Fünf Jahre Krankheit benötigen doch sicher auch fünf Jahre an Heilung, vorausgesetzt, dass diese Heilung überhaupt möglich ist? Oder? Das menschliche Denken ist so programmiert. Auch meines. Wie soll das da gehen, mit dem Selbstvertrauen stärken? Oder wurde es von jedem Einzelnen selbst so programmiert? Die Logik sagt: Etwas, das bereits ewig besteht, kann nicht einfach so weggehen. Zeit also, sein Selbstvertrauen  zu stärken.

Ich glaube in diesem speziellen Fall gibt es keine Wahrheit. Jeder Mensch bekommt das, woran er glaubt. Da viele an positive Entwicklungen entweder nicht glauben wollen oder nicht glauben können, treten auch keine vermeintlichen Wunder ein.

Aber wie ist das mit der Energie? Wenn ein Damm bricht, geschieht das nicht von jetzt auf gleich. Anfangs ist nur wenig Energie in Form von Wasser vorhanden. Die Wassermenge steigt, die Energie nimmt zu. Der Damm bricht. Wie wäre es, wenn Entwicklungen im menschlichen Körper ein ähnliches Energielevel besitzen? Wie wäre es, wenn – einmal angestoßen – eine Energie freigesetzt wird, die sich immer weiter verstärkt?

Unser Gehirn ist wunderbar zum Denken geeignet. Leider gibt es aber auch viele Denkblockaden, die dein Selbstvertrauen stärken oder sogar mögliche Wunder verhindern. Wir unterliegen nicht selten der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Mit dem Schlimmsten gerechnet, tritt das Schlimmste auch ein – wie erwartet.

Könnte es in diesem Zusammenhang nicht die richtige Strategie sein, nur Gutes zu erwarten und das Leben generell positiv zu betrachten?

Wenn das so einfach wäre. Unser Unterbewusstsein sammelt jede gemachte Erfahrung und sollte eine Erfahrung negativ gewesen sein, wird sie mit einem Warnschild versehen abgespeichert. Ab da werden wir von unserem inneren Kritiker, sprich unserem Unterbewusstsein, immer wieder daran erinnert, dass wir dies oder das besser nicht tun. Im schlimmsten Fall werden wir sogar von der eigenen Stimme in uns beschimpft, dass wir nicht in der Lage dazu sind, den neuen Job anzunehmen oder eine Partnerschaft einzugehen. Was nutzt da noch die Achtsamkeit?

Selbstvertrauen stärken als Voraussetzung für Achtsamkeit

Achtsam zu sein ist nur möglich, wenn Dein Selbstwertgefühl ausreichend entwickelt ist. Ein Mensch, der sich und andere nicht achtet, kann nicht achtsam sein. Achtsamkeit hat eine Vorbedingung: Selbstbewusstsein. Ein stabiles, starkes Selbstvertrauen ist wiederum nur möglich, wenn bei dem Individuum die Bewertung der Selbstbetrachtung von eigenen Fähigkeiten positiv ausfällt.

Achtsamkeit ist somit ein Konzept, das nicht von jedem umgesetzt werden kann – auf jeden Fall nicht sofort. Der benötigte Selbstwert ist ein sehr heikles Thema. Normalerweise entwickelt er sich im Verlauf der Kindheit in einer liebevollen, schützenden und fördernden Umgebung eigenständig. Wird er nicht entwickelt oder sogar untergraben, klafft in der Persönlichkeit des Menschen unter Umständen lebenslang eine offene Wunde, die schmerzt. Das Selbstvertrauen stärken ist dann besonders wichtig – aber auch besonders schwer.

Selbstwertgefühl lässt sich auch bei einem erwachsenen Menschen noch aufbauen. Im Gegensatz zum erlernten Nebenbei in der Kindheit, ist beim Erwachsenen ein bewusster Aufbau des Selbstwertes erforderlich. Das ist so ähnlich als würde man von Kindesbeinen an seine Muttersprache lernen oder später in der Schule mühsam Vokabeln und Grammatik einer zu erlernenden Sprache pauken, um sie zu beherrschen.

Selbstvertrauen beginnt mit einer geschätzten Kindheit

Wer sein Kind demnach bei der Entwicklung des Selbstwertes nicht unterstützt oder sogar behindert, handelt grob fahrlässig und weist einen Menschen in die Dunkelheit einer wackelnden Persönlichkeit. Wir sind leider umgeben von einigen Menschen, die sich wenig Gedanken über die stabile Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder machen. Das ist aus meiner Sicht ein Drama. Psychische Schädigungen werden im Gegensatz zu physischen Schädigungen weiterhin gerne unterschätzt.

Aber wie soll man achtsam werden, ohne die Liebe zu sich selbst zu spüren? Wie soll man achtsam werden, wenn psychische Taubheit bereits eine physische Taubheit nach sich gezogen hat? Man begreife die Psyche. Sie ist bodenlos eigenwillig in ihren Verwicklungen. Dein Gedächtnis ist phänomenal. Es vergisst nichts.

Menschen, die schweres seelisches oder körperliches Leid erfahren haben, benötigen nicht selten eine Traumatherapie, um sich wieder fühlen zu können. Manche Dinge brauchen in ihrer Entwicklung viel Zeit.

Auch ich habe Jahrzehnte benötigt, um zu verstehen, dass mein vermeintlicher Selbstwert nur eine schützende Mauer aus auferlegtem Stolz war, eine Mauer, die aus bröckelnden Steinen zusammengeschustert wurde und die bereits bei kleinen Windböen in erhebliche Schwankungen geriet und drohte auseinanderzubrechen. Mein Selbstvertrauen stärken fiel mir nicht leicht.

Selbstvertrauen stärken braucht Zeit und Geduld

Heute ist mein Selbstwert hergestellt, stabil und konstant, und ich kann mir achtsam begegnen, weil ich durch viele Verluste in den letzten Jahren und einem mühsamen Wiederaufbau meines Ichs neue Prioritäten habe. Ich weiß meinen bereits halbwegs geretteten Körper durchaus zu schätzen, muss nicht mehr an jeder Ecke Gebrauchsspuren bemängeln, mich an unwesentlichen Kleinigkeiten, die nach Renovierung schreien, festklammern. Ich freue mich, wenn ich morgens aufwache und meinen Körper fühle, nicht mehr taub und verhärtet von den Zehen bis zu den Haarspitzen. Achtsamkeit lernt sich so leicht, nachdem alles verloren scheint. Aber ist es nicht schöner, sie zu lernen, bevor der Totalstreik von Körper und Seele zum Stromausfall führen?

Alles braucht seine Zeit und manches gelingt schneller als erwartet. Wir sind auf Wahrnehmung programmiert und es braucht oft wenig Übung, um die Basis für ein neues Verhalten zu erlernen. Aus meiner Sicht ist nicht der Zeitfaktor entscheidend, sondern die Kontinuität. Bereits nach wenigen Tagen kann eine erste Gewohnheit einsetzen, wenn ein neues Verhalten in eine Routine übergeleitet wird. 

Achtsamkeitsübungen als tägliches Ritual helfen

Tägliche Wahrnehmungsübungen können sich bereits nach sehr kurzer Zeit positiv auswirken, allerdings nur dann, wenn krasse Rückschritte vermieden werden. Wenn ich bereit bin, meine Welt neu zu erleben, ist diese Einstellung nicht nur auf ein paar Minuten Übung beschränkt. Sie muss tiefer gehen und sich immer stärker im Alltag etablieren. Dazu gehört eine Bewusstseinsänderung. Mit dieser Veränderung des Denkens kommen sehr schnell auch die Erfolge. Und das ist überall so.

Wer einmal die Woche Sport treibt und sein sportliches Denken auf einmal die Woche beschränkt, wird nicht wirklich sportlich leben. Seine Ernährungsgewohnheiten ändern sich möglicherweise nicht. Er nimmt weiterhin den Fahrstuhl anstatt Treppen zu steigen. Damit hat sich eine Haltung nicht wirklich geändert und die Ergebnisse der sportlichen Aktivitäten benötigen viel Zeit, um sichtbar zu werden. Tritt allerdings eine bewusste Haltung gegenüber sportlichen Aktivitäten ein, werden zahlreiche Lebensbereiche von der neuen Haltung beeinflusst. Der Zeitfaktor spielt eine immer geringere Rolle, denn es kann sich etwas ändern, weil sich etwas ändert. Das ist die Herstellung einer Balance.

Ich achte mich…

Ich achte mich, hat eine tiefe Bedeutung: Ich verspreche mir nichts, was ich nicht halte. Mit Respekt vor mir selbst, treffe ich Entscheidungen. Und bin ich nicht in der Lage, eine Entscheidung, die ich treffen möchte, aktuell umzusetzen, ist es besser, sie zu verschieben. Sich selber Dinge zu versprechen, die nicht eingehalten werden, wirkt schnell selbstwertschädigend, vor allem dann, wenn es die Regel ist. Innere Balance und ein starkes Selbstvertrauen ist so nicht möglich. Sei ehrlich zu Dir selbst…

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