Es war einmal ein Berg. Er war groß und stark, stolz und wunderschön. Er erhob sich majestätisch über einem Tal und jeden Tag versank sogar die Sonne hinter seinem mächtigen Rücken. Der Berg nannte mindestens vier scharfkantige Felsen, zwei tiefe Schluchten, 100 Bergziegen und unzählige Bäume und Sträucher sein eigen. Außerdem regierte er über ein kleines Bächlein, dem er gestattete, durch sein zauberhaftes Reich zu fließen.

Eines Tages hatte er Streit mit dem Bergbach. „Ich mag es, wenn Du mich sanft kitzelst, bleib bei mir!“, meinte der Berg zum Bach. „Ich streichle zart über Dich und spende Dir Kühlung, aber Du musst mich auch gehen lassen.“ erwiderte der. Seine Majestät der Berg jedoch wollte davon nichts wissen und verbot dem Bach zu fließen. Auf sein Geheiß hin staute sich das gemütliche Bächlein hinter einer großen Mauer aus Geröll und Holz auf.

Nach einer Weile fragte der Bach den Berg, ob er wieder zu Tale fließen dürfe. Der Berg verneinte. Er genoss den stetigen Sonnenschein im ehehamaligen Bett des Baches, räkelte und streckte sich vor den anderen Bergen. Immer, wenn ihm der Sinn nach Abkühlung stand, badete er in dem großen See, der der Bach jetzt war. Seine neuen Bewohner die Fische zupften sanft an seinem Grund. So gingen die Tage ins Land. Nach einem weiterem Jahr rüttelte der Bach an seinen Mauern und sprach zum Berg: „Mein lieber Berg, ich bin jetzt ein Fluss und muss fließen. Dazu wurde ich geboren, ich möchte andere Berge kennen lernen und nehme auch immer gerne ein Teil von Dir mit. Folge mir, ich zeige Dir die Welt!“ Doch der Berg war stolz auf seinen See, er füllte mittlerweile seine beiden tiefen Schluchten und reichte fast bis an seine Kuppe. Kein anderer Berg hatte so einen See, nein dieser See gehörte nur ihm, er sollte bei ihm bleiben und mit ihm der kleine Bergbach, den er kannte.

So ging wieder ein Jahr ins Land. Die Ziegen verließen den Berg, die Bäume und Sträucher wuchsen nur noch spärlich auf den letzten Metern des Berges, die der See noch nicht bedeckte. Heftig riss der Strom an seinen Mauern. Er zwängte sich in jede Lücke und versuchte der Umarmung des Berges zu entkommen. „Ich kann Dich nicht mehr halten“, sagte da der Berg zum Strom. „Du drückst zu sehr auf mein Gestein und tust mir weh“. „Lass mich los“, meinte der gewaltige Strom zum Berglein, „ich werde Dir immer verbunden bleiben, das verspreche ich Dir. Ich zeige Dir Gebirge, Täler und weite Ebenen“.

„Ich will aber nicht, dass du gehst“, sagte da der kleine Berg und bäumte seine harten Steinarme ein letztes Mal auf, aber der Strom schwoll an und das Wasser brach sich seinen Weg. Es floss über seine Mauern und riss auch noch die letzte Schönheit des Berges mit sich davon. Leise wimmerte nun der von Wasser bedeckte Berg: „Lass mich stehen, lieber Strom, ich will auch alle Schleusen öffnen.“ Doch der Strom hörte ihn nicht mehr, er war nun allein auf dem Weg zu neuen Ufern.

Über den Autor

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Ich heiße Stefan, bin 40 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Ich habe einen erfolgreichen Verlag, der sich mit Technik beschäftigt (www.av.de) und ich liebe mein Hamsterrad. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass es ab und zu mal gut ist, auf die Bremse zu treten. Manchmal auch ganz kräftig. Denn wenn ich das nicht selber mache, übernimmt das mein Körper für mich. Meist mit Erkältung oder Rückenschmerzen. Und das will ich nicht mehr. Meine regelmäßigen Auszeiten finde ich im Kampfsport, hier bin ich ganz bei mir und kann mit meinen Gedankenkreise brechen. Dabei hilft mir die körperliche Erschöpfung.

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