Wenn die Tage kühler werden, fliegen unsere Gedanken unweigerlich an einen bestimmten Punkt: Heißer Glühwein, würzige Lebkuchen, süße Früchte und ein saftiger Weihnachtsbraten. Winterzeit ist Schlemmerzeit.

Üppige Dekorationen, strahlende Kerzen, ein Duft nach Schokolade und weihnachtlichen Gewürzen in frostiger Luft – das ganze Land kommt peu à peu in festliche Stimmung: Wenn die Adventskalender ein Türchen nach dem anderen ihre bunten Geheimnisse preisgeben, freuen sich die Kinder – und die Erwachsenen genießen die warme, gemütliche Atmosphäre.

Dazu gehören unbedingt heißer Glühwein und Punsch zu frischen Lebkuchen, Zimtsternen, Pfeffernüssen und Christstollen. Man erinnert sich nicht selten wieder an die gute alte Feuerzangenbowle und ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt darf selbstverständlich auch nicht fehlen: In der Weihnachtszeit werden alle Jahre wieder lieb gewordene Traditionen gepflegt. Und kulinarische Rituale stehen dabei besonders hoch im Kurs.

Allerlei Gebäck

Der Stollen ist dabei ein echter Klassiker. Er wurde erstmals 1329 als Weihnachtsgebäck der Naumburger Bäckerinnung urkundlich erwähnt worden und es gibt ihn in verschiedenen Variationen etwa als Klöben in Norddeutschland oder als Striezel in Schlesien. Am berühmtesten ist der Dresdner Stollen. Er bekam von Sachsen aus im Lauf der Jahrhunderte immer größere Reputation – letztendlich setzt „Das neue Küchenlexikon“ den berühmten „Dresdner Stollen“ ganz allgemein als Synonym für den Christstollen ein. Allen Varianten gemein ist die ursprüngliche Bedeutung: Der Stollen gilt als christliches Ursymbol und soll die Wiege mit dem Christkind verkörpern.

Zum Weihnachtsgebäck zählen natürlich auch Früchtebrot, Plätzchen und Kekse, die in vielen Familien vor Weihnachten mit äußerster Hingabe gebacken werden: Da wird Mürbeteig ausgerollt, es werden Vanillekipferl, Bethmännchen, Zimtsterne und Kokosmakronen geformt oder Spritzgebäcke sowie Spekulatius und Springerle ausgemodelt, was das Zeug hält. Krönender Anschluss eines turbulenten vorweihnachtlichen Backtages ist dann stets das Verkosten der gemeinschaftlich kreierten Leckereien.

Auf dem Weihnachtsmarkt

Nicht nur Zuhause locken zahlreiche Leckerbissen, sondern auch bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt gibt es viel zu verkosten. Bratäpfel sind zum Beispiel urtypisch in der Weihnachtszeit: Gefüllt mit Zucker, Zimt, Nüssen und Gewürzen eignen sich säuerliche Apfelsorten wie Cox Orange oder Boskop dafür besonders gut. Um Äpfel zu kandieren, werden sie mit Zuckersirup oder Schokolade überzogen – so sind sie gerade bei Kindern besonders beliebt.

Zu den süßen Weihnachtsmarktspezialitäten gehören zweifellos auch gebrannte Mandeln und Mutzen: Zum Brennen werden rohe Mandeln mit Zucker karamellisiert und so warm zur hinreißenden Versuchung. Mutzen stammen ursprünglich aus dem Rheinland und sind um Weihnachten und Silvester besonders beliebt. Mit „süßem Schnee“ dick bestreut haben sie sich aus dem Niederrheinischen und der Eifel mittlerweile über ganz Deutschland ausgebreitet. Im Osten Deutschlands gibt es Krapfen, die auch Mutzen genannt werden, sich allerdings von dem originalen Siedegebäck unterscheiden.

Die ganzen zuckrigen Sachen sind zwar hinreißend lecker, aber nicht so gesund wie Maronen. Die gerösteten Esskastanien sind reich an Spurenelementen und Ballaststoffen und sind mittlerweile auf allen deutschen Weihnachtsmärkten zu bekommen.

Lángos kommt aus dem Ungarischen und heißt „Flamme“: Als Snack wird der frittierte Hefeteigfladen herzhaft und süß angeboten, in Österreich gibt es Bauernlangos mit Käse und Schinken oder Debrecziner Langos, eine mit Hefeteig überbackene Debrecziner Wurst.

Diese Auswahl köstlicher Weihnachtsmarktgenüsse ist natürlich unvollständig. Es gibt Feuerspatzen und Feuerwurst, Schokofrüchte, Crêpes und Lebkuchen in unzähligen Variationen. Aber auch spezielle Getränke ziehen den Weihnachtsmarktbesucher magisch an.

Punsch und Glühwein

Glühwein ist wohl der Renner auf den weihnachtlichen Märkten. Das heiße Getränk wird an kalten Tagen zu einer Art Starthilfe auf der Basis von Rotwein, der mit weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt, Nelken und Koriander versetzt wird und im Verlauf seiner Zubereitung gerade eben sieden darf. Ein gehöriger Schuss Rum erhöht die wärmende Wirkung direkt nochmal.

Englische Seeleute brachten schon im 16. Jahrhundert den Punsch als Heißgetränk mit von ihren Indienreisen. Hinduistisch steht „panch“ für „fünf“ – und so soll er auch aus fünf Zutaten bestehen: Wein, Wasser, Zitronensaft, Früchte und Gewürze. Über die Jahrhunderte gesellten sich noch Arrak, Zucker, Tee, Limonade oder Pomeranzensaft zum Wasser und so entwickelte sich der Punsch zu einem Cocktail, der gern auch flambiert wird.

Ähnlich ist es mit der Feuerzangenbowle: Die gezuckerte, hochalkoholisierte und heiße Rotweinbowle ist ein Fröhlichkeitsbeschleuniger, der besonders im Winter beliebt ist. Dabei ruht ein Zuckerhut waagerecht auf einer Zuckerzange über einem Bowlegefäß. Der Zuckerhut wird gründlich mit hochprozentigem Rum getränkt, damit der Zucker schön lodernd abbrennt und in den Rotwein unterhalb abtropft. Die Ursprünge der stimmungsvollen Feuerzangenbowle liegen in der Zeit des Biedermeier zwischen 1815 und 1848. So hat sie etwas sehr Nostalgisches, weshalb Heinz Rühmann im Geiste immer mittrinkt, weil sein Film über eine Wette bis heute unvergessen bleibt.

Rund um die Welt

Egal, ob ein würziger und gehaltvoller Fleischeintopf, Truthahnbraten mit jeder Menge Beilagen oder Meeresfrüchte vom Grill – das Weihnachtsfest ist nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern auch die Zeit des großen Schlemmens.

Auf den Philippinen grillt man Spanferkel und im warmen Australien Hühnchen, Steaks und Meeresfrüchte. Wie ein riesiges Bankett zelebrieren die Brasilianer ihre Ceia de Natal und auf Madagaskar gibt es Akoho Misy Sakamalao, Huhn gekocht mit Ingwer und Knoblauch. Ähnlich ist es in Japan. Dort ist Weihnachten allerdings kein Feiertag gewidmet und so besuchen viele Japaner die Fastfood-Kette KFC – der Ertrag einer groß angelegten Werbekampagne des Geflügelbraters. Anschließend beschenken sich die Japaner übrigens dann doch.

Schweden mit einem üppigen Smörgåsbord, Norwegen mit verschiedenen Julkaka und Island mit Braten vom geräucherten Lamm oder Schneehuhn – die Skandinavier feiern das Weihnachtsfest besonders romantisch und intensiv. Sehr scharf sind Fleisch und das Gemüse in Äthiopien und im Libanon, während sich das Weihnachtsdinner im Vereinigten Königreich very british traditionell um einen üppigen Truthahnbraten dreht.

In Deutschland genießt man eher den traditionellen Gänsebraten, wobei auch der auf englischen Festtagstraditionen beruht. So berichtet eine alte Erzählung vom Heiligen Abend des Jahres 1588, wo der damaligen Königin eine knusprige Gans serviert wurde, als die Nachricht vom Sieg der Engländer über Spaniens Armada eintraf. Deshalb gilt eine schöne Gans bis heute als charakteristischer Festtagsbraten, mit dem bis heute Dankbarkeit und Glück verbunden werden.

Festliche Tradition

Hierzulande gilt der schön geschmückte Tannenbaum neben den traditionellen Krippen als das beliebteste Weihnachtssymbol schlechthin. Dabei gibt die ersten Berichte darüber aus der lettischen Stadt Riga. Dort hatten sich im Jahr 1514 die Mitglieder der ehrbaren Gilde unverheirateter Kaufleute auf dem städtischen Marktplatz versammelt. Nach feuchtfröhlichem Umtrunk brachten sie zwei mit künstlichen Rosen geschmückte Tannenbäume mit, umtanzten sie und verbrannten sie letztendlich.

Schließlich gilt das Elsass als eigentliches Ursprungsland unseres Weihnachtsbaums, hatten doch die Bürger dort schon alten Berichten zufolge im Jahr 1605 geschmückte Bäumchen in ihren Stuben aufgestellt. Dann sollten weitere zwei Jahrhunderte vergehen, bis der erste festlich geschmückte Nürnberger Christkindlbaum erwähnt wurde und der Baum auch bei uns Einzug hielt. So gehören das Fest, der Christbaum und kulinarische Genüsse untrennbar zusammen.

Dieser Artikel stammt aus dem AUSZEIT-Magazin, das noch viele weitere tolle Themen für Euch bereithält.

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