Spürst du das auch manchmal? Dieses komische Gefühl in dir, das du nicht genau zuordnen kannst. Irgendwie bist du unglücklich, unzufrieden, gereizt. Aber du weißt gar nicht so genau, wo dieses Gefühl herkommt. Du spürst nur, dass es da ist; irgendwo in dir.

Vielleicht kam dir schon mal die Idee, dass du dein Leben verändern müsstest, damit dieses Gefühl verschwindet. Aber wo sollst du anfangen, wenn du gar nicht so recht weißt, wo diese latente Unzufriedenheit her kommt? Manchmal paart sich diese latente Unzufriedenheit dann sogar noch mit einem schlechten Gewissen.

„Eigentlich geht es mir doch gut! Aber wieso bin ich irgendwie doch unglücklich? Weiß ich das, was ich habe, nicht zu schätzen?“

So kann es also passieren, dass wir uns zudem noch schuldig und undankbar fühlen. Das muss nicht sein. Heute schauen wir mal, wo dieses komische Gefühl eigentlich herkommen kann und was dir dagegen tun können.

Mögliche Gründe für latente Unzufriedenheit

Es kann verschiedene Gründe haben, warum wir immer irgendwie unglücklich sind. Vielleicht erkennst du dich in einem (oder mehreren) der folgenden Punkte wieder. Spür mal genau hin. Die dazugehörigen Fragen helfen dir dann dabei, die Verbindung zu dir und somit zu deinem Glück zu stärken.

1. Dir fehlen die Herausforderungen im Leben

Der Mensch braucht Herausforderungen, Erfolgserlebnisse und möchte immer wieder über sich hinaus wachsen. Wenn wir uns neuen Herausforderungen stellen, mutig sind und eigene innere Grenzen überwinden, dürfen wir unseren eigenen, hausgemachten Glückscocktail genießen. Stichwort: Dopamin, Endorphine, Opiate und Co. – die hausgemachten Glücklichmacher aus deinem Gehirn. Wenn es keine Herausforderungen in deinem Leben gibt, und du in der „Gemütlichkeitsfalle“ steckst, sieht es für deine Glückhormone sehr düster aus. Wir Menschen brauchen Herausforderungen und Abenteuer, damit wir uns lebendig fühlen können. Das macht uns glücklich. Wir sind mit einem unglaublichen Facettenreichtum an Gefühlen ausgestattet und diese wollen alle gefühlt werden. Wenn es zu wenige Herausforderungen in deinem Leben gibt, schau mal, woran das liegen kann.

  • Sabotierst du sie vielleicht selbst?
  • Gibt es Ängste in dir, die dich stets zurück halten?
  • Leidest du unter starken Selbstzweifeln, die dafür sorgen, dass du keine Herausforderungen an nimmst?

Gehe deinen inneren Saboteuren auf den Grund. Decke sie auf, bis sie glasklar vor dir liegen. Nur wenn du deine inneren Themen wirklich kennst, kannst du ganz bewusst einfach mal anders handeln, als üblicherweise. Für den Anfang reicht es ja, wenn du dir kleine Herausforderungen suchst; kleinen Aufgaben, die dich ein bisschen herausfordern. Und wenn das geschafft ist, schwupps: happy! Dann bist du bereit für den nächsten Schritt. Wenn dir Herausforderungen fehlen, suche dir welche und beobachte, welchen Einfluss das auf deine Unzufriedenheit hat.

2.Du steckst in einem Lebensmodell fest, welches nicht deines ist.

Oder anders ausgedrückt: Du steckst in der Anpassung fest. Du lebst ein Leben, in das du irgendwie „hinein geschlittert“ bist. Du lebst ein Leben, das den Erwartungen anderer entspricht. DAS MACHT DEFINITIV UNGLÜCKLICH. Stell dir doch einfach mal vor, wie du als sehr, sehr alter Mensch in deinem Schaukelstuhl sitzt und darüber nachdenkst, was du bereust nicht getan zu haben.

  • Welche Chancen und Möglichkeiten hast du nicht ergriffen, weil du Rücksicht auf Andere genommen hast.
  • Welche Projekte hast du nicht gestartet, weil du Angst hattest, dass deine Familie mit ihrer Voraussage, dass „das eh nichts wird“ recht behält.
  • Wann hast du deine Bedürfnisse hinten angestellt, weil du immer glaubtest, du würdest andere damit unglücklich machen?

Erkenne, dass du dein Leben viel zu oft danach ausgerichtet hast, was andere glauben und erwarten. Nehme wahr, dass du dein eigenes Unglück immer wieder in Kauf genommen hast, damit du Andere nicht enttäuschen musst. Wie fühlt sich das an, als sehr alter Mensch diese Erkenntnisse zu haben? Das Gute ist: das Blatt kann sich JETZT wenden. Stück für Stück. Und wenn du dann tatsächlich mal sehr, sehr alt bist, kannst du auf die Dinge schauen, die dich wirklich glücklich gemacht haben.

3. Du lebst ein Leben, in dem du deine Gaben, Stärken und Talente nichts zum Ausdruck bringen kannst.

 Du lebst ein Leben, das nicht deiner Seelenessenz entspricht. Auch das kann diese latente Unzufriedenheit hervorrufen. Jeder Mensch hat ganz viele Geschenke mit in dieses Leben gebracht. Und wir alle wissen, wie schön es ist, andere Menschen zu beschenken, wenn wir wirklich „etwas Tolles“ im Gepäck haben. Diese inneren Geschenke, die in uns schlummern, möchten in diesem Leben gerne zum Ausdruck gebracht werden. Als Kind haben wir das, was wir ausdrücken wollten, im Spiel gelebt. Wie oft bin ich in die Rolle einer Lehrerin geschlüpft und habe meine Schüler (die vor meinem inneren Auge sehr präsent waren), liebevoll unterrichtet. Ich war Radiomoderatorin und habe die Radiosendung angesagt (dafür auf dem Kassettenrekorder die Aufnahmetaste gedrückt und los ging es). Ich war Sekretärin und habe mit Vorliebe „Büro“ gespielt (obwohl ich da noch gar nicht schreiben und lesen konnte. Aber kritzeln und Punkte setzen, das ging.). Ich habe es schon als Kind geliebt, mir Wissen anzueignen, zu lernen, zu üben und besser zu werden. Und ich liebe das Lernen heute noch. Ich liebe es Menschen zu begleiten und ja, sogar Podcast-Episoden habe ich aufgenommen. Das, was ich früher schon abgöttisch geliebt habe, kann ich heute immer noch leben. Weil ich mir meinen Be-Ruf so eingerichtet habe, dass ich damit meine Berufung leben kann.

  • Wie ist das bei dir?
  • Was hast du als Kind geliebt?
  • Und was davon existiert heute noch in deinem Leben?

Hol dir zurück, was du schon immer geliebt hast und schaue, ob es dein Herz immer noch erfüllt. Und dann TUE es. Immer und immer wieder. 🙂

4. Du versucht, Teile von dir auszuklammern.

Du glaubst, dass du nur ein „entwickelter“ und „erwachter“ Mensch bist, wenn du stets positiv denkst und Meister darin bist, alles Negative und Schlechte auszublenden. Nichts gegen Optimismus. Nichts gegen bewusstes Denken. Aber wenn du dich z.B. darin übst, alle negativen Gefühle und alle augenscheinlich schlechten Eigenschaften auszublenden und loszuwerden, dann trennst du dir damit sinnbildlich gesprochen deine Arme und Beine ab. Dann bist du nicht mehr vollkommen, nicht mehr KOMPLETT. Wir alle wollen negative Gefühle loswerden. Traurigkeit, Scham, Wut, Enttäuschung, Eifersucht, Hass….. . Anstatt jedoch immer das Deckelchen drauf zu legen, dürfen wir hinschauen. Wir dürfen diese Gefühle auf den Tisch packen und betrachten; ihnen Raum geben, Raum kreieren und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Das mache ich auch in meinen Coachings. Und was glaubst du, was da mit den negativen Gefühlen passiert Sie fühlen sich ENDLICH gesehen, gewürdigt und erkannt. Und dann können sie sich wieder anderen Dingen zuwenden und hören auf, um deine Aufmerksamkeit zu buhlen. (Sie können sehr hartnäckig sein.)

  • Was gibt es in deinem Leben, das du loswerden willst (was aber immer wieder zurück kommt, egal, wie sehr du dich anstrengst)?

Packe genau das auf den Tisch. Gib diesem Gefühl, dieser Eigenschaft, diesem Erlebnis Raum in deinem Leben. Betrachte es. Nimm es vor deinem inneren Auge in die Hand. Fühle es. Ertaste es. Erkenne es. Und nimmt als das an, was es ist; ein Teil von dir. Du wirst sehen, dass du viel schneller und leichter zu innerem Frieden finden kannst, wenn du dich als vollkommenes Wesen annimmst und akzeptierst, so wie du bist. Und Vollkommenheit ist eben alles zusammen.

Unzufrieden? Deine Chance – dein Leben

Wenn du immer irgendwie unglücklich bist und nie so genau wusstest, wo dieses Gefühl her kommt, dann hast du jetzt vielleicht einen Punkt gefunden, wo du ansetzen kannst. Ich freue mich, wenn dieser Artikel dich ermutigt, mal genauer hinzuschauen,

  • ob du dein Leben lebst, oder eher ein Leben, das den Vorstellungen Anderer entspricht,
  • ob du deine Talente, Gaben und Stärken bereits lebst, oder ob du deine inneren Geschenke vielleicht sogar noch gar nicht entdeckt hast,
  • ob es genug Herausforderungen in deinem Leben gibt, die natürliche und glücklich machende Botenstoffe in deinem Gehirn freisetzen, oder ob du in der Gemütlichkeitsfalle festhängst,
  • ob du dich als vollkommenden Menschen akzeptieren kannst, so wie du bist, oder ob du immer noch versuchst, perfekt zu sein.

Deine latente Unzufriedenheit ist nicht, was es zu bekämpfen gilt. Vielmehr ist sie ein Wegweiser für dich, der dich dazu anhält, die Verbindung zu dir und deinen Leben zu stärken. Ich wünsche dir viel Freude auf deiner Entdeckungsreise. Und wenn du magst, lass mich doch in den Kommentaren wissen, ob dieser Artikel dir weiter geholfen hat. Herzlichen Dank.

Deine Sabine

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Sabine Bromkamp ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, psychologische Beraterin und Glücks-Coach für positive Lebensgestaltung. Sie arbeitet mit Frauen, die aktiv und bewusst ihr BESTES Leben gestalten möchten. Raus aus der Anpassung – rein ins Glück. Sabine verbindet Frauen wieder mit ihren eigenen Herzenswünschen und unterstützt sie dabei, das Leben zu kreieren, das wirklich zu ihnen passt. Sabine über sich: „Ich arbeite mit dem Herzen, mit dem Verstand, mit der Seele; mit allem, was ich habe und mit allem was du hast.“ Mehr von Sabine: Sabine Bromkamp

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6 Responses

  1. Barbara J. Schoenfeld

    Liebe Sabine,
    das ist vollkommen richtig, was du schreibst. Diese Unzufriedenheit hat mich immer wieder auf die Suche geschickt. Ich hatte oft gefühlt, ja das ist es…. doch es war nur eine notwendige Station in meinem Leben…. solange, bis mich die nächste Unzufriedenheit gepackt hat…. und ich wieder auf die Suche ging.
    Inzwischen glaube ich, dass diese Unzufriedenheit unser größtes Glück sein kann, wenn wir uns auf die Suche machen und uns damit dann weiter entwickeln.
    Andernfalls verbittern wir und sagen uns dann wirklich am Lebensende: Meine Güte, was habe ich alles verpasst….
    Herzliche Grüße
    Barbara

    • Sabine

      Liebe Barbara,

      das ist eine wirklich schöne Sichtweise, dass diese latente Unzufriedenheit eine große Chance sein kann. So können wir unsere Unglücklichsein zunächst erstmal liebevoll in den Arm nehmen und dann in Ruhe schauen, was daraus erwachsen mag. Sehr schön. ♥

      Danke dir.

      Sabine

  2. Matthias

    Klare, gute Punkte.

    Ist schon komisch. Anstatt unser Leben zu ändern, denken wir doch oft, wir seien „falsch“ und müssten nur besser, toller, disziplinierter, dankbarer, anspruchsloser sein.

    Dabei sind wir einfach nur im falschen Umfeld. Wie ein Pinguin in der Sahara. Klar kommt der nicht klar. Das liegt aber nicht an ihm, sondern daran, dass er sich nicht zum Meer auf macht.

    Grüße

    • Sabine

      Hallo Matthias,

      kennst du das Pinguin-Prinzip von Hirschhausen?
      Da ist genau das beschrieben, was du geschrieben hast.
      Schau mal bei youtube.
      Hirschhausen bringt es sehr eindrücklich rüber, wie wichtig die richtige Umgebung ist und wie sehr die eigenen Stärken genutzt werden sollten, anstatt sich stets nur zu vergleichen. Absolut sehenswert.

      LG, Sabine

  3. Benedikt

    Hallo Sabine,

    ein schöner Artikel, danke dafür! Für mich war besonders berührend, dass ich womöglich Teile von mir abspalte und verdränge. Wut, Ärger, Scham, Eifersucht, Neid…. Themen, die ich ungern bei mir sehe und schnell darin bin, sie beiseite zu reden….

    Es ist hingegen ein schönes Gefühl, auch liebevoll meine „dunklen“ Seiten anzunehmen und als Teil von mir zu sehen – so okay zu sein, auch mit ihnen – oder gerade deshalb….

    Liebe Grüße, Benedikt.

  4. Sabine Bromkamp

    Hallo Benedikt,

    meiner Erfahrung nach, kommt alles, was wir verdrängen, mit geballter Power zurück.

    Ich stelle mir das immer so vor: Gibt es ein Gefühl (oder ein Thema), das hoch kommt, kann ich es bearbeiten. Es kommt an die Oberfläche und ist bereit, nun angeschaut zu werden. Hier liegt eine große Chance der Transformation.
    Wenn ich es aber verdränge und weg schiebe, schiebe ich es wieder zurück IN MICH HINEIN. Es verschwindet dann vielleicht augenscheinlich, ist aber nicht weg, sondern wieder in mir verankert. Ich tue mir also selbst nichts Gutes, wenn ich etwas weg schiebe, denn ich Wirklichkeit belaste ich mich selbst damit.

    Außerdem hilft es mir, mir bewusst zu machen, dass wir in einer dualen Welt leben. Es gibt immer zwei Seiten. Somit gibt es auch immer alle Seiten in mir. Ich würde gegen ein Naturgesetz verstoßen, wenn ich mir nur gute Gefühle und Gedanken zugestehen würde. Das wäre ein Kampf gegen Windmühlen und sehr anstrengend.
    Viel leichter ist es, die „dunklen Seiten“ anzuerkennen und ganz bewusst zu sagen: „Ok, ich spüre jetzt gerade Eifersucht oder Neid, das ist ok. Jedoch lasse ich mich davon nicht leiten.“

    Du kannst etwas anerkennen in dir und gleichzeitig selbst entscheiden, welchen Gefühlen du folgst.

    LG, Sabine

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