Wer immer unter Einsamkeit leidet und all die Menschen beneidet, die sich in einer Partnerschaft befinden, darf sich gleichzeitig vor Augen halten: Partnerschaft kann sehr einsam sein.

Sich innerhalb einer Partnerschaft einsam zu fühlen, ist mit Sicherheit nicht weniger belastend als alleine einsam zu sein. Im schlimmsten Fall kommen noch Kinder dazu, die die Kälte in der Beziehung der Eltern erleben. Die Elternteile plagen unter Umständen Schuldgefühle, den Kindern kein angenehmeres Zuhause bieten zu können. Einsamkeit in einer Beziehung hat weitere Aspekte. Der Mensch zu dem keine warme Beziehung besteht, ist oft in der eigenen Nähe und trotzdem weit entfernt. Er schläft vermutlich im gleichen Bett. Intimität ist nicht vorhanden oder nur hin und wieder.

Irgendwann waren da mal Gefühle, die abhanden gekommen sind

Ist die Einsamkeit weniger von Gleichgültigkeit als von Sehnsucht nach der besseren Vergangenheit begleitet, treten auch noch Fragen auf, die den eigenen Selbstwert zum Kippen bringen. Warum hat sich die Beziehung derart verändert? Bin ich schuld an den Entwicklungen? Habe ich etwas übersehen? Erforderlich ist es in einer derartigen Beziehung (und generell bei Einsamkeit) die Liebe zu sich selbst zu stärken. Das Gefühl der Einsamkeit entwickelt sich von innen. Nur da kann es aufgelöst werden. Es ist wunderbar, sich in den liebenden Augen eines Partners zu sehen. Das bringt allerdings wenig, wenn es an Selbstliebe mangelt.

Um der inneren Einsamkeit entgegenzuwirken, muss das eigene Ich gestärkt werden. Ich stelle mir Fragen:

  • Wer bin ich?
  • Wer will ich sein?
  • Wo sind meine Ziele?
  • Verfolge ich sie oder habe ich sie längst aufgegeben?

Sich selbst zu verlieren, ist beim Gefühl einsam zu sein, keine große Kunst. In einer Partnerschaft wird man allerdings nicht nur mit seinen eigenen Empfindungen konfrontiert, sondern ebenfalls mit Rückmeldungen, direkt oder indirekt, des Partners. Diese Rückmeldungen können gleichgültige Blicke sein, Vorwürfe, Sticheleien, Ignoranz der eigenen Anwesenheit, Hass, Schweigen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und und in Stärke und Tempo variabel.

Anstatt sich die Frage zu stellen, wie die Partnerschaft möglicherweise zu retten ist, sollte man eher der Frage nachgehen, wie das eigene Leben wieder lebenswert gestaltet werden kann. Welche Bedürfnisse gibt es überhaupt?

Ich bin ein Mensch, der viel Nähe braucht, auf der anderen Seite aber auch gerne Distanz aufbaut. In meinen Schreibprozessen bin ich tief in mir und vertrage es nicht so gut, unnötig unterbrochen zu werden. Mein Partner ist ebenso ein Mensch, der intensive Nähe braucht, die allerdings eher beim Einschlafen. Was er überhaupt nicht mag, ist es zum Beispiel, wenn ich, während er am Computer arbeitet, hinter ihm stehe. Und obwohl ich weder neugierig bin, noch kontrollierend und obwohl ich außerdem ohne Brille kaum sehe, was er macht, fühlt er sich beobachtet. Gut, das könnte mich jetzt ebenfalls stören. Tut es aber nicht. Eine Beziehung ist für mich kein Besitzstand. Mein Partner ist frei und ich bin es auch. Nur unter dieser Prämisse ist es für uns möglich, freiwillig gemeinsam zu leben. Viele Beziehungen enden irgendwann oder führen in Einsamkeit, weil die Vorstellungen, wie eine Beziehung zu sein hat, völlig gegenläufig sind. Da will etwas zusammenpassen, das einfach nicht zusammenpasst. Anstatt sich das rechtzeitig klar zu machen, wird hier geglättet und da geschliffen, damit die Schwierigkeiten, die sich bereits abzeichnen, annähernd behoben scheinen.

Wie aber soll eine Beziehung glücklich verlaufen, wenn der eine völlig andere Erwartungen hat als der andere? Im besten Fall ist es möglich, sich zu einigen, damit der Verlust der Erwartungen zumindest gerecht geteilt wird. Im schlimmsten Fall nimmt die Beziehung Tag für Tag Abschied, während man hilflos zusieht. Nun ist natürlich die Frage erlaubt, wie diese Beziehung zu retten ist. Und die nächste Frage, die gestellt werden darf ist die, ob man das überhaupt möchte oder ob es überhaupt Anzeichen beim Partner gibt, dass er daran Interesse haben könnte.

Bei sich bleiben

Die beste Strategie ist tatsächlich die, bei sich selbst zu bleiben. Nach meiner sehr langen Krankheit, in der ich mich oft verloren habe, mag ich es jetzt wieder, mich zu schminken, bunte Kleider zu tragen und mir zu gefallen. Mein Partner fotografiert zwar und ihm fallen meine Veränderungen sicherlich auf, er sagt aber nichts, betrachtet nur manchmal meine fortgeschrittenen Schminkkünste, weil er selber ein Schminkprofi ist. Mit dem Lob hält er es ein bisschen wie die Schwaben – frei nach dem Motto: Nichts gesagt ist Lob genug. Das kann einem reichen, muss es aber nicht. Mir reicht es insofern, als dass ich selber Freude daran habe, mich farbenfroh zu sehen. In erster Linie mache ich es für mich.

Wir sind beide Menschen, die sich sehr gut mit sich selbst beschäftigen können, die Austausch brauchen, aber im Maß. Wir schreiben uns täglich Mails, er von der Arbeit, ich von zu Hause. Wir chatten sogar oft stundenlang, nur Meter voneinander entfernt. Im Umgang mit meinem Sohn, spielt er nie den Vater, berät ihn aber, wenn es Fragen gibt. Ich fordere manchmal von meinem Sohn etwas mehr als nötig, mein Partner relativiert, ohne zu übertreiben. Unsere Beziehung steht. Wir haben die gleichen Ziele, suchen eine Wohnung zum Kauf und warten damit solange bis wir „die Wohnung“ gefunden haben. Wir fotografieren gemeinsam, ich vor, er hinter der Kamera. Die Entscheidung das Kinderzimmer meiner Tochter, die mittlerweile studiert, zum Fotostudio auszubauen, war eine gemeinsame Entscheidung. Ich fühle mich in dieser Beziehung nie einsam, weil ich mich erstens gefunden habe und zweitens einen Partner habe, mit dem ich mich wohl fühle, weil es viele Gemeinsamkeiten gibt.

Mir fällt eine meiner ersten Psychologievorlesungen ein und unser Professor fragte, welcher Alltagsspruch zutrifft. Gleich und gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an? Es ist vor allem „gleich und gleich gesellt sich gern“. Gegensätze passen nämlich nur da, wo sie sich ergänzen. Ist der eine Partner sehr zurückhaltend, mag Kontakte aber trotzdem und der andere Partner stellt diese Kontakte her, passt das zusammen. Ist ein Partner der Gesellschaftsmensch, der andere eher der Waldläufer, wird es schwierig. Einsamkeit in einer Beziehung ist unter bestimmten Bedingungen möglich: Obwohl beide Partner zueinander passen, leben sie in verschiedenen Welten, der eine zum Beispiel nur noch im Job, der andere nur bei den Kindern. Gemeinsamkeiten werden nicht mehr gelebt.

Es gibt belastende Situationen, für die keine Lösung gefunden wird. Beide Partner ziehen sich zurück. Beide passen einfach nicht zusammen.

So ist es. Leider.

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