Einsam zu sein wird von jedem Menschen individuell empfunden. Einigen scheint Einsamkeit gar nichts auszumachen, andere flüchten sich regelrecht in sie hinein. Die meisten nehmen sie jedoch als auswegloses Gefängnis wahr, aus dem sie entweder nicht selbst entrinnen können oder es ihnen nicht gelingt, zu anderen vorzudringen. Wie lässt sich eine solche Einsamkeit überwinden?

 

Allein sein und einsam sein – zwei verschiedene Paar Schuhe

Wenn wir über Einsamkeit reden, werden die Dinge oft dramatisiert. Ängste, Zweifel, Trauer und Schuld mischen sich neben vielen anderen, negativen Gefühlen hinzu. In Kombination bewirken diese einzelnen Empfindungen eine immer weiter voranschreitende Isolation. Sie wird dann nicht mehr nur als Gefühl interpretiert, sondern manifestiert sich zu einem Zustand. Psychische wie auch physische Folgen können die Gesundheit beeinträchtigen und wiederum Auslöser sein, um noch einsamer zu werden.

Im Gegensatz dazu ist das Alleinsein durchweg ein Zustand, den wie je nach Gemüt und den entsprechend Umständen als mehr oder weniger schlimm ansehen. Wer keine Familie mehr hat, keine Freunde und auch sonst nur wenig soziale Kontakte ist wahrscheinlich sehr oft allein. Ist dieser Zustand erzwungen beziehungsweise unbeabsichtigt eingetreten, fühlen wir uns zeitgleich einsam. Haben wir uns jedoch bewusst dafür entschieden, aus welchen Gründen auch immer, wirkt es richtig heilend auch mal allein zu sein.

 

Einsamkeit damals und heute

Seit je her sind Menschen einsam und allein. Trotz unserer global verbreiteten Kulturen, sozialen Netzwerke und Familienstrukturen führen immer wieder bestimmte Schicksalsschläge oder gesellschaftliche Probleme dazu, dass einige einsam sind. Sei es auf Grund sozialer Benachteiligung, schlechtem Bildungsstand, Diskriminierung oder finanzieller Abgrenzung.

Wer nicht ins Schema passt, wird ausgegrenzt. Doch wer legt dieses Schubladendenken fest? Die Gesellschaftsform, die gerade an der Macht ist? So genau lässt sich das nicht definieren, da ein überaus komplexes System politischer, wirtschaftlicher sowie sozialer Faktoren die Rahmenbedingungen schafft.

Waren es einst religiöse Differenzen, die zur Ausgrenzung geführt haben, wurden daraus später unterschiedliche Hautfarben und heutzutage wirst du verstoßen, wenn du nicht das neuste Smartphone hast, die aktuelle Mode trägst und nicht jedes Jahr Urlaub auf Mallorca machst. Das sind natürlich überspitzte Beispiele, dennoch leben wir in einer Zeit der Kapitalwirtschaft. Wer nicht konsumiert, der verpasst etwas. So vermittelt es uns die Gesellschaft.

Und doch erheben sich – damals wie heute – einzelne Gruppen und begehren auf. Statt weiter einsam zu bleiben, schließen sich Menschen mit gleichen und ähnliche Konflikten zusammen und tragen sie gemeinsam aus. Das kann im kleinen Stil erfolgen, zum Beispiel durch Tauschbörsen, bis hin zu groß angelegten Protesten. Denn Fakt ist: Gegen jede Form der Einsamkeit kannst du etwas unternehmen.

 

Einsam als Single

Auch die Partnersuche hat sich im Laufe des Jahre stark verändert und führt immer mehr zu Einsamkeit denn zur Zweisamkeit. Zum einen fehlt den meisten Berufstätigen schlicht weg die Zeit für unterhaltsame Freizeitaktivitäten, vor allem wenn sie alleinerziehend sind und sich um ihre Kinder kümmern müssen. Zum anderen verkriechen sind Singles mehr und mehr in der Anonymität des Internets. Statt auszugehen, gehen sie online.

1. Tipp: Für einsame Singles

Mach mit beim Internethype. In der Anonymität stecken auch Chancen. Vielleicht fällt es dir per Email oder Chat leichter, dich zu öffnen. Zumindest leichter als im direkten Gespräch, wo dich die Schüchternheit überkommt. Jedoch solltest du beim Online-Dating nicht deine wahre Natur verkennen. Sei so ehrlich wie du es von anderen erwartest.

Durch den Online-Kontakt kannst du dich vorsichtig ans Flirten herantasten. Weder beurteilt jemand, was du gerade anhast, noch ob du die ganze Zeit nervös zappelst. Sicherlich gibt es auch unseriöse Angebote, aber da stehst du doch einfach drüber. Widme dich den Kontaktanfragen, die dich neugierig machen und traue dich, selbst die Initiative zu ergreifen.

2. Tipp: Für einsame Singles

Geh einfach öfter unter Leute. Viele Singles trauen sich schon gar nicht mehr, alleine in die Disko zu gehen oder auf Partys, wenn nicht ein ganzer Schwarm Freunde zur Unterstützung dabei ist. So gelingt es nur selten, das von der Meute behütete Nesthäkchen anzusprechen.

Als Single aber kannst du wunderbar alleine durch Ausstellungen flanieren, dich in ein Café oder an die Bar setzen und dabei hin und wieder einladend in die Runde schauen. Manchmal musst du das Glück eben auffordern, zu dir zu kommen. Um ins Gespräch zu kommen, genügt schon ein kleiner, gemeinsamer Konsens. Vielleicht läuft gerade ein Lied im Radio, dass ihr beide mögt oder ihr könnt über den selben Witz lachen oder habt das gleiche Getränk bestellt. Ein kurzer Aufhänger reicht, um die Sache ins Rollen zu bringen.

 

Einsam im Beruf

Selbst wenn Familie und Freunde dir zur Seite stehen, kannst du dennoch im Berufsleben vereinsamen. Die Aufgaben, die du dort bewältigen musst, lassen sich zum Teil nur bedingt Außenstehenden erklären. Wahrscheinlich weiß nicht einmal dein Partner genau, was du auf Arbeit den ganzen Tag machst. Vertrauenswürdige Kollegen zu finden ist allerdings auch nicht immer leicht.

3. Tipp: Für Einzelkämpfer im Beruf

Werde zur Schnittstelle. Freunde am Arbeitsplatz findest du nicht, in dem du alle möglichen unliebsamen Projekte auf dich lädst, und dabei still und heimlich hoffst, man würde es dir danken. Im Gegenteil: Deine Kollegen werden es schnell als selbstverständlich betrachten und dich weiter belasten. Bis du nicht mehr kannst…

Als Schnittstelle jedoch delegierst du Aufgaben und findest den richtigen Ansprechpartner. Wenn jemand eine Frage hat, weißt du wo die Lösung zu finden ist, jedoch ohne dich selbst auf die Suche danach zu begeben. Du weist quasi nur den Weg und trägst dadurch zur Lösung mit bei. Um das zu erreichen, solltest du das Unternehmen in allen Grundzügen kennen sowie welche Mitarbeiter für bestimmte Themen zuständig sind. Deine Kollegen werden sich häufiger an dich wenden, wenn sie wissen, dass du sie nicht im Regen stehen lässt. Sie werden dich aber auch nicht ausnutzen, denn darauf lässt du dich nicht ein.

4. Tipp: Für Einzelkämpfer im Beruf

Werde zum Kommunikationsprofi. Sprichst du nur, wenn du gefragt wirst? Behältst du deine Ideen lieber für dich aus Angst dich zu blamieren? Damit katapultierst du dich automatisch ins Abseits. Gegen die Einsamkeit im Berufsalltag kannst du nur mit Eigeninitiative und Kommunikation angehen. Durch Beteiligung an teamübergreifenden Projekten und regem Interesse bei Meetings bringst du dich ein. Mal abgesehen davon, dass dein Engagement der Führungsebene imponiert, unterstützt du alle Mitarbeiter.

Betrachte deine Kollegen nicht als unantastbare Institution, sondern als Menschen, denen ebenso Fehler passieren, die auch Zweifel haben und die nicht immer Lust haben, auf Arbeit einsam zu sein. Hin und wieder hilft es, sich gegenseitig vom Job abzulenken und wenigstens für einen Moment über vollkommen belanglose Themen zu plaudern. So entdeckst du womöglich in dem ein oder anderen Mitarbeiter einen Freund.

 

Einsam im Alter

Ein großes Problem der Einsamkeit ist es, einen Gesprächspartner zu finden, der dich versteht. Einen solchen Menschen zu finden ist schon nicht leicht. Ihn ein Leben lang zu halten, das ist die wahre Herausforderung des Lebens. Im Alter werden sich selbst die Ehepaare dessen bewusst, die sich jahrein jahraus nur gezofft haben und aus purer Gewohnheit trotzdem zusammen blieben.

Doch wenn einer von ihnen gehen muss, sie es durch Tod oder den Umzug ins Seniorenheim, dann kommt das Gefühl der Verbundenheit mit aller Macht zurück. Und gleichzeitig die Einsamkeit. Wenn du nach zig Jahren Partnerschaft, unzähligen Höhen und Tiefen, plötzlich auf dich allein gestellt bist. Die Kinder sind längst erwachsen und führen ihr eigenes Leben. Die Welt ist auch nicht mehr das, was sie alles einmal war. Diese Veränderungen können unglaublich erschreckend und einschüchternd sein, vor allem wenn du selbst altersbedingt nicht mehr so gut mithalten kannst.
Im Alter noch einmal Einsamkeit überwinden zu müssen, ist durchaus möglich. Und wichtig. Aber keinesfalls einfach.

5. Tipp: Für Alters-Einsame

Die leider gute Nachricht: So wir dir geht es dann vielen Menschen im Alter. Es muss ja nicht gleich der Tod sein, der dein Leben erschüttert. Selbst wenn einer ins Pflegeheim muss, der andere aber nur ins Betreute Wohnen umziehen kann, weil die Pflegestufe fehlt, werden zwei Seelen auseinander gerissen, die so fest miteinander verwoben waren, dass sie es selbst kaum realisiert haben.

Ab einem bestimmten Alter sprichst du vielleicht über das Ableben oder die letzte Station Seniorenheim. Aber wirklich vorstellen kannst du es dir wahrscheinlich trotzdem nicht. In einem solchen Fall hilft es dir, mit jemandem zu reden, der ein ähnliches Schicksal durchgemacht hat. Ganz gleich ob Seniorenheim, Rentner-AG oder Hospiz: Jeder, der dort landet, kämpft gegen das Alleinsein an. Gemeinsame Mahlzeiten, Spaziergänge, Spielnachmittage oder einfach nur vor sich hin plaudern, vertreibt die Zeit und das Gefühl, einsam zu sein. Die Einsamkeit im Alter sollte nicht den Lebensabend verderben, sondern noch einmal dazu anstiften, jeden Tag zu genießen.

6. Tipp: Für Alters-Einsame

Nicht nur die Senioren selbst müssen mit der neuen Situation zurecht kommen und sich den Veränderungen stellen. Auch die Angehörigen leiden mit ihnen, vermissen ihre Eltern oder Geschwister und wissen gar nicht so recht, mit wem sie darüber reden oder wie sie ihren Verwandten helfen können.

Natürlich sind regelmäßige Besuche und Telefonate sowie Unterstützung bei dem ganzen Papierkram sehr wichtig. Dennoch greift die Trauerbewältigung ungeahnt um sich. Wenn du deine Eltern in einem Seniorenheim unterbringen musstest, belaste dich auf keinen Fall mit Schuldgefühlen. Such dir Rat beim Pflegepersonal und bei den zuständigen Ämtern, wie die Situation so angenehm wie möglich gestaltet werden kann. Und so wie sich die alten Herrschaften noch einmal zusammen tun, kannst du dich mit den Angehörigen der anderen Familien austauschen, gemeinsame Besuchszeiten vereinbaren, eine Runde gemeinsam spazieren oder ihr bringt im Wechsel Kuchen und Kaffee mit. Erzählt euch alte Geschichten, die vielleicht besonders peinlich oder romantisch waren, zeigt euch Fotos von damals und erinnert euch gemeinsam.

 

Einsam trotz Beziehung und Ehe

Ob ihr nun 6 oder 60 Jahre ein Paar seid, spielt kaum einer Rolle. In jeder Beziehung gibt es Phasen, in denen ihr euch einsam fühlt. Häufig geht es dabei in erster Linie darum, dass du dich missverstanden fühlst und glaubst, du könntest dich deinem Partner nicht richtig anvertrauen beziehungsweise er vertraut sich dir nicht an. So entstehen die ersten Zweifel.

Zwischen der Hektik im Berufsleben, Terminen, Kinderbetreuung (selbst wenn diese längst erwachsen sind, oder gar eigene Kinder mitbringen) und dem ganz normalen Wahnsinn, geht die Zeit für den Partner einfach verloren. Wann wart ihr das letzte Mal chic essen, im Kino oder habt euch einfach aufs Sofa gekuschelt und seid bei einem Film Arm in Arm eingeschlafen?

7. Tipp: Für Einsame in der Zweisamkeit

Plane einen romantischen Ausflug über Wochenende. Vielleicht ein kleines Hotel am See, eine kleine Zugreise oder eine Wanderung. Nur ihr beide. Keine Telefone, keine Nachrichten, keine Ablenkungen. Nur so könnt ihr euch bewusst Zeit für einander nehmen. Es gibt so viele Themen, die eben nicht beiläufig zwischen Tür und Angel besprochen werden können oder für die es nicht genügt, mit einem halben Ohr zuzuhören.

Anstatt dass sich jeder in seiner eignen Einsamkeit verschanzt, voller Wut und Schuldzuweisungen, lernt, zu zweit die Einsamkeit zu genießen. Sprecht euch in Ruhe aus, so dass alles einmal gesagt werden kann. Überschlaft die Dinge und dann redet auch wieder über ganz banale Themen, die weniger frustrierend oder anstrengend sind. Das lockert die Gedanken und ihr könnt euch neu sortieren und wieder zueinander finden.

8. Tipp: Für Einsame in der Zweisamkeit

Geht zusammen aus, zu einer Veranstaltung, die euch beiden gefällt. Es heißt nicht umsonst, Gegensätze würden sich anziehen. In einer Partnerschaft treffen oftmals ganz unterschiedliche Interessen aufeinander. Manche sehen sich gerne ein Fußballspiel im Stadion an, andere hingegen besuchen lieber das Theater. Findet stattdessen Aktivitäten, die euch beiden zusagen.

Tanzen ist wohl mit das beste Heilmittel für Einsamkeit in der Beziehung. Und wenn ihr euch noch so unbeholfen gegenseitig auf die Zehen tretet: In einem Tanzkurs lernt ihr die richtigen Schritte. In der Regel sitzen die ersten Bewegungen bereits nach einer Übungseinheit. Wenn ihr nach und nach lernt euren Rhythmus einander anzupassen und auf die Intuition des anderen zu achten, kann zusätzlich mehr Schwung in die Sache gebracht werden. Bei einigen Tänzen kommt echte Romantik auf, so nah steht ihr euch. Dieses Miteinander Auge in Auge, statt Nebeneinander mit Tunnelblick, lässt euch alles andere vergessen. Schafft euch eine eigene kleine Welt, in der ihr unter euch seid.

 

Einsam nach der Trennung

Überhaupt sollten sich Paare viel öfter ansehen. Vielleicht spürst du nicht mehr dieses Kribbeln im Bauch wie beim ersten Mal, doch irgendetwas war da, dass dir gefallen hat. Sonst wärt ihr ja wohl kaum ein Paar geworden. Wenn aber der Zeitpunkt kommt, an dem keinerlei Gefühle mehr da sind oder nur noch Schmerz und Wut, ist es mitunter besser, die Beziehung zu beenden. Es kommt vor, dass aus Liebe Hass wird, aus Vertrauen Verachtung. Bevor ihr euch gegenseitig weiter verletzt, kann eine Trennung sinnvoll sein. Doch sie bringt auch die Einsamkeit mit sich.

9. Tipp: Für getrennt Einsame

Wenn die Beziehung nicht einvernehmlich beendet wird, ist es häufig der Fall, dass der Verlassene sich einsam fühlt, während der andere das Alleinsein genießt. Hier wird der Unterschied ganz besonders deutlich, ob du dich bewusst für die Situation entscheidest oder in sie hinein gedrängt wirst.

In beiden Fällen empfiehlt es sich einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Sprich dem Ex nicht weiter nachzuspionieren, die Freunde auszufragen oder sporadisch Kontakt zu halten. Selbstverständlich gibt es viele Paare, die sich auch nach der Trennung noch gut verstehen, einen gemeinsamen Freundeskreis haben oder allein schon wegen der Kinder in Verbindung bleiben. Auch das ist OK, solange ich euch nicht weiter verletzt oder verletzbar fühlt. Spätestens wenn einer von beiden aber einen neuen Partner hat, wird die Lage wieder heikel. Ohne ein hohes Maß an Verständnis, könnte einer der Betroffenen in der Einsamkeit landen. Immerhin ist es auch für die neue Liebschaft kein Zuckerschlecken permanent mit dem Ex-Partner konfrontiert zu werden. Da helfen nur klare abgesteckte Grenzen und Prioritäten.

10. Tipp: Für getrennt Einsame

Sobald Kinder von der Trennung betroffen sind, lassen sich derartige Grenzen weitaus schwerer festlegen. Steht dann auch noch ein Umzug an und damit die räumliche Trennung, erscheint die Einsamkeit noch viel schlimmer. Jede verfügbare Minute, die als Familie zusammen verbracht wird, drängt dazu bestmöglich genutzt zu werden und das im Idealfall ohne Streitigkeiten. Hast du dich schon in der Beziehung allein gefühlt, dann jetzt erst recht.

Dagegen hilft nur, den Druck von den Schultern zu nehmen. Oder ganz salopp formuliert: „Glück ist wie furzen… Erzwingst du es, kommt nur Scheiße raus!“

Versuche also nicht, jeden Moment mit den Kindern perfekt zu machen. Wenn diese zum Beispiel selbst den Bund fürs Leben schließen, ihr aber frisch getrennt seid, dann zwingt euch, zum Wohle aller, euch auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dazu musst du vielleicht ganz schön zurückstecken und deine Einsamkeit eine Weile regelrecht niederringen. Wenn du das schaffst und damit schöne Erinnerungen für alle zulässt, kannst du stolz auf dich sein. Deine Kinder werden es dir eines Tages danken und dich eben nicht einsam und allein lassen.

 

Einsam nach dem Auszug der Kinder

Die Kinderbetreuung hat all die Jahre deinen Alltagsrhythmus bestimmt. Seit der Geburt warst du für ihr Wohlergehen zuständig, hast dich gesorgt und bemüht, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Und dann kommt der Tag, an dem sie ausziehen und ihre eigenen Wege gehen. Und eine riesengroße Lücke hinterlassen. Sie sind natürlich nicht gleich aus der Welt, aber eben auch nicht mehr jeden Tag bei dir. Plötzlich hast du ungewohnt viel Zeit. Für dich allein und für deinen Partner. Was habt ihr euch ohne Kinder noch zu sagen?

11. Tipp: Für die Zeit nach den Kindern

Das Kinderzimmer ausgeräumt, Stille überall, keine Termine mehr und Abends ein Gedeck weniger: Wie seltsam das doch anmutet. Mit der Leere kommt jedoch auch der Platz für Neues. Nutzt den Raum für ein gemeinsames Projekt, zum Beispiel ein kleiner Sportbereich mit Geräten und Yogamatte, wo ihr wieder aktiv werden könnt. Richtet euch eine Bibliothek ein oder ein Gästezimmer, damit die Kinder möglichst oft zu Besuch kommen. Hauptsache ihr gestaltet den Bereich neu, damit er euch nicht so verlassen vorkommt.

12. Tipp: Für die Zeit nach den Kindern

Sind die Kinder aus dem Haus, habt ihr nicht nur räumlich gesehen neue Optionen, sondern könnt auch eure Freizeit neu einteilen beziehungsweise überhaupt erst einmal wieder richtig nutzen. Nehmt euch Zeit als Paar (Stichwort zweiter Frühling…) sowie für individuelle Aktivitäten. Um die Einsamkeit gar nicht erst zu zulassen, habt ihr allerhand Möglichkeiten: Reisen, Hobbys, Fremdsprachen oder Instrumente lernen. Geht mit Freunden aus und freundet euch damit an, erwachsen aber noch lange nicht alt zu sein.

Teilt eure Erlebnisse mit den Kindern und tauscht euch gegenseitig aus, sei es am Telefon, per Email oder bei Besuchen. Um den Kontakt zu halten, müsst ihr interessant bleiben. So findet ihr immer neue Themen zum Besprechen und könnt neuerdings sogar eure Kinder um Rat bitten und sie dadurch einbeziehen. Umgedreht werden sie nach wie vor noch oft genug eure Unterstützung benötigen und sei es bei der nächste Generation, damit diese nicht einsam aufwächst.

 

Vereinsamung in der Gesellschaft

Wie zu Beginn erwähnt, ändern sich die Zeiten und damit die Beweggründe für Einsamkeit. In unserer heutigen Gesellschaft stehen Leistungsdruck, finanzielle Herausforderungen und Anonymität an erster Stelle als Ursache für die zunehmende Vereinsamung.

Trotz Kulturangeboten, Singlebörsen und Familienveranstaltungen fühlen sich Menschen einsam mit ihrem Schicksal. Es scheint schon beinah ein gesellschaftlicher Trend zu werden, den inneren Rückzug anzutreten, um sich vor dem Überangebot, dem Druck und all den Lasten, zu schützen.

Einerseits herrscht zu viel Überreizung, andererseits zu wenig Individualität. Wer mit den Massen schwimmt, geht als einzelne Persönlichkeit unter. Diese vermeintlich unscheinbare Form der Einsamkeit betrifft fast jeden Menschen, denn wir bauen sie als Schutz auf und verpassen den Ausstieg, wenn es darauf ankommt. Doch du kannst lernen, wie sich diese Einsamkeit überwinden lässt:

13. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Sharing ist Caring heißt es so schön. Mit anderen Wort, wer teilt, hilft. Anstatt dein übrig gebliebenes Hab und Gut zu verkaufen und alles, was noch du irgendwann einmal gebrauchen könntest, ungenutzt zu bunkern (und sei es dein Wissen und deine Fähigkeiten) – teile es mit denen, die es brauchen. Über diverse Plattformen und Tauschbörsen schließen sich immer mehr Menschen zusammen, um das Miteinander wieder zu erleben.
Da werden Werkzeuge ausgeliehen, zu viel gekochtes Essen verschenkt, alte Haushaltsgeräte repariert, auf Haustiere während der Urlaubszeit aufgepasst, und vieles mehr. Du wirst überrascht sein, wie dankbar deine Hilfe angenommen wird und wie viel dir diese Kontakte zurückgeben. Freundschaft, Hilfsbereitschaft und den Ausstieg aus der Einsamkeit, indem du dich wieder als nützliches Mitglied der Gemeinschaft siehst.

14. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Beteilige dich an gemeinnützigen Organisationen, sei es als Ehrenamtlicher oder als Vereinsmitglied. Viele Interessenverbände sind auf derart freiwillige Unterstützung angewiesen. Kinder- und Jugendeinrichtungen genau so wie Umwelt- und Tierschutzvereine oder Sportclubs. Auf die Art nimmst du wieder Anteil am unmittelbaren gesellschaftlichen Leben, kannst dich kreativ entfalten und stark machen für etwas, das dir wirklich am Herzen liegt.

15. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Pack deine Koffer und verreise. Nicht in den Pauschalurlaub an die Hotelbar, sondern ganz klassisch eigen organisiert. Sei es mit dem Auto von einer Stadt zur nächsten, mit dem Zug in die Berge oder per Flugzeug in ferne Ländern. Nimm deine Wanderstiefel mit und beschreite neue Wege. Überall auf der Welt wirst du Menschen begegnen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben und mit denen du deine teilen kannst. Du kannst alleine reisen, mit einer Freundin oder dich einer Pilgergruppe anschließen.

16. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Eine Reise könnte dich auch für längere Zeit in ein Kloster führen. Dort erfährst du Einsamkeit in einer völlig anderen Form, nämlich als heilenden und reinigenden Prozess. Historisch gesehen waren Initiationsrituale wie das Schweigegelübde dazu da, um Achtsamkeit zu üben, sich dem Inneren zu zuwenden und zu lernen, wer man eigentlich ist. Eremiten halten es Ähnlich: Durch Enthaltsamkeit und Altruismus lernen sie, in der Einsamkeit inneren Frieden zu finden.

17. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Bestrafe dich nicht durch Einsamkeit. Nicht grundlos wird Isolation als Strafmaßnahme eingesetzt. Sei es das Kind, das sich in die Ecke stellen muss oder der Häftling, der in Einzelhaft verlegt wird. Durch Abschottung von sozialen Kontakten zerbrechen wir innerlich, denn uns fehlt der Halt und das Vertrauen. Wenn du glaubst, dich trifft Schuld, dann kläre die Situation, aber ziehe dich nicht aus ihr zurück. Deine Probleme folgen dir ohnehin, die lassen sich nicht isolieren. Wenn dir der Mut fehlt, dich deinen Ängsten zu stellen, denk nur an die Furcht vor der Einsamkeit. Was ist dir lieber?

18. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Hast du schon mal etwas von Schmittah gehört? Hilft wunderbar, Alleinsein zu lernen, ohne sich einsam zu fühlen. Gemeint ist das Sabbatjahr, das ursprünglich dem Ackerland als Ruhejahr eingeräumt wurde, damit der Boden sich erholen und mit frischen Nährstoffen anreichern konnte. Auch für dich könnte ein Jahr Auszeit genau das Richtige sein, um einen „Ausstieg auf Zeit“ in Anspruch zu nehmen. Ein Jahr lang eine Auszeit vom Job nehmen, ins Ausland verreisen, pilgern oder dich einem Kloster anschließen – in einigen Branchen wird das Sabbatjahr sogar vom Arbeitgeber unterstützt.

19. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Lerne die Gefahren und ersten Anzeichen der Einsamkeit erkennen. Nur so kannst du sie rechtzeitig verhindern beziehungsweise eingrenzen und auflösen, bevor du noch völlig aufgelöst endest. Durch Autogenes Training, gelebte Achtsamkeit, Meditation und ähnliche Übungen setzt du dich regelmäßig mit deinem Inneren auseinander, lernst deine Gefühle und Gedanken besser kennen und wie sie beeinflusst werden. Je besser du den Weg zu dir selbst findest, desto besser erkennst du die Gefahren, die dich davon abbringen könnten.

20. Tipp: Für alle Einsamen da draußen

Nimm am Leben teil. Dazu lässt sich kaum mehr sagen, denn im Grunde genommen geht es letztlich exakt darum: Das Leben empfängt dich mit offenen Armen, es ist nicht immer leicht, nicht immer gerecht und schon gar nicht immer voller Glückseligkeit. Aber in jedem Moment liegt Schönheit, jede Erfahrung prägt dich und deine Persönlichkeit. Dennoch kannst du selbst bestimmen, was für ein Mensch du sein möchtest. Ein einsamer oder einer, der mitten im Leben steht.

 

Mehr zum Thema Einsamkeit findest du hier:

Für die Zeit mit dir selbst:

 

 

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