich überschritten. Was diese Herren auszeichnet, ist, dass sie aktiv etwas gegen ihre Einsamkeit unternommen haben, zumindest gegen die soziale. Alle schienen für sich erkannt zu haben, dass auch ein Leben ohne einen intimen Partner möglich ist. Die emotionale Einsamkeit hatte sich demnach durch Auflösung der sozialen Einsamkeit ebenfalls mehr oder weniger verabschiedet.

Dieses Beispiel macht hoffentlich deutlich: Passivität fördert Einsamkeit, Aktivität kann sie beseitigen. Dafür ist aber ein gedanklicher Wechsel erforderlich. Wer lebenslang in einer Partnerschaft gelebt hat, kann sich möglicherweise nicht vorstellen, plötzlich mit Menschen zu leben, zu denen keine intime Beziehung besteht.

Aber egal, ob eine WG für jemanden infrage kommt oder nicht: Grundsätzlich geht es darum, wenn ich mich mich einsam fühle, nur um eins. Was kann ich ändern? Was sollte ich ändern?

Erste Schritte

Die ersten Schritte sind immer die Schwierigsten, weil sich am Anfang nur wenig an Änderung bemerkbar macht und Du Dich weiter einsam fühlst. Das Strickwerk erhält aber auch erst nach vielen Maschen eine Form. Wichtig ist, offen zu sein oder zu werden, die eigenen Annahmen vom bevorstehenden Untergang über Bord zu werfen und einfach mal dem Leben zu vertrauen, das sich jederzeit ändern kann.

Zur Zeit meiner Trennung lebte ich in Bonn unter nicht gerade den besten Bedingungen. Heute lebe ich mit neuem Partner und meinen Kindern in Baden-Württemberg. Mein Leben hat sich signifikant geändert, weil ich bereit war mit Kindern, das Risiko eines Umzuges in Kauf zu nehmen, um einen neuen Job anzutreten. Meine Kinder waren damals nicht begeistert. Heute sind sie glücklich und studieren. Auch meinen Job habe ich aufgrund meiner Erkrankung nicht mehr. Dafür darf ich das tun, was ich immer wollte: schreiben.

Es gibt keine Garantien für ein dauerhaft schönes Leben. Das Leben liefert aber Möglichkeiten, sich immer wieder zu verändern. Für diese Veränderung ist es allerdings ebenfalls erforderlich, dass das eigene Denken sich verändert.

Auch in der größten Dunkelheit ist noch ein kleiner Funken Licht, der gesehen werden möchte. Einsamkeit ist und bleibt ein subjektives Empfinden und dieses Empfinden ist wandelbar, indem der Fokus auf das Positive gelenkt wird. Es ist einfach notwendig mit gewissen Tricks zu arbeiten, um den Weg von der Dunkelheit ins Licht zu finden. Sich abends die Frage zu stellen „Was war schön an diesem Tag?“, mag als besondere Herausforderung angesehen werden, wenn subjektiv betrachtet nichts schön war. Die Aufgabe lautet aber: Finde etwas, das schön war.

Was war schön an Deinem Tag?

Ich spiele dieses Spiel gerne mit meinem Sohn, der 18 Jahre alt ist, und 8567 Gründe hat, alles und jenes auf eine negative Art und Weise zu bemängeln. Und auch er sagt immer mal zu mir „Ich fühle mich einsam“. Ich gebe zu: Das ist übertrieben von mir dargestellt. Da es mir allerdings klar ist, dass eine häufig von Negativem beschwerte Einstellung nicht förderlich sein kann, versuche ich ihn immer wieder mal dazu anzuhalten, das Schöne zu sehen.

Der Witz an der Sache ist bei ihm außerdem, dass es ihm aus meiner Sicht ausgesprochen gut geht. Wir reden alle miteinander, es gibt weder Streit noch finanzielle Probleme und da, wo keine sind, sucht er sie geradezu.

Ich versuche bei meiner Betrachtung nicht außer Acht zu lassen, dass viele Jugendliche in der heutigen Zeit wenig Ansatzpunkte haben, um eine Revolution anzuzetteln. Das ist nicht unbedingt gut. Ein bisschen Widerstand gegen Meinungen und Ansichten der Eltern ist durchaus förderlich bei der Persönlichkeitsentwicklung. Wo aber sollen Jugendliche noch Widerstand leisten? Die Eltern hören zum Teil die gleiche Musik, sind vielleicht unkonventionell, ein bisschen verrückt. Ich habe häufiger festgestellt, dass meine Kinder konventioneller sind als ich. Auch das ist eine (gesunde) Art, auf ein „ich bin anders“ zu bestehen.

Du fühlst Dich einsam? Das kannst Du aktiv tun

Wie gesagt, gebe ich meinem Sohn manchmal die Aufgabe, sich zu überlegen, was heute schön war. Er lässt sich zwar nicht immer darauf ein, und das muss er auch nicht, aber eben manchmal und dann scheint für einen kurzen Moment die Sonne im Wohnzimmer, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits untergegangen ist.

Es gibt so Vieles, das in der Nachbetrachtung schön war:

  • Sein Motorrad lief störungsfrei.
  • Er hat eine unerwartet gute Note nach Hause gebracht.
  • Dieses Mädchen hat ihn eine Sekunde lang angelächelt. 

In der tiefsten Dunkelheit steckt irgendwo ein Funken Licht. Dieses Licht mag sehr gering sein, je häufiger kleine Lichtblicke erkannt werden, desto leichter wird es, Neue zu finden, auch ganz alleine mit sich selbst – denn die Anwesenheit anderer ist keine Garantie für ein leuchtendes Leben. Manchmal tut es Dir ja auch einfach gut, allein zu sein. 

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